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Rekordhitze: Fatal für das Stadtklima

Temperaturmessungen in Städten mit eindeutigem Ergebnis

 

Rekordhitze: Fatal für das Stadtklima

Foto: kes, pixabay, Pixabay Lizenz

 

(29.7.2019) Die Klimakrise sorgt für immer häufiger auftretende Hitzesommer. In den Städten können Bäume für Abkühlung sorgen, wie der Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN) bei Temperaturmessungen an insgesamt 10 Standorten in München, Nürnberg und Coburg festgestellt hat. „Die Staatsregierung und der Bayerische Landtag müssen als Konsequenz des erfolgreichen Volksbegehrens „Rettet die Artenvielfalt“ und als Klimaschutzsofortmaßnahme den Baumschutz gesetzlich verankern“, fordert daher BN-Landesvorsitzender Richard Mergner.

 

Der Hitze-Rekordsommer von 2018 setzt sich 2019 nahtlos fort. Besonders fatal ist die Situation in den Städten: die hohe Wärmespeicherfähigkeit von Beton und Asphalt und der hohe Versiegelungsgrad führen zu einer Stauung der Hitze. Der BN hat in München, Nürnberg und Coburg von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang Lufttemperaturmessungen mit → Aspirationspsychrometern nach Aßmann an verschiedenen Plätzen durchgeführt. Mit diesem Messinstrument lässt sich die wahre, nicht durch die Sonneneinstrahlung verfälschte Temperatur ermitteln.

 

Die Ergebnisse der Messungen sind eindeutig und in allen drei Städten sehr ähnlich: Schon in den frühen Morgenstunden sind Temperaturunterschiede von ungefähr einem Grad zwischen unbegrünten und begrünten Flächen erkennbar, die im Laufe des Tages noch zunehmen. In München wurden schon mittags bis zu drei Grad Unterschied zwischen Pettenkoferstraße und dem Nußbaumpark festgestellt. Ein ähnliches Ergebnis erhielt der BN in Nürnberg bei Messungen am Hauptmarkt und im Rosenaupark sowie in Coburg, wo im Grünen Labor, auf dem Marktplatz und unter einem alten Baumbestand neben der Anna B. Eckstein Anlage gemessen wurde. Während die Messung nachmittags auf dem Marktplatz eine Lufttemperatur von 39° Grad ergab, waren es zeitgleich im Grünen Labor immerhin „nur“ 35,5°C.

 

Die Ergebnisse zeigen deutlich: „Grünflächen und Bäume spielen für die Klimatisierung einer Stadt eine wichtige Rolle. Ein ausgewachsener Laubbaum verdunstet an einem heißen Sommertag bis zu 400 Liter Wasser und kühlt somit seine Umgebung ab. Ein Laubbaum mit 15 m Kronendurchmesser kühlt zusätzlich eine Fläche von 160 m² mit seinem Schatten“, erklärt die Münchner BN-Stadtbaumexpertin Angela Burkhardt-Keller.

 

„Studien prognostizieren bis zum Ende des Jahrhunderts eine deutliche Zunahme der Hitzetage mit Tagestem-

peraturen über 30° C. Auch die Zahl der Tropennächte, in denen es nicht unter 20° C abkühlt, steigt an, was neben der großen Belastung, der die Menschen tagsüber ausgesetzt sind, zusätzlich zu einer fehlenden Rege-

neration in der Nacht führt“, mahnt Mergner. „In Zeiten der Klimakrise mit steigender Hitzebelastung in den Stadtzentren sind Stadtbäume und innerstädtische Grünflächen als natürliche Klimaanlagen überlebensnotwenig für die Bevölkerung. Dennoch haben wir jedes Jahr dramatische Verlustzahlen bei Bäumen in Bayerns Städten und eine weitere zunehmende Versiegelung. Wir brauchen aber mehr statt weniger Bäume und fordern das auch von unseren Kommunen“.

 

Die Kommunen verfügen in Form von Baumschutzverordnungen über ein Instrument, das zum Schutz der Bäume beitragen kann. „Derzeit haben nur 94 der 2.056 Städte und Gemeinden eine Baumschutzverordnung erlassen, obwohl die 83,1 % der Kommunen, die eine eigene Baumschutzverordnung beschlossen haben, diese für ein eher wichtiges oder sehr wichtiges Mittel zum Baumschutz halten“ zitiert BN-Projektkoordinator Mühlleitner aus einer aktuellen Studie es BN zur Effektivität von Baumschutzverordnungen.

„Insgesamt können Baumschutzverordnungen ein sinnvolles Instrument zum Schutz von Bäumen darstellen“, merkt Martin Geilhufe, Landesbeauftragter des BUND Naturschutz, an. „Wir fordern daher landesweit die Einführung kommunaler Baumschutzverordnungen verbunden mit einem Zonierungskonzept. So sollten in stark verdichteten Zonen – der Wichtigkeit der Bäume für die Lebensqualität entsprechend – Baumfällungen nicht oder nur gegen hohe Ausgleichszahlungen bzw. erhebliche Ersatzpflanzungen, möglich sein.“ In Zonen mit sehr hohem Durchgrünungsanteil, könnten hingegen geringere Ansprüche an den Baumschutz angelegt und die Ersatzpflanzungen lediglich im Verhältnis 1:1 durchgeführt werden.
(BN)


Weitere Informationen:

Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN)


 


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