Arboristik - Baumpflege

Baumpflege  |  Nachrichten  |  Produkte  |  Schadorganismen  |  Wissen  |  Recht

 

 

Baumunfall in Trier

FLL-Richtlinien zur Überprüfung der Verkehrssicherheit von Bäumen von Baumgutachter in Zweifel gezogen

 

 

FLL-Richtlinien zur Überprüfung der Verkehrssicherheit von Bäumen in der Kritik

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am 14. 12. erhielt die Redaktion per eMail einen "offenen Brief" betreff Baumunfall Trier zugesandt. Absender war Herr Prüm, Baumgutachter aus Trier und führte in dem Brief u. a. aus:


"Die FLL hat aus meiner Sicht schweren Schiffbruch erlitten, indem sie nach wie vor nicht den Einsatz von Schonhammer und Sondierstab bei der Regelkontrolle von Bäumen fordert. So lässt sie die Baumkontrolleure guten Gewissens ins offene Messer laufen. Damit macht sich die FLL aus meiner Sicht mitverantwortlich für den Unfall in Trier, der bekanntlich durch Stammfußversagen bei Windstille eintrat.

Es ist nicht das erste Mal, dass die FLL wider besseres Wissen mangelhafte Richtlinien veröffentlicht. Erinnert sei an die ZTV-Baumpflege, Ausgabe 2001, in der sie für den Einbau von Kronensicherungen dramatisch zu geringe Seilbruchlasten festgeschrieben hatte, obwohl Fachleute, die etwas von statischen und dynamischen Kräften in Bäumen verstehen, dringend davor gewarnt hatten. Bundesweit haben daraufhin reihenweise Seile versagt, allein im alten Schlosspark von Dyck am Niederrhein sind vier schöne alte Rotbuchen durch zu schwache Seile auseinandergebrochen.

Es ist also höchste Zeit, dass sich die selbsternannten Baumpäpste der FLL einmal in Klausur zurückziehen. Am besten für Immer."

 

Den "offenen Brief" können Sie → hier (pdf ca. 64 kb) downloaden.

 

Zur Vorgeschichte:

Ein Kastanienbaum ist am 22. November dieses Jahres in Trier auf mehrere Menschen gestürzt und hat eine Frau tödlich verletzt.
Der Baum brach bei Windstille oberhalb der Erdoberfläche ab und ist auf eine von Fußgängern häufig genutzte Straße nahe der Trierer Fußgängerzone gestürzt. (siehe Fotostrecke SWR)
Am 23. 11. konnte man in der Trierer Lokalpresse lesen, dass die letztmalige Begutachtung der umgestürtzten Kastanie Anfang Oktober diesen Jahres durchgeführt wurde. Die in Sichtkontrolle ( nach Richtlinien der FLL) vorgenommene Untersuchung erbrachte dabei offenbar keinen auffälligen Befund. "Es gab keine Hinweise, die darauf hindeuteten, dass der Baum hätte gefällt werden müssen", wurde seitens der Stadt Trier erklärt. Die Prüfer seien alle hochqualifiziert und nähmen regelmäßig an Schulungen teil. Auffälligkeiten im Baumbestand würden in einem Baumkataster vermerkt.
Die zuständigen Stellen der Stadt Trier wiesen gemäß den Berichten in den Medien somit ein schuldhaftes Verhalten von sich... "auch bei einer korrekten Kontrolle der Bäume sei ein Restrisiko nie auszuschließen."

Am darauffolgenden Montag (26. 11.12) berichtete der Trierische Volksfreund (Onlineausgabe) unter der Überschrift "Nach Unglück in Trier: Umgestürzter Baum war offenbar krank", dass es offenbar doch Anzeichen auf eine mangelhafte Statik des Baumes gegeben hat. (pdf 60,5 kb)

Zitat aus Trierischer Volksfreund: "Die Kastanie, die am Donnerstag im Wilhelm-Rautenstrauch-Park in der City plötzlich umgefallen ist und dabei eine Frau erschlagen hat, ist bei ihrer Sichtkontrolle am 1. Oktober für eine solche eingehendere Untersuchung vorgesehen worden. Das hat einer der beiden städtischen Kontrolleure bei der Regeluntersuchung am 1. Oktober so in den Unterlagen vermerkt, wie die zuständige Dezernentin Simone Kaes-Torchiani am Montag auf TV-Anfrage erklärte. Der Stadtverwaltung war also bekannt, dass der Unglücksbaum Vorschäden hatte. Öffentlich gemacht hat sie das bis Montag nicht..."


