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ALB-Traum im Münchner Süden

Weitere ALB-Funde bei Fällungen in der Befallszone Neubiberg

 

ALB-Käfer neben Ausbohrloch


(18.6.2015) Nach dem ALB-Fund im September 2014 ist die Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) entsprechend den rechtlichen Vorgaben des Bundes und der EU tätig geworden. Im Zeitraum von Ende Februar bis Anfang März 2015 wurden in der Befallszone in Neubiberg ca. 400 Laubgehölze der Gattungen Ahorn, Birke, Esche, Pappel, Rosskastanie und Weide sowie die Arten Baumhasel und Eberesche bzw.Vogelbeere zur Ausrottung des gefährlichen Quarantäneschädlings gefällt. Der überwiegende Anteil dieser Laubgehölze hatte einen Stammdurchmesser von weniger als 10 cm. Die Gehölze sind damit zum großen Teil jung und der Eingriff in die Vegetation kann durch gezielte Nachpflanzungen sowie verstärktes Wachstum der Nachbargehölze kompensiert werden.


Bei rund 60 Laubgehölzen lag ein ALB-Befall vor
Bei der Entnahme der Gehölze vor Ort wurden die liegenden Gehölze mittels Einsatz von speziell ausgebildeten ALB-Spürhunden und durchFällung Neubiberg fällung ausgebildete Fachinspektoren begutachtet und auf Befallsmerkmale kontrolliert. Verdachtsproben hinsichtlich eines ALB-Befalls wurden durch die Mitarbeiter der LfL sichergestellt und in das Quarantänelabor am LfL-Institut für Pflanzenschutz nach Freising gebracht. Die Holzproben wurden dort sachkundig geöffnet und auf die Merkmale des ALB-Befalls untersucht. Die entnommenen Eier sowie lebenden Larven werden teilweise archiviert, dienen für weitere Untersuchungen und werden bei Bedarf an externe Speziallabore zur DNA-Untersuchung versandt. Im Holz der insgesamt rund 60 in Neubiberg befallenen Bäumen konnten, alle intensiven Untersuchungsschritte zusammengenom-men, rund 2600 Eiablagen, 22 lebende Larven und circa 130 Ausbohrlöcher des ALB erfasst werden.
Die Fällaktion konnte dank der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten, der Gemeinde Neubiberg, dem beauf-

tragten Unternehmen und der LfL sehr zügig, sorgfältig und vor allem unfallfrei durchgeführt werden.


Intensive und konstruktive Infoveranstaltung
Diese Ergebnisse und weitere Funde bestätigen das Vorgehen der LfL und die Notwendigkeit der Baumfällungen, um den invasiven Käfer zum Schutz der umliegenden Laubgehölze zu bekämpfen. Auf der Grundlage der vorliegenden Daten wird nun, in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde, die weitere Vorgehensweise in Neubiberg abgestimmt.
Eine Infoveranstaltung für betroffene Bürgerinnen und Bürger fand hierzu am 09. Juni in Neubiberg statt. Die Infoveranstaltung über die weiteren Maßnahmen zur Bekämpfung des Asiatischen Laubholzbockkäfers (ALB) in Neubiberg, zu der die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und die Gemeinde die Betroffenen eingeladen hatte, war mit etwa 200 interessierten Bürgerinnen und Bürgern bestens besucht.
Die Experten der LfL erläuterten die Fällbescheide und stellten die Details der Fällmaßnahmen sowie weitere Aktionen, die gegen den ALB stattfinden, vor. Tipps zu möglichen Nachpflanzungen schlossen den informativen Teil. Die Diskussion zu allen angesprochenen Punkten war intensiv und konstruktiv.
Larve larve So wies laut der Internetausgabe des "Münchener Merkur" ein Mitglied der Bürgerinitative „Gegen ALB-Traum Neubiberg“ darauf hin, dass es mittlerweile Aussagen von Fachleuten gibt, die besagen: "dass wir einfach mit dem Käfer leben müssen". Mitglieder der Bürgerinitiative argumentierten weiter dahingehend, nur befallene Bäume zu fällen und auf umfangreiche Präventivfällungen möglicher Wirtsbäume zu verzichten. Ein Bürger argumentierte: "...da ca. 15 Prozent der Bäume befallen waren, seien demnach 340 Gehölze umsonst entfernt worden...".
Einwände, die seitens der LfL nachvollzogen werden können, gleichwohl sind der Behörde durch gesetzliche Vorgaben die Hände gebunden. Zur Zeit gäbe es kein anderes Mittel. Auch natürliche Feinde wie Specht oder Schlupfwespe können dem Käfer nicht völlig beikommen
Zwar sei eine direkte Injektion in den Baum in der Entwicklungsphase, die jedoch im Erfolgsfall frühestens 2017 flächendeckend zum Einsatz kommen könnte.
Um die weitere Ausbreitung dieses gefährlichen Baumschädlings, der lebende Laubbäume befällt, zu verhindern, müssen nach aktuellen Vorgaben der EU und des Bundes im Umkreis von 100 Metern um diesen ALB-Fund alle befallenen und befallsverdächtigen Laubgehölze, die Wirtspflanzen des ALB sind, entfernt, gehäckselt und verbrannt werden.

