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Palmöl landet immer häufiger im Tank

Biokraftstoffe sind der falsche Weg, die Klimaziele im Verkehrssektor zu erreichen

Palmöl landet immer häufiger im Tank
Baumriesen im Harapan Rainforest, Indonesien. Foto: RSPB/Clare Kendall


(27.11.2016) Jährlich werden gigantische Flächen an Tropenwald gerodet, um billiges Palmöl zu produzieren. In Europa landet der Großteil des importierten Palmöls im Tank – Tendenz steigend. Um die Klimaziele im Verkehrssektor zu erreichen, ist das der falsche Weg, denn Biodiesel verursacht dreimal mehr CO2-Emissionen als fossiler Diesel.

 

Der NABU sieht seine grundlegende Kritik an der Verwendung von Palmöl in Biokraftstoffen durch eine neue Studie der Umweltorganisation Transport & Environment bestätigt. Demzufolge landet erstmals der größte Anteil europäischer Palmöl-Importe im Sprit – noch vor Lebensmitteln und Kosmetik. Im vergangenen Jahr stieg die Verwendung von Palmöl in Biodiesel noch einmal um drei Prozent auf insgesamt 3,35 Millionen Tonnen an. Zudem wiesen die Autoren der Studie nach, dass Biodiesel auf Basis von Palmöl keineswegs sauber ist: Er verursacht dreimal mehr CO2-Emissionen als fossiler Diesel. „Während sich viele Konsumenten zu Recht Gedanken um palmölfreie Lebensmittel machen, wird ein Großteil des Palmöls einfach in unseren Motoren verfeuert. Das ist nicht nachvollziehbar und führt klimapolitisch in die Sackgasse“, so NABU-Bundesgeschäfts-

führer Leif Miller.

 

Gerade am Beispiel von Palmöl zeige sich, dass Biokraftstoffe der falsche Weg seien, die Klimaziele im Verkehrsbereich zu erreichen. „Die Rechnung, verbrauchsstarke Verbrennungsmotoren mit scheinbar treibhausgasneutralen Kraftstoffen betreiben zu wollen, geht nicht auf. Jedes Jahr werden gigantische Flächen an Tropenwald gerodet und für immer zerstört, nur um billiges Palmöl zu produzieren. Dabei ist der Weg für die Zukunft des Verkehrs doch klar: Fahrzeuge müssen deutlich effizienter werden und wir brauchen mehr E-Mobilität bei gleichzeitigem Ausbau der Erneuerbaren Energien“, so Miller.


Strengere CO2-Grenzwerte für Pkw und Lkw seien das deutlich wirksamere Mittel zur Emissions-Reduzierung als der Versuch der Automobilkonzerne, die Klima-Verantwortung auf die Mineralölindustrie abzuwälzen. Geradezu grotesk sei es, dass in vielen Tropenwaldregionen mit hohem Aufwand versucht werde, verbleibende Wälder als Kohlenstoffspeicher zu schützen, während auf der anderen Seite des Waldes für Palmöl gerodet würde. „Die Auswirkungen der verfehlten europäischen Biokraftstoff-Politik können wir jeden Tag beobachten, beispielsweise in unseren Projektregionen in Indonesien. Die Waldflächen schrumpfen hier bedrohlich und damit auch der Lebensraum von gefährdeten Arten und indigenen Völkern. Herrschte in anderen Weltregionen ein ähnlicher Durst nach palmölbasiertem Diesel, würden wir eine Anbaufläche in der Größe der verbleibenden Regenwälder Borneos, Sumatras und Malaysia benötigen“, so NABU-Vizepräsident Thomas Tennhardt.

 

Derzeit erarbeitet die Europäische Kommission einen Vorschlag zur Novellierung der Richtlinie für Erneuerbare Energien (RED), die unter anderem den zulässigen Anteil von Biokraftstoffen regeln wird. Der geleakte Entwurf sieht derzeit eine minimale Reduktion des Biokraftstoffanteils im Verkehrsbereich von 4,9 Prozent auf 3,8 Prozent im Jahr 2030 vor. Damit wäre auch künftig eine Beimischung von problematischen Pflanzenölen wie Palmöl mit seinen negativen Auswirkungen für Umwelt und Klima zulässig. Der NABU fordert hingegen einen phasenweisen Ausstieg aus landbasierten Biokraftstoffen, bis hin zum völligen Verbot.
(NABU)

 

Weiterführende Informationen:

 

Studie der Umweltorganisation Transport & Environment (pdf, 247 KB, engl.)

→ https://www.nabu.de/

 

 

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