Arboristik - Schadorganismen

Baumpflege  |  Nachrichten  |  Produkte  |  Schadorganismen  |  Wissen  |  Recht

 

 

 

Schweiz: Erfolgreicher Kampf gegen Holzschädling

Keine Asiatischen Laubholzbockkäfer mehr im Kanton Freiburg (Schweiz)


Asiatischer Laubholzbockkäfer
In Marly wurden neben gelb auch weiss gefleckte Asiatische Laubholzbockkäfer gefunden. An der WSL durchgeführte genetische Analysen zeigten, dass sich beide im Erbgut nicht unterscheiden. Foto: Reinhard Lässig / Eidg. Forschungsanstalt WSL

 

(4.3.2019) Der Asiatische Laubholzbockkäfer ein in der Schweiz gemäß der Verordnung über Pflanzen-

schutz besonders gefährliches Insekt, das im Kanton Freiburg 2011 in Brünisried und 2014 in Marly nachgewiesen wurde, konnte nach mehreren Jahren Bekämpfung erfolgreich ausgerottet werden.

 

Anoplophora glabripennis
Die gelb gefleckte Variante des Asiatischen Laubholzbock-käfers wurde in der Schweiz bisher nur in Marly (Kanton Freiburg) entdeckt.Foto: Doris Hölling, WSL

Der Asiatische Laubholzbockkäfer (Anoplophora gla-

bripennis), ist ein aus Ostasien stammendes Insekt, das gesunde Laubbäume befällt. Er kann ihnen schwere Schäden zufügen, bis hin zum Absterben der Bäume. Aus diesem Grund wird der Käfer in der Bun-

desverordnung über Pflanzenschutz als besonders gefährlich eingestuft. Die Kantone sind verpflichtet, dieses Insekt im Sinne der Tilgungsstrategie des Bundes zu bekämpfen.

Der schweizweit größte Befallsherd dieser Insektenart wurde 2014 in Marly entdeckt. Der Kanton Freiburg ergriff in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde Marly, dem Bundesamt für Umwelt BAFU und der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL strenge Maßnahmen, wie das Fällen zahlreicher Bäume und intensive Kontrollen an verbleibenden Bäumen. Diese Kontrollen wurden durch Baumkletterer und speziell dafür ausgebildete Spürhunde durchgeführt.

 

Erfolgreicher Kampf gegen den Laubholzbockkäfer


Kastanien
Auf dieser in Marly befallenen Rosskastanie befanden sich mehr als 100 Ausfluglöcher des Asiatischen Laubholzbock-käfers. Foto: Doris Hölling, WSL
Baumkronen
Im linken, stark besonnten Teil der Rosskastanienkrone nagten die Asiatischen Laubholzbockkäfer besonders viele Blattstiele an, was zum Absterben der Blätter führte.
Foto: Doris Hölling, WSL

Die Maßnahmen erwiesen sich als äußerst effizient, denn seit 2014 gab es keine weiteren Anzeichen für einen Befall. Damit ein Herd als getilgt gilt, müssen gemäß Vorgabe des Bundes während 4 Jahren inten-

sive Kontrollen durchgeführt werden, ohne dass An-

zeichen für eine neue Präsenz des Käfers auftreten.

Ein weiterer Befallsherd von geringerem Ausmaß wurde 2011 in Brünisried (Kanton Freiburg) entdeckt und Ende 2017 als getilgt eingestuft. Wie sich 2014 herausstellte, stand dieser Befallsherd in Zusammen-

hang mit jenem in Marly, da befallenes Holz aus Marly 2011 oder zuvor nach Brünisried transportiert worden war, noch ehe die Befälle bekannt waren.

Die Kontrollen werden nun an beiden Orten abge-

schlossen, der Befallsherd in Marly gilt seit Ende 2018 offiziell als getilgt. Die Präventionsmaßnahmen (Verbot von Holztransporten, obligatorisches Häckseln, Anpflanzungseinschränkungen usw.), die durch eine kantonale Verordnung eingeführt worden waren, sind aufgehoben. Im Kanton Freiburg ist derzeit kein Befallsgebiet des Asiatischen Laubholzbockkäfers bekannt.

 

Kostenintensive Bekämpfung

 

Die externen Kosten zulasten des Staates Freiburg betragen 2.390.100 Franken für Marly und 234.380 Franken für Brünisried, d. h. insgesamt 2.624.480 Franken. Dank der Ergänzung des eidgenössischen Waldgesetzes und weil sich Schutzwald im Bekämpfungs-

gebiet befand, konnte sich der Bund an den Kosten beteiligen. Die Nettokosten nach Abzug der Bundessubven-

tionen liegen bei 1.658.754 Franken.

Einer der Erfolgsfaktoren ist namentlich die gute Zusammenarbeit zwischen dem Kanton, der Bevölkerung und den erwähnten Partnerinstitutionen. Beim Umgang mit dieser außerordentlichen Situation wurden zahlreiche Erkenntnisse gewonnen, die auch in anderen Befallsgebieten im In- und Ausland von Nutzen sein können und die in die Vollzugshilfe Waldschutz des BAFU eingeflossen sind.

Fangbaum
Fangbaum.
Foto: Doris Hölling, WSL

Um den Einwohnerinnen und Einwohnern von Marly für die gute Zusammen-

arbeit zu danken, offeriert der Kanton den Eigentümern von Parzellen in der „Kernzone“ (in der die Bäume gefällt wurden), die dies wünschen, einen Obstbaum, der kostenlos angepflanzt wird. Die betroffenen Personen erhalten weitere Informationen in einem Schreiben, im Gemeindeblatt und auf der Website der Gemeinde.

 

Hintergrund


Zu den Aufgaben der Eidg. Forschungsanstalt WSL gehört es, die Käfer in allen Entwicklungsstadien eindeutig zu bestimmen und die fachliche Beratung und Begleitung während des gesamten Monitoringzeitraums zu gewährleisten. Die WSL stellte ihren Partnern bei Bund, Kantonen, Gemeinden und mitwir-

kenden freischaffenden Fachleuten zudem präpariertes Anschauungs- und Probematerial für die Öffentlichkeits- und Spürhundearbeit zur Verfügung und führte Schulungen durch. Sie führte zudem Holzbestimmungen und Altersabklärungen des Käferbefalls sowie genetische Analysen durch. So konnte u.a. der Zusammenhang des Befalls in Marly mit dem Fund in Brünisried (beide Kanton Freiburg i.Ü.) bestätigt werden.
(Reinhard Lässig, WSL)

 

Weiterführende Informationen:
Eidg. Forschungsanstalt WSL


 

zurück zur Übersicht oder zur Startseite

 


2003 - 2019 - arboristik.de - All rights reserved

gelbgefleckter ALB Ausfluglöcher Kastanienkrone Fangbaum