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Stadtklima unter Beobachtung

Projekt „Klimaerlebnis Würzburg“ gestartet

 

Foto: pixabay.com,CC0 1.0 / Robert Emmerich (JMU)

 

(19.11.2017) Am Paradeplatz hinter dem Würzburger Dom steht ein Lindenbaum, der mit Messtechnik verkabelt ist. Gleich nebenan: Eine neue Wetterstation, angebracht am Mast einer Straßenlampe. Hier ist ein Forschungsteam dem Stadtklima auf der Spur.

 

In der Stadt ist es wärmer als auf dem Land: Das haben vermutlich schon viele Menschen gemerkt, die an einem warmen Sommerabend von ihrem Dorf nach Würzburg gefahren sind. Aber auch in der Stadt selbst mit ihrer extremen Talkessel-Lage gibt es Temperaturunterschiede: Wer etwa am Main entlang radelt und Richtung Innenstadt abbiegt, spürt das am wärmeren Fahrtwind. Eine aufgeheizte Stadt in einer kühleren ländlichen Umgebung: Fachleute sprechen hier vom „Wärmeinseleffekt“. Der hängt davon ab, wie die Baustruktur der Stadt

Baumsensorik
Baumsensorik am Würzburger Paradeplatz: Hier messen Forscher aus München verschiedene Parameter.
Foto: Robert Emmerich

aussieht, wie hoch der Anteil versiegelter Flächen ist und wie viele Bäume oder Grünflächen es in den Straßen gibt. Vor allem Bäume sorgen in einer „Betonwüste“ für Abkühlung und damit für ein verträglicheres Stadtklima: Ihre Kronen spenden Schatten, ihre Blätter verdunsten Wasser und kühlen damit die Luft. „Dieser Effekt ist zwar theoretisch gut zu erklären, aber wissenschaftlich fundierte Messungen dazu gibt es bislang nicht“, sagt Geographie-Professor und Klimaforscher Heiko Paeth von der Universität Würzburg.

 

Messungen an sieben Standorten in Würzburg

 

Das soll sich ändern – durch das neue Forschungsprojekt → „Klimaerlebnis Würzburg“, an dem der Professor und sein Doktorand Christian Hartmann beteiligt sind. Die Wissenschaftler wollen herausfinden, wie stark der Baumbestand und die Bebauung das Klima in der Stadt tatsächlich beeinflussen.

Dazu installieren sie an sieben Stellen in Würzburg neue Wetterstationen – von der Innenstadt bis an den Stadtrand, von stark bebauten, baumfreien Standorten bis hin zu Gebieten mit viel Grün und wenigen Gebäuden. „Wir messen Temperatur, Wind, Luftfeuchtigkeit, Niederschlag, Globalstrahlung und andere Werte“, erklärt Doktorand Hartmann. Alle zehn Minuten werden die Werte gespeichert und via Funknetz auf einen Server der Universität geschickt. Die Messungen laufen mindestens drei Jahre lang, die wissenschaftliche Auswertung der Daten wird einen Großteil von Hartmanns Doktorarbeit ausmachen.

 

Forscher aus München bringen Baumsensoren an

 

Dendrometer
Ein Dendrometer misst, wie stark der Baumstamm – je nach Wasserversorgung – anschwillt oder schlanker wird.
Foto: Robert Emmerich

An den Mess-Standorten sind gleichzeitig Forscher von der Technischen Universität München aktiv. Ein Team um Projektleiter PD Dr. Thomas Rötzer (Lehrstuhl für Waldwachstumskunde) versieht dort einzelne Bäume mit diversen Sensoren – Temperaturfühler, Dendrometer und mehr. Die sollen unter anderem Aufschluss darüber geben, wie das jeweilige Standortklima das Wachstum und die Verdunstungsleistung der Bäume beeinflusst.

Die Münchener Forscher bringen ihr Instrumentarium an Linden und Robinien an. Diese Baumarten haben sie mit Bedacht gewählt: „Sie unterscheiden sich in ihrer Wärme- und Trockenresistenz“, erklärt Rötzer.

 

Messwerte werden öffentlich zugänglich gemacht

 

Ihre Daten wollen die Wissenschaftler nicht für sich behalten, sondern mit der Öffentlichkeit teilen. Dazu werden die Messwerte grafisch aufbereitet und in Echtzeit im Internet zur Verfügung gestellt. Die Webseite soll spätestens zum Start der Landesgartenschau im April 2018 fertig sein.

Damit möglichst viele Interessierte von dem Projekt erfahren, stehen an allen Messpunkten Info-Stationen mit QR-Codes bereit. Und auf der Landesgartenschau soll eine Videowand dafür sorgen, „eine möglichst große Wahrnehmung der Problematik zu erzeugen“, so Paeth.

Problematik? Damit spielt der Professor auf den Klimawandel an. Gerade in Würzburg und Mainfranken ist es in den vergangenen Jahren zunehmend wärmer und trockener geworden. Wie verändert sich das Klima weiter? Wie kommen Stadtbäume damit zurecht? Wie können die Bäume dazu beitragen, das Leben in der aufgeheizten Stadt erträglicher zu machen? Das sind einige Fragen, die das Projekt am Ende beantworten soll.

 

Projektstart
Start des Projekts „Klimaerlebnis Würzburg“ (v.l.): Wolfgang Kleiner, Christian Schuchardt, Thomas Rötzer, Christian Hartmann und Heiko Paeth.
Foto: Robert Emmerich

Projektstart mit Oberbürgermeister Schuchardt

 

„Der Klimawandel wird kommen. Wie kann sich die Stadt anpassen, um lebenswert zu bleiben?“ Aus dieser Frage heraus beteiligt sich auch die Stadt Würzburg am Projekt. Das machte Umweltreferent Wolfgang Kleiner beim offiziellen Projektauftakt am 15. November 2017 deutlich. Vertreter der Projektpartner und der Medien waren an diesem Tag zur Mess-Station an den Paradeplatz gekommen.

Oberbürgermeister Christian Schuchardt startete das Projekt symbolisch mit einem Klick an dem Rechner, den die Forscher aus München mit ihrer Baumsensorik verbunden hatten. Heiko Paeth dankte dem OB sehr dafür, dass die Stadt das Projekt finanziell, logistisch und personell unterstütze. Hauptförderer des Vorhabens ist das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, von dem insgesamt rund 600.000 Euro kommen.

 

Wer am Projekt beteiligt ist

 

Durchgeführt wird das Projekt „Klimaerlebnis Würzburg“ vom Lehrstuhl für Waldwachstumskunde (Koordination) der TUM, vom Lehrstuhl für Strategie und Management der Landschaftsentwicklung (TUM), der Professur für Klimatologie am Institut für Geographie und Geologie der Universität Würzburg und vom Fachbereich Umwelt- und Klimaschutz der Stadt Würzburg.

(JMU)


Weitere Informationen:
Website von „Klimaerlebnis Würzburg“



 

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