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Das „Grüne Labor Coburg“

Klimawandel und das Wissen um die Gehölze in der Stadt der Zukunft

 

20 Jahre "Grünes Labor" Coburg
Foto: Horst Schunk


 

(7.3.2020) Baumschulgärtner haben schon immer fremdländische Pflanzen auf ihre Eignung in Produkti-

on und Pflanzenverwendung zur Gestaltung des privaten und öffentlichen Grüns in europäischen Regi-

onen mehrjährig getestet. Geschah dieses früher kundenorientiert zur Sortimentserweiterung u.a. unter Gestaltungsaspekten, so wird dieses heute in Hinblick auf die Verdichtung der Stadt und den Klimawan-

del immer bedeutsamer.

 

Gesucht werden heute Gehölzarten, die unter den urbanen Stressfaktoren der Stadt wie Raumnot, Bodenver-

dichtung, Trockenheit, Hitze, Wind, Salzbelastung und Schädlingsdruck gesund und vital wachsen können. Auch ist die Biodiversität in urbanen Bereichen nachhaltig zu fördern, Stadtbäume sollen daher verstärkt bedrohten Organismen als Lebensraum und zur Ernährung dienen - und da erweisen sich gerade Altbäume als wertvoll und wichtig, denn sie stellen wichtige Habitate dar. Die Forstwirtschaft hat diesbezüglich eine lange Tradition und weiß aus Erfahrung, das sichere Aussagen für die Praxis, welche Baumarten sich auf welchen Standorten am besten eignen, erst nach langer Testung unter realen Bedingungen zu erzielen sind. Das Weißbuch „Grün in der Stadt - für eine lebenswerte Zukunft" des Bundes fordert alle Akteure auch deswegen zu einer integrierten nachhaltigen Zusammenarbeit auf, um eine grüne Stadt der Zukunft zu ermöglichen.


Jubiläumsveranstaltung im Grünflächenam Coburg. Foto: Horst Schunk
Jubiläumsveranstaltung im Grünflächenam Coburg.
Foto: Horst Schunk
Urkunden für langjähriges Engagement für das "Grüne Labor Coburg": Hans-Hermann Stöteler, ISA und Sponsor, Frank Rinn, Geschäftsführer ISA Germany, Horst Schunk, Coburg, Prof. Dr. Hartmut Balder, Berlin, Josef Klaffenböck, ISA Austria, Bernhard Ledermann, Amtsleiter Grünflächenamt Coburg (von links nach rechts). Ebenfalls geehrt aber nicht mit auf dem Foto: Ing. Karl-Heinz Walzer, Wien, der Planer des Grünen Labors. Foto: W. Weiß
Prof. Dr. Hartmut Balder beim Interview im  Grünen Labor. Foto: Horst Schunk
Prof. Dr. Hartmut Balder (l.) beim Interview im Grünen Labor. Foto: Horst Schunk
Hans-Hermann Stöteler (l.) mit Joseph Klaffenböck (r.) im Grünen Labor. Foto: Horst Schunk
Grünflächenamt Coburg Prof. Dr. Hartmut Balder Hans-Hermann Stöteler mit Joseph Klaffenböck Urkundenverleihung

Die International Society of Arboriculture {ISA) hat mit ihrem Chapter Germany und Austria bereits 1999 im fränkischen Coburg im sogenannten ,,Grünen Labor" eine öffentlichkeitswirksame Gehölzsichtung konzipiert, die nach 20 Jahren jetzt gesicherte Aussagen ermöglicht. Laubbäume, Sträucher und alte Obstsorten wurden zu Beginn der Testphase in einer Kooperation der ISA mit dem Baumschutz Coburg e. V. und der Stadt Coburg sowie mit Unterstützung privater Sponsoren (insbesondere Hans-Hermann Stöteler, Baumsachverständiger) als Versuchsgarten aufgepflanzt. Der Versuchsgarten wird seither kontinuierlich von der Stadt Coburg gepflegt. Hinweisschilder leiten interessierte Besucher von Beginn an durch den Garten.


Durch die kontinuierliche Auswertung der 80 praxisüblich gepflanzten Gehölzarten durch Wissenschaftler der Beuth Hochschule für Technik Berlin, Studiengang Gartenbauliche Phytotechnologie, wurde das unterschiedliche Pflanzenwachstum in Vitalität, Pflanzengesundheit, Insektenfreundlichkeit und optischer Entwicklung mehr als deutlich.
So neigen Baumgattungen mit aggressiver Wurzelentwicklung wie Pappel, Robinie, Kirsche oder Ahorn auf lehmhaltigen oder sauerstoffarmen Böden in versiegelter Standortsituation zu oberflächennaher Wurzelentfaltung mit folgenschweren Schäden an der technischen Struktur der Stadt.
Sind die Anpassungsprozesse an sog. schwere Böden unzureichend, so kümmern derartige Gehölze und werden von Schwächeparasiten (Pracht- und Splintkäfer) befallen, wie z. B. der Geweihbaum, der Trompetenbaum, Birken oder Weißdorngewächse. Hingegen haben sich viele Sorten aus dem Ulmen-, Buchen- und Linden-Sortiment gut entwickelt. Ihre Kronenentwicklung benötigt in der Aufbauphase nur geringe baumpflegerische Korrekturen, auch ist der gewünschte ästhetische Stamm gut ausgeprägt.


Klimaausgelöste Schadentwicklungen wie Stammnekrosen wurden bei Ahorn deutlich, was die Verwendung dieser Gehölzart künftig weiter einschränken dürfte. Bei den Nadelgehölzen kristallisierten sich Schwarzkiefer und Lebensbäume als wuchskräftige gesunde Gehölze heraus. Viele der getesteten Gehölze dienen Insekten als Lebensraum, Nützlinge reduzieren auf natürliche Art die individuelle SchädIingspopuIation.


Zum 20jährigen Jubiläum trafen sich am 5. März die Beteiligten vor Ort und stellen die Ergebnisse umfassend der Presse vor. Hier setzt sich der Weg fort, den „erste Stadtbegrüner“ im 18. Jahrhundert begründet haben: Pflanzenproduktion und Pflanzenverwendung dürfen nicht getrennt betrachtet werden! Im Sinne des bundesweiten Grünbuchprozesses „Grün in der Stadt - für eine lebenswerte Zukunft“ unter Federführung des Bundesinnenministeriums braucht „...die Stadtbegrünung der Zukunft eine kontinuierliche Gehölztestung und Anpassung an sich verändernde Rahmenbedingungen wie Klimawandei, neue Schaderregerpopulationen sowie ästhetisch-funktionale Ansprüche der Stadtgestalter.“ wie Prof. Dr. Hartmut Balder nachdrücklich betont.


Die aktuellen Ergebnisse der Gehölzsichtung im „Grünen Labor“ werden nachfolgend auf wissenschaftlichen Tagungen konstruktiv-kritisch diskutiert. Erst dann münden die Erkenntnisse in Empfehlungen für die Praxis. Schnellschüsse sind bei den großen Herausforderungen für die Stadt der Zukunft kontraproduktiv.
(ISA Germany, ISA Austria, Beuth HS, Berlin)


 

Mehr zu diesem Thema

↗ Bericht 15 Jahre „Grünes Labor“

Wikipedia das „Grüne Labor“

 

 

 

 



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Grünflächenamt Coburg Prof. Dr. Hartmut Balder Hans-Hermann Stöteler mit Joseph Klaffenböck Urkundenverleihung