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Das große Fressen hat begonnen

Dramatischen Anstieg der Populationsdichte der Frostspanner in Österreich

 

Dem Eschensterben auf der Spur: Forscher der TU Braunschweig haben schädliche Verbindung entschlüsselt

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


(28.4.2014) Im letzten Jahr hat es sich angekündigt, jetzt hat das große Fressen der Frostspanner in den Laubwäldern tatsächlich begonnen. Schon 2013 war in manchen Gebieten Ostösterreichs starker Blattfraß durch Raupen der verschiedenen Frostspannerarten (v.a. Kleiner und Großer Frostspanner, Federfühler Herbstspanner) zu verzeichnen, lokal kam es sogar zum Kahlfraß.

 

Typischer Lochfraß

Im Herbst 2013 war sehr starker Falterflug zu beobachten. Zählungen der flugunfähigen Frostspanner-Weibchen mithilfe von Leimringen am Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) zeigten den dramatischen Anstieg der Populationsdichte für das heurige Jahr. Mit dem Austrieb der Fraßspuren Traßspuren an Ahorn Bäume schlüpften auch die Spannerraupen aus den Eiern und begannen, die typischen Löcher in die frischen Blätter verschiedener Laubbäume zu fressen. Die Intensität lässt in einigen Gebieten sehr starke Fraßschäden bis zur vollständigen Entlaubung erwarten. Sollte der sehr frühe Schlupf mancherorts zu einer schlechten Synchronisierung mit dem Blattaustrieb geführt haben, könnte dies die Fraßintensität dämpfen.

 

Treiben bald wieder aus

Laubbäume haben eine starke Regenerationsfähigkeit und treiben bald nach dem Blattverlust wieder aus, sodass bei einem einmaligen Kahlfraß keine bedrohlichen Baumschäden zu erwarten sind. Erfahrungsgemäß brechen die Massenvermehrungen der Frostspanner aufgrund der dichteabhängigen Wirkung natürlicher Gegenspieler (Räuber, Parasiten, Krankheitserreger) wieder zusammen. Von einer Bekämpfung sollte daher - nicht zuletzt auch wegen der Nebenwirkungen auf zahlreiche andere Insekten - außer in Obstkulturen - Abstand genommen werden.

 

Besonders gute Bedingungen

Die Populationsdichte verschiedener Schmetterlingsarten ist 2013 stark angestiegen und wird voraussichtlich 2014 weiter anwachsen. Dadurch kam und kommt es zu großflächigem Kahlfraß an Laubbäumen - einflussnehmende Faktoren sind sogenannte Gegenspieler (früher auch Feinde genannt) sowie klimatische Bedingungen. Verschiedene Schmetterlingsarten der Frostspanner konnten dieses Jahr besonders gute Bedingungen vorfinden. Wie sehen die Spuren aus? Zunächst handelt es sich um Lochfraß, der in einem späteren Stadium auch zu einem Fressen vom Blattrand übergeht. Das kann dazu führen, dass ein stark befallener Baum vollständig entlaubt wird. Kahlfraß kann das Baumwachstum durch verminderte Photosynthese-Kapazitäten zwar beeinträchtigen, wird jedoch aufgrund der schnellen Regenerationsfähigkeit als forstlich weniger bedeutend eingeschätzt. Als Maßnahme zum Abfangen der flügellosen Frostspanner-Weibchen kann man Anfang Oktober Leimringe rund um den Baumstamm auftragen. Dadurch werden die Spanner am Hochkriechen des Stammes und folglich an der Eiablage in der Baumkrone gehindert. Diese Methode wird meist im Streuobstbau angewendet. Im Wald kann sie zur Prognose der Populationsdichte eingesetzt werden.

 

Komplexer Zyklus

Das Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) erforscht seit 2006 den komplexen Populationszyklus verschiedener Spanner-Arten (Geometridae) und deren Gegenspieler wie Insekten und Vögel. Die Raupen schlüpfen ab Ende März, abhängig vom Prozess der Boden- und Lufttemperatur in Bezug auf den Zeitpunkt des Kleiner Frostspanner Kleiner Frostspanner, weiblich Blattaustriebs verschiedener Laubbäume. Sind zu viele Raupen bzw. zu wenige ausgetriebene Knospen an einem Baum vorhanden, lassen sich einige Eilarven an einem Faden herab und werden vom Wind zum nächstenBaum verfrachtet oder landen auf der Schulter von Waldspaziergängern. Vor allem der Kleine Frostspanner (Operophtera brumata) kommt dieses Jahr massenweise vor, aber auch der Große Frostspanner (Erannis defoliaria) und der Federfühler-Herbstspanner (Colotois pennaria).

 

Entwicklung der Spanner-Arten

Der Kleine Frostspanner (Abbildung links) gehört zur Familie der Spanner (Geometridae). Die Populationsgröße ändert sich in einem Zeitraum von neun bis zwölf Jahren mit einem anfänglichen Anstieg und dem Höhepunkt ungefähr im fünften Jahr. Danach ist die Entwicklung wieder rückläufig, weil sich die Gegenspieler innerhalb dieses Zeitraums angepasst haben. Je nach Größe der Population kommt es in bestimmten Jahren zu größeren Blattverlusten vor allem bei Ahorn, Linde, Hainbuche und Eiche. Die Raupenentwicklung der Frostspanner-Arten ist im Frühjahr abgeschlossen, dann begeben sich die Tiere zur Schlupfwespe Schlupfwespe Verpuppung in den Boden. Im Herbst, wenn die Nächte schon kalt werden (daher der Name), schlüpfen die Falter.

 

Raupe und ihre Gegenspieler

Der Anstieg und die darauf folgende Abnahme der Population sind von verschiedenen Umweltfaktoren abhängig. Der Zeitpunkt des Schlüpfens synchron zum Blattaustrieb und die herrschenden Wetterbedingungen sind ausschlaggebend für die weitere Entwicklung der Raupen. Niederschlag, Boden- und Lufttemperatur sowie die Anzahl der Gegenspieler sind weitere wichtige Einflussfaktoren. Zu den Gegenspielern gehören Schlupfwespen und Raupenfliegen, die die Raupen parasitieren und diese nach Abschluss ihrer eigenen Entwicklung zum Absterben bringen. Dazu kommen noch in geringerem Ausmaß Spechte und Singvögel, die ihre Jungen mit den Raupen füttern.

 

(BFW)

 


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