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Integrierte Stadtentwicklung

Grüne Städte brauchen starke Grünverwaltung

Integrierte Stadtentwicklung
Foto: pixabay / Public Domain CC0


(6.12.2016) Von Kommune zu Kommune ist die Grünverwaltung unterschiedlich organisiert und das schlägt sich auch in der Namensgebung wieder: Amt für Stadtgrün und Gewässer, Straßen- und Grünflächenamt, Amt für Umwelt und Grün, Tiefbau- und Grünflächenamt, Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft, Garten- und Friedhofsamt und so weiter. In einigen Städten wurden die Zuständigkeiten für das Grün in der Stadt an Regiebetriebe ausgelagert.

 

Der Präsident des Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V., Helmut Selders, verfolgt die Entwicklung auf kommunaler Ebene mit Sorge: „Wiederholte Umstrukturierungen und Haushaltskürzungen führen in Verbindung mit steigenden Anforderungen in vielen Städten und Gemeinden zu einer Verunsicherung bei den für das Grün Verantwortlichen. Andererseits gibt es aber auch Kommunen, in denen die Grünverwaltung einen starken Stand hat und mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen höchst präsent ist. Sicher ist, dass Stadtentwicklung heute nur in Verbindung mit nachhaltiger Grünplanung funktioniert."

 

Wachsende Aufgaben

 

Der städtische Freiraum, insbesondere Grünflächen, wirkt maßgeblich auf das Wohlbefinden und die Lebens-qualität der Bevölkerung und bestimmt die Attraktivität einer Kommune als Wohn- und Wirtschaftsstandort. Befragungen der Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) zeigen, dass für mehr als 60 Prozent der Befragten Grünflächen und Landschaft für die Wahl des Wohnortes ausschlaggebend sind. Diese Tatsache stellt hohe Anforderungen an die lokale Grünverwaltung - mit Konsequenzen für nahezu alle Ressorts, allen voran Stadtmarketing, Tourismus und Wirtschaftsförderung. Aber auch die schon heute spürbaren Folgen des Klimawandels führen zu neuen Aufgaben: Grünflächen sind inzwischen als wirksame Instrumente des Wassermanagements, zur Produktion von Kaltluft, als Schattenspender und Luftbefeuchter anerkannt und werden gezielt geplant. Dennoch gilt es in jüngster Zeit mehr denn je, Grünflächen in Städten zu verteidigen. Insbesondere in wachsenden Städten zeigt sich angesichts des hohen Wohnraumbedarfs ein zunehmender Druck auf die Freiflächen. Kommunen verfolgen dabei verschiedene Strategien zur sogenannten „doppelten Innenverdichtung". Diese zielt darauf ab, vorhandene Flächenreserven innerhalb des Siedlungsraums baulich sinnvoll zu nutzen, gleichzeitig aber auch die Freiraumversorgung und -nutzbarkeit zu erhalten. Dahinter steht auch das übergreifende politische Ziel, die Flächenversiegelung zu reduzieren - Städte sollen nicht weiter in die Peripherie wachsen.

 

Grünflächeninformationssysteme

 

„Vor dem Hintergrund zunehmender Aufgaben für die Verwaltung und wachsender Erwartungen der Bürger an die Grün- und Freiflächen in Städten wäre es angebracht, dem Grünbereich auch eine stärkere Gewichtung zu geben. Gemeinsam mit anderen Verbänden, unter anderem der GALK fordern wir, das Grün in Zukunft nicht mehr als freiwillige, sondern als kommunale Pflichtaufgabe zu verstehen. Es muss eine angemessene und dauerhafte finanzielle Mittelausstattung geben, die Städte in die Lage versetzt, das städtische Grün zu sichern und zu entwickeln", so Selders.


Erfahrungsgemäß macht der Bereich Pflege und Unterhaltung ca. 80 bis 90 Prozent der Aufwendungen eines Grünflächenamtes aus. Die wichtigste Voraussetzung für eine zielgerichtete Planung ist deshalb eine möglichst detaillierte und differenzierte Kenntnis über das öffentliche Grün. Wenn Größe und Verteilung der Grünflächen, Bewuchsarten, Alter und Pflegezustand, Qualität von Wegen und Einbauten etc. umfassend katalogisiert sind, lassen sich die jeweils einzusetzenden Aufwendungen zielgenau vorsehen. Der Bedarf an Personal und Schulungen, Material und Technik, Maschinen bzw. Werkzeugen, die Planung und Kontrolle des Aufwandes bei Eigenleistungen wie bei Vergaben und nicht zuletzt die Belegführung zur Absicherung sind Teile eines geschlossenen Systems zur Grünflächenverwaltung. Weit verbreitet sind Baumkataster, die als Werkzeuge zur Steuerung aller notwendigen Kontrollen und Maßnahmen bei Straßenbäumen dienen.

 

Mehr und mehr werden diese digitalisiert, so dass zusätzlich oder ausschließlich GPS-Koordinaten für die eindeutige Identifizierung der Bäume genutzt werden. Insbesondere in größeren Städten und Gemeinden sind weitergehende Grünflächeninformationssysteme, auch als GIS oder GRIS bezeichnet, im Einsatz. Innerhalb des Arbeitskreises „Organisation und Betriebswirtschaft" der GALK hat sich eine Arbeitsgruppe speziell damit beschäftigt und einen Leitfaden für Kommunen entwickelt. Der Aufwand für die Erstellung und Fortführung eines GRIS würde in den meisten Fällen erheblich unterschätzt, jedoch zahle sich nach den Erfahrungen der GALK der Aufwand für Erstellung und Weiterentwicklung durch eine optimale Steuerung der Kosten und Qualitäten mehr als zurück.

(BdB)


 

Weiterführende Informationen:

Gartenamtsleiterkonferenz (GALK)

 

 

 

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