Zwischenzeitlich hat Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren eröffnet und einen Gutachter mit einem Gutachten über die Umstände des Unglücks beauftragt. Die Unfallsstelle wurde am Tag nach dem Unglück von dem Gutachter besichtigt und alle notwendigen Beweismittel sind gesichert worden

(red)


linie

 

Information "Trierischer Volkfreund" betreff FLL an seine Leserschaft

Die Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL) hat Richtlinien zur Überprüfung der Verkehrssicherheit von Bäumen aufgestellt. Nach diesen richten sich viele Gerichte bei zivil- oder strafrechtlichen Prozessen nach Baumschäden und viele Kommunen, darunter auch Trier.
Die Richtlinien sehen bei Bäumen, die in belebten innerstädtischen Parks stehen, eine jährliche, sorgfältige Sichtkontrolle vor. Eine jährliche eingehende Untersuchung des Stamms, zum Beispiel durch Abklopfen oder Anbohren, wird nicht verlangt. Die FLL verweist dazu auch auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs, in dem es heißt: „Die Erkrankung oder Vermorschung eines Baumes ist von außen nicht immer erkennbar. Das rechtfertigt aber nicht die Entfernung aller Bäume aus der Nähe von Straßen, denn der Verkehr muss gewisse Gefahren (…) hinnehmen. Eine schuldhafte Verletzung der Verkehrssicherungspflicht liegt nur vor, wenn Anzeichen verkannt oder übersehen worden sind, die nach der Erfahrung auf eine weitere Gefahr durch den Baum hinweisen.“


linie

 

In eigener Sache

Kollegialer Rat zum Umgang mit Einzelschicksalen


(16.2.2014) Am Samstag den 15.2.14 fand sich eine interessante eMail in meinem digitalen Briefkasten, Absender der Gremienleiter beim Thema Baumkontrolle der FLL. Dieser gab mir in der Mail den "kollegialen Rat" einen "Aufreißer" von meiner Internetseite zu entfernen. Dem Rat folgte der unmissverständliche Hinweis auf eine Abmahnfähigkeit des "Aufreißers".
Der "Aufreißer" betraf die Unterzeile der Überschrift des obigen Artikels betreff des tödlichen Baumunfalls in Trier, die da lautete:
"FLL-Richtlinien zur Überprüfung der Verkehrssicherheit von Bäumen in der Kritik"

Dies wäre nicht der Fall, so der Mailverfasser, von keiner Seite seien die Richtlinien in Bezug auf den Trierer Baumunfall, außer durch das "Einzelschicksal Prüm" (lt. eMail-Verfasser) kritisiert worden. Demnach Abmahnfähig!
Nun weiß ich aber, dass außer Herr Prüm auch andere "Einzelschicksale" die betreffenden FLL-Richtlinien kritisieren und eine Abmahnfähigkeit der Zeile will sich mir partout auch nicht erschließen. Sei's drum, ich habe die Unterzeile geändert in: "FLL-Richtlinien zur Überprüfung der Verkehrssicherheit von Bäumen von Baumgutachter in Zweifel gezogen"

Laut Medien und Aussagen der Verantwortlichen der Stadt Trier wurde der betreffende Baum gemäß der "FLL-Richtlinien zur Überprüfung der Verkehrssicherheit von Bäumen" überprüft. Hier setzt die Kritik von Herrn Prüm an, denn trotz Baumkontrolle nach FLL ist es zu diesem tragischen Unglück mit tödlichem Ausgang gekommen. Hier kann man nicht, wie geschehen mit "Restrisiko" argumentieren, sondern muss die betreffenden Richtlinien hinterfragen, neuen Erkenntnissen anpassen und zwar umgehend! Nichts anderes hat Herr Prüm gefordert!

Wenn allerdings die FLL oder Teile davon sich als sakrosankt betrachten, dann läuft etwas grundsätzlich falsch und es empfiehlt sich noch mehr zu hinterfragen...
(Klaus Scheidler)

 

linie

 

 

Weiterführende Links:

Fotostrecke (SWR)

Wochenspiegel
Trierischer Volksfreund

Rhein-Zeitung

zurück zur Übersicht oder zur Startseite

2003 - 2018 - arboristik.de - All rights reserved

Video Baumunfall auf Youtube