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Ein Trittbrettfahrer auf Europatour

Bockkäfer verbreiten eingeschleppten Krankheitserreger, der Kiefernbestände bedroht

 

Ein Trittbrettfahrer auf Europatour - Bockkäfer verbreiten eingeschleppten Krankheitserreger, der Kiefernbestände bedroht

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

(27.10.2014) Der Verursacher der "Kiefernwelkekrankheit" ist ein nur etwa 0,8 mm großer Fadenwurm, der gesunde Koniferen zum Absterben bringen kann. Der ursprünglich in Amerika heimische Kiefernholznematode (Bursaphelenchus xylophilus) wurde 1999 zum ersten Mal in Europa gesichtet. Zur Übertragung auf seine Wirtsbäume nutzt er heimische Käfer der Gattung Monochamus (Bockkäfer). Sein Lebenszyklus ist dabei perfekt auf diese abgestimmt.


Europaweite Forschung
Monochamus ist ein wichtiger Akteur im Zusammenhang mit der Kiefernwelkekrankeit und ihrer Bekämpfung. Um dieser gefährlichen Bedrohung Herr zu werden, werden im Rahmen des EU-Forschungsprojekts REPHRAME die Lebensgewohnheiten der Monochamus-Arten erforscht. MitarbeiterInnen des Bundesforschungszentrums Wald Bäckerbock, Monochamus galloprovincialis pistor Monochamus galloprovincialis pistor (BFW) untersuchen das Flugverhaltens der in Österreich heimischen Monochamus-Arten Schneiderbock (M. sartor) und Schusterbock (M. sutor) unter dem Einfluss unterschiedlicher Lockstoffkombinationen. Dabei konnte gezeigt werden, dass auch die beiden untersuchten Monochamus-Arten auf eine für den Bäckerbock (M. galloprovincialis) entwickelte Lockstoffmischung reagieren. Dies ist wichtig, da damit bereits Erfolge mit anderen wichtigen Verbreitern der Art Monochamus gemacht wurden und diese somit ein wichtiges Monitoringtool darstellt. "Die Überwachung der Monochamus-Arten ist ein zentrales Thema bei der Bekämpfung der Kiefernwelkekrankheit. Dabei sind die Fragen wie die Käfer reagieren und wie weit sie fliegen essentiell", sagt Dr. Gernot Hoch, Entomologe am BFW. Die ExpertInnen bestimmen die Flugdistanzen, indem sie die Käfer individuell markieren und wieder freilassen. Begleitend finden Untersuchungen im Labor statt.


Lockstoffe innerhalb und zwischen Arten
In einer zweiten Studie wurden einzelne Inhaltsstoffe genauer untersucht. Der Lockstoff für den Bäckerbock besteht aus einem Monochamus-Aggregationspheromon (= Lockstoff innerhalb einer Art) und Borkenkäfer- Kairomonen (= Botenstoffen zwischen unterschiedlichen Arten). Es wurde deutlich, dass auch Schneider- und Schusterbock auf Signalstoffe von Borkenkäfern reagieren. Sie werden zu den bereits befallenen, geschwächten und somit für sie bruttauglichen Bäumen gelockt. Durch die Beimengung des Monochamus-Aggregationsphe-

romons erhöht sich aber die Zahl der angelockten Käfer signifikant. Sie reagieren also noch stärker auf die Lockstoffe ihrer Artgenossen. Die so gewonnenen Erkenntnisse über Flugverhalten und chemische Ökologie dieser Arten könnten große forstliche Bedeutung erlangen, sollte der Kiefernholznematode in den Alpenraum eingeschleppt werden.


Exkurs: Die Entwicklung von Wirt und Trittbrettfahrer
Im Herbst, während der Entwicklung des Larvenstadiums der Käfer findet die Fortpflanzung der Nematoden statt. Kaum beginnen sich die Larven des Monochamus zu verpuppen, versammeln sich die Nematoden um die Kiefernholznematode, Bursaphelenchus xylophilus im Harzkanal einer Kiefer Nematode im Harzkanal einer Kiefer Puppenkammern. Im frühen Sommer besteigen sie zu tausenden die fertigen Käfer und nisten sich hinter den Deckflügeln oder in deren Tracheensystem, dem Gasaustausch- bzw. Atmungssystem der Käfer, ein. Die frischgeschlüpften Käfer fliegen aus ihrem Brutbaum aus und begeben sich auf Nahrungssuche. Beim Fraß an frischen Zweigen entstehen am betroffenen Baum kleine Wunden an der Oberfläche. Diese Eintrittspforten nützen die ersten Nematoden, verlassen den Käfer und nisten sich ein. Hier scheint der Vorteil des Zusammenspieles für die Käfer zu liegen, denn die Weibchen nutzen den Schaden, den die bereits übertragenen Nematoden auf die betroffenen Bäume verursacht haben und legen ihre Eier in den geschwächten Bäumen ab. Dabei verlassen die restlichen Nematoden ihren Wirtskäfer und befallen den Baum. Ein Käferweibchen legt 45 bis 120 Eier pro Jahr und kann die enorme Zahl von 15.000 bis 289.000 Nematoden transportieren. Die Übertragungsrate ist außerordentlich und die Auswirkungen des Befalls für den Baum verheerend. Die Nematoden breiten sich über die Harzkanäle im Baum aus und verursachen durch ihren Fraß, neben Welkeerscheinungen, den Zusammenbruch des Leitungssystems, und somit den Tod des Baumes.


Literatur
Paula Halbig: "Flight activity of longhorn beetles Monochamus sartor and M. sutor: Attractiveness of insect and tree produced volatiles".
University of Natural Resources and Life Sciences, Vienna, June 2013

 

Paula Halbig, Phillip Menschhorn, Hannes Krehan, David Hall, Gernot Hoch: "Flugaktivitäten der Bockkäfer Monochamus sartor und Monochamus sutor: Attraktivität insekten und baumbürtiger volatiler Substanzen".
Silva Fera, Bd.3/April 2014

 

REPHRAME (EU-Forschungsprojekt)

 

(Carina Heiling BFW)



 

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Symptome der Kiefernwelkekrankheit

Symptome der Kiefernwelkekrankheit Foto:forestryimages.com


Schusterbock, Monochamus sutor

Schusterbock, Monochamus sutor
Foto:BFW

 

Schneiderbock, Monochamus sartor

Schneiderbock, Monochamus sartor

Foto:BFW

 

Lebenszyklus des Kiefernholznematoden (Bursaphelenchus xylophilus)

Lebenszyklus des Kiefernholznema-

toden (Bursaphelenchus xylophilus)

Quelle:BFW

 
 



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