Die Schlussworte des Abends machten deutlich, dass das konstruktive Miteinander die optimale Grundlage für die weiteren Schritte in der Bekämpfung des ALB ist. Unter anderem ist für den 25.06.2015 ein Gespräch der LfL mit der Bürgerintiative „Gegen ALB-Traum Neubiberg“ vorgesehen.

 

Baumbesitzer müssen sich in Zukunft auf noch größere Einschnitte einstellen

Nach Informationen eines Mitarbeiters der Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (LLFG), Sachsen-Anhalt fand Im Februar dieses Jahres ein Arbeitsgespräch mit den Käferexperten vom Julius-Kühn-Institut und Vertretern der Bundesländer statt, die mit dem ALB zu kämpfen haben. Dort wurde ein Fachkundige Kontrolle Kontrolle Entwurf besprochen, der derzeit auf EU-Ebene vorbereitet wird und die Bekämpfungsrichtlinien neu regeln soll. Dieser Entwurf geht von einer anderen Wirtsbaumliste aus. Obstbäume sowie die Eiche werden offenbar nicht länger als attraktive Nahrungsquelle für den ALB angesehen.
Dafür finden sich wohl Linde, Rotbuche, Erle und Platane auf der neuen Wirtsbaumliste wieder. So bald diese neue Wirtsbauliste als Vorgabe den zuständigen Behörden zugegangen ist, wird man sich daran halten müssen. Grundlage für die jetzt anstehende Fällaktion sind die Ergebnisse, die das bisherige Vorgehen der LfL nach Vorgaben des Bundes und der EU im Zuge der ALB-Bekämpfung in Neubiberg erbracht hat.
Nach aktuellem Stand sind in dieser Aktion rund 500 befallene und befallsverdächtige Laubgehölze zu entfernen. Der Stammdurchmesser von circa 60 % dieser Gehölze liegt unter 10 cm. Vor allem betroffen sind mit 58 % Ahornbäume sowie Birken mit 14 %. Weiterhin entnommen werden Baumhasel, Eberesche, Esche, Pappel, Rosskastanie und Weide. Die Maßnahme selber ist für den Zeitraum vom 24.06. bis zum 31.07. geplant.


Laut LfL sind aktuell in Bayern vier ALB-Befallsorte bekannt: Ziemetshausen, Ortsteil Schönebach (Landkreis Günzburg), Neubiberg (Landkreis München), Feldkirchen (Landkreis München) und Neukirchen am Inn (Landkreis Passau). Dort wird entsprechend den Regelungen des Bundes und der EU gegen den Quarantäneschädling vorgegangen.
Parallel zu den Fällungen koordiniert die LfL in der Fokuszone ein intensives Monitoring vom Boden, mit Baumkletterern und Hunden. Ergänzt wird die Käfersuche durch das Ausbringen von gut 200 Pheromonfallen und 22 Fangbäumen. Beides keine Mittel zur Reduzierung der Käferpopulation, sondern zur ergänzenden Datenerhebung und Verminderung der Ausbreitung des ALB. Für die ausgebrachten Fangbäume sucht die LfL noch Paten, die diese mit Wasser versorgen können.

 

Weitere Informationen:

Wirtspflanzenliste des ALB, welche im Befallsgebiet entnommen werden (pdf 32 KB)
Karte ALB-Befallssituation Neubiberg (pdf 410 KB)


(LfL/red)

 

 

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