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Gestatten: Mein Name ist Tilia!

Verkabelte Linde meldet live von der LGS in Würzburg ihre Befindlichkeit

Gestatten: Mein Name ist Tilia! Verkabelte Linde meldet live von der LGS in Würzburg  ihre Befindlichkeit.
Foto: LWG Veitshöchheim

 

(22.6.2018) Ein sprechender Baum – wo gibt’s denn so was? Natürlich an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG). Doch die Winterlinde (Tilia cordata), die von den Projektmitarbeitern des Institutes für Stadtgrün und Landschaftsbau auf den Namen Tilia getauft wurde, steht nicht auf dem grünen Campus in Veitshöchheim, sondern auf der Landesgartenschau 2018 Würzburg.

tilia
Großer Baum mit großen Problemen. Mit imposanten acht Metern ist der rund 40-jährige Baum nicht zu übersehen.
Foto: LWG Veitshöchheim.

Alle zehn Minuten meldet sich Tilia live von der LGS und gibt Auskunft über ihr Befinden – und dabei ist schon jetzt nicht immer alles im „Grünen Bereich“. Mit dem Startschuss des kalendarischen Sommeranfangs (am 21.Juni) stehen uns die echten heißen Tage erst noch bevor und die anstehenden „Hundstage“ – als Folgen des Klimawandels – verlangen Mensch und Natur sicherlich auch 2018 viel ab.

 

Wanted: Die Stadtbäume von morgen

 

„Unsere Stadtbäume müssten eigentlich gar nicht sprechen, um zu sagen, dass es ihnen nicht gut geht“, bringt es Jürgen Eppel, Leiter des Institutes für Stadtgrün und Landschaftsbau an der LWG deutlich auf den Punkt. Denn wie bei einem kranken Menschen zeigt auch die „Körpersprache der Bäume“, dass es unseren grünen Lebensspendern alles andere als berauschend geht. Kahle Baumkronen im Sommer: Ahorn, Linde & Co. machen keine gute Figur. „Damit uns das Grün künftig in den urbanen Siedlungsbereichen nicht ausgeht, sind wir bereits seit 2009 auf der Suche nach den Bäumen von morgen“, so der Institutsleiter. Dafür werden 30 verschiedene Baumarten an drei klimatisch unterschiedlichen Standorten in Bayern, in Würzburg vorrangig auf ihre Hitzestresstoleranz, getestet. Die rund 660 gepflanzten Bäume kommen dabei überwiegend aus dem (süd-)osteuropäischen aber auch nordamerikanischen und asiatischen Raum und sind von Haus aus mit hohen Temperaturen und Trockenheit bestens vertraut.

 

Verkabelung
Hightech trifft Baum. Um den Gesundheitszustand aus erster Hand zu erfahren, wurde der Baum aufwendig an Stamm, Stammfuß und an verschiedenen Blättern verkabelt.
Foto: LWG Veitshöchheim.

Puh, mir wird´s ganz schön heiß!

 

Im Zehn-Minuten-Rhythmus gibt Tilia ihre Vitalwerte preis, die als interaktive Grafik auf der LWG-Homepage abgerufen werden können. Um dem sprechfreudigen Baum seine Worte zu entlocken, wurde die Winterlinde in mehreren Arbeitsstunden aufwendig verkabelt. „Neben Temperatursensoren, die direkt an der Südseite, also der Sonnenseite des Stammes und direkt unter der Erde am Stammfuß angebracht wurden, sind auch einzelne Blätter mit filigranen Messfühlern ausgestattet“, erläutert Jürgen Eppel den komplexen Versuchsaufbau. Unterstützt werden die Experten aus Veitshöchheim dabei vom Zentrum Stadtnatur und Klimaanpassung (ZSK), die für die Datensammlung verantwortlich sind. Via Funk werden die erfassten Vitaldaten dann übertragen, elektronisch verarbeitet und schließlich in Form einer Grafik dargestellt. In den Ampelfarben Grün (unter 25 °C), Orange (zwischen 23-35 °C) und Rot (über 35 °C) ist dann auf den ersten Blick zu sehen, was gerade die Wohlfühlzone des Baumes ist, und welche Baumregion bereits am Limit – und darüber hinaus – angekommen ist.

 

Grafik
Was Tilia meldet: Die grüne Farbe bei Temperaturen unter 25°C signalisiert Wohlbefinden. Gelb markierte Teile bedeuten Stress bei Temperaturen zwischen 25 und 35°C. Ab 35°C verdeutlicht rot eine lebensfeindliche Belastung.
Abb.: LWG Veitshöchheim.

Denn Grün ist Leben

 

Einen roten Kopf bekommen unsere Bäume bei einem Hitzeschlag nicht; vielmehr fallen ihnen die Blätter aus. „Steigt beispielsweise die Blatttemperatur auf über 45 °C, ist die Höchstbelastung überschritten“, so Eppel. Denn bei einer Überhitzung können die Blätter keine Fotosynthese mehr leisten, werden welk und fallen ab. Dadurch stellt der Baum nicht nur sein weiteres Wachstum ein, auch die Ökosystemleistungen – von denen Insekten wie Menschen profitieren – fallen weg. „Verbesserung der Wohlfühlatmosphäre durch Schattenwurf, Abkühlung der Umgebungstemperatur durch die Verdunstungsleistung, Kohlenstoffdioxid-Aufbereitung und nicht zuletzt der eigene Mikrokosmos in der Baumkrone als Lebens- und Nahrungsraum für Vögel und Insekten: Wir alle profitieren unbewusst von der Leistung der Bäume“, macht Jürgen Eppel deutlich. Umso wichtiger ist es daher, die Bäume sprechen zu lassen und zu verstehen – und mit den Stadtbäumen von morgen geeignete Nachfolger von Ahorn, Linde & Co. zu finden, um das Grün, und damit das Leben, in der Stadt zu halten.
(LWG)



Weitere Informationen:

"Tilia" live von der Landesgartenschau in Würzburg
Stadtgrün 2021: Neue Bäume braucht das Land!

 

 

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