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Ohne geht es auch in diesem Sommer nicht
Bäume brauchen Wasser!

Bäume in der Stadt

 

Wer glaubt, dass der Regen die Bäume in der Stadt gut versorgt, liegt falsch. Selbst wenn es fast jeden Tag regnet wie in vielen Regionen Deutschlands im Frühsommer 2012 müssen Bäume und Pflanzen gegossen werden. Wie so oft hat die gefühlte Einschätzung wenig mit der Wirklichkeit zu tun: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) meldet im ersten Halbjahr 2012 sogar unterdurchschnittlich niedrige Regenfälle.

 

Verzerrte Wahrnehmung
Die Meteorologen sprechen bei diesem Sommer von einem „Schaukelsommer“ – weil das Wetter wie eine Schaukel zwischen trocken und nass bzw. warm und kalt hin und her pendelt. Die Wahrnehmung des Wetters hat viel mit Psychologie zu tun: Schlechtwettertage mit heftigen Regenschauern oder gar schwerem Hagel, die Straßen und Keller unter Wasser setzen, bleiben viel eher im Gedächtnis als schöne Sonnentage. Dennoch war es bis zur Jahresmitte in den meisten Regionen Deutschlands immer noch zu trocken und so muss gegossen werden! Das gilt vor allem für Regionen, in denen es in letzter Zeit zu wenig geregnet hat, das gilt aber auch für einzelne, ungünstige Standorte. Wenn eine Pflanze zum Beispiel nah am Haus steht, kann ein überstehendes Dach den Regen abhalten. Oder ein Beet liegt am Hang, so dass mehr Wasser abläuft, als im Boden gespeichert werden kann … Wer einen eigenen Garten hat, weiß, an welchen Stellen es schnell trocken wird und gießt dementsprechend – diese Aufmerksamkeit lohnt auch jenseits des eigenen Gartenzaunes!

 

Extremstandort Stadt
Gerade in Städten brauchen Pflanzen regelmäßig Wassergaben – denn der Standort Stadt ist aus vielerlei Gründen eine besondere Herausforderung. Viele Straßenbäume leiden selbst in Jahren mit durchschnittlich hohem Niederschlag unter Wassermangel, denn in der Stadt ist es meist einige Grad wärmer als im Umland; Asphalt und Steine heizen sich stärker auf als offene Beet- oder Rasenflächen. Die Straßenbäume verdunsten deshalb mehr Wasser als Bäume in einem Garten. Dies trägt zwar zur Verbesserung des Stadtklimas bei, doch das Wasser muss auch ersetzt werden. Straßenbäume haben jedoch oft nur eine kleine Baumscheibe. Diese zumeist kleine offene Bodenfläche direkt um den Baum herum muss all das Wasser aufnehmen, das in die Erde versickert und dann für die Pflanze zur Verfügung steht. Die Krone hält einiges an Regenwasser ab – gut für den Menschen, wenn er sich zum Schutz vor Regen unter eine dichte Baumkrone stellen kann. Doch für einen Baum mit begrenztem Wurzelraum heißt das, dass er auf Wasserzufuhr von außen angewiesen ist. Hier können die Anwohner als unmittelbare Nachbarn etwas für „ihren“ Baum tun und ihm mit gelegentlichen, aber durchdringenden Wassergaben das Leben in der Stadt einfacher machen.

 

StadtbaumZukunft pflanzen
Weil der Standort Stadt ohnehin schon extreme Anforderungen an die Pflanzen stellt und es durch die prognostizierten Klimaveränderungen zu noch höherem Wasserstress und größerer Hitzebelastung kommen wird, suchen Fachleute seit einigen Jahren verstärkt Baumarten, die mit diesen Bedingungen besser zurechtkommen. Der Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V. und einige namhafte Baumschulen aus Deutschland engagieren sich in einer groß angelegten Vergleichspflanzung in der Bayrischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim bei Würzburg. Ziel ist es, den anstehenden Herausforderungen in den Baumschulen mit geeigneten Gehölzen zu begegnen.

 

Grün steht hoch im Kurs
In seinem Jahresbericht 2011 stellt der Deutsche Wetterdienst (DWD) unter anderem Maßnahmen vor, die aufgrund der zu erwartenden Klimaveränderungen erforderlich sind, um die negativen Auswirkungen des Temperaturanstiegs abzumildern. Empfohlen wird das Anpflanzen von Bäumen, aber auch die Dach- und Fassadenbegrünung. Um die negativen Folgen der häufigeren Starkregen zu mildern, sind bessere Speicher- bzw. Versickerungsmöglichkeiten notwendig. Deshalb sind jegliche Maßnahmen zur Reduzierung versiegelter Flächen und zur Förderung des Stadtgrüns wichtig. Heute erkennt man, dass Grünflächen mit Bäumen für eine Stadt essentiell wichtige Orte sind – mit positiven Auswirkungen auf das Stadtklima, auf Nachbarschaft und Integration, auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bürger und nicht zuletzt mit dem Effekt, dass die Stadt touristisch attraktiv wird. Den grünen Rahmen für die Stadt der Zukunft liefern die Baumschulen, denn Bäume, Sträucher und Kletterpflanzen sind für die Zukunft der Städte unerlässlich.

 

 

Baum-PatenschaftTipp: Baumpatenschaften lohnen sich
Auch wenn formal die Grünflächen- oder Gartenämter für die Stadtbäume zuständig sind, die Mitarbeiter können nicht überall sein. In manchen Städten werden die Bürger inzwischen sogar ausdrücklich zum Gießen der Straßenbäume aufgefordert. So finden sich immer mehr Menschen, die dies und vieles darüber hinaus für ihren Baum tun. In vielen Städten werden nämlich Baumscheiben mit Stauden, Gräsern und kleinen Sträuchern bepflanzt, um so kleine Gärten in der Stadt anzulegen. Oft ist das Engagement der Bürger sehr willkommen und die Behörden freuen sich über eine Nachricht, wenn eine „Baumpatenschaft“ übernommen wird. Auch während Trockenperioden muss Bewässerung nicht täglich sein. Die Stadt Düsseldorf zum Beispiel empfiehlt, in der Sommerzeit Bäume, insbesondere jüngere, alle ein bis zwei Wochen mit 80 bis 100 Litern Wasser zu versorgen.
Baumpatenschaften sind ein Weg, Bäume in der Stadt aktiv in ihrer Entwicklung zu unterstützen und damit auch die eigene Lebensqualität zu steigern und zu sichern. Schließlich verschönern Straßenbäume nicht nur das Stadtbild, sie sind auch wertvolle Solarkraftwerke: Mit Hilfe des Sonnenlichts erzeugen sie den für Mensch und Tier lebenswichtigen Sauerstoff und binden dabei Kohlendioxid. Bäume sind auch wertvoll als Schattenspender an heißen Sommertagen, sie tragen dazu bei, die Temperaturen zu senken, sie erhöhen die Luftfeuchtigkeit und können Feinstaub binden.

BdB
(Fotos: BGL)

 

 

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