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Gummifluss bei Prunus-Arten – zum Weinen

Symptom für viele Schadursachen und eine ernste Gefahr für Gehölze


gummifluss
Foto: I.Sáček, senior / Wikimedia Commons / CC0 1.0

 

(21.12.2016) Farbloser bis bernsteinfarbener Ausfluss an den Holzteilen, bisweilen auch an Früchten von Prunus-Arten, der sogenannte Gummifluss, gehört bei Steinobst und Zier-Prunusarten zu den auffälligsten Erscheinungen. Bei Pflaumenfrüchten spricht man auch von „Gummitränen“. Woher kommt der sonderbare Saft? Er besteht aus aufgelöstem Pflanzengewebe und weist auf einen gestörten Stoffwechsel hin. Die Ausscheidung kann die Leitungsbahnen verstopfen und Äste oder ganze Bäume zum Absterben bringen. Die Ursachen sind vielfältig: Ungünstige Standortbedingungen und eine Vielzahl von Schaderregern können Auslöser sein. Nur wenn sie erkannt und ausgeschaltet werden, kann sich die Pflanze erholen.

 

 

Gummifluss kann Leitungsbahnen verstopfen

 

Unterbleiben Diagnose und Behandlung, kann Gummifluss gefährlich werden. Besonders dann, wenn er die Leitungsbahnen der Äste verstopft und so den Transport von Wasser und Nährstoffen behindert oder unterbricht. Wenn dann noch hohe Temperaturen den Wasserbedarf ansteigen lassen, können einzelne Äste oder der ganze Baum plötzlich welken und absterben. Dies kommt häufig bei Kirsche, Pfirsich und Aprikose vor.

 

Gummifluss zeigt Schwäche an

 

Der Gummifluss ist kein typisches Zeichen für eine bestimmte Erkrankung. Er zeigt eine Schwächung des Baumes an, die durch unterschiedlichste parasitäre und nicht parasitäre Schadursachen hervorgerufen wird. Gute Standportbedingungen und angemessene Pflege beugen vor.

 

Schädlinge und Krankheiten

 

Zu den parasitären Ursachen gehören zum Beispiel verschiedene pilzliche und bakterielle Rindenerkrankungen: die Kräuselkrankheit des Pfirsichs, die Monilia -Spitzendürre, Valsa-Krankheit und Schrotschusskrankheit. Auch Borkenkäfer und Rindenwickler können hinter den Tränen stecken. Es empfiehlt sich, solche Schaderreger gezielt mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln zu bekämpfen.

 

Die Kräuselkrankheit des Pfirsichs lässt die geschädigten Blätter nach dem Blattaustrieb vertrocknen und abfallen. Man erkennt sie an den weißlich-grünen bis rötlichen, stark gekräuselten und verdickten Teilen der

Kräuselkrankheit
Kräuselkrankheit an Pfirsich.
Foto: I.Sáček, senior / Wikimedia Commons / CC0 1.0
 
spitzendürre
Gummifluss und Spitzendürre an einem Sauerkirschzweig. Foto: Schreibkraft / Wikimedia Commons / CC BY 3.0
 
Schrotschusskrankheit
Schrotschusskrankheit an Kirsche
Foto: Wikimedia Commons / CC0 1.0

Blattspreite. Der Baum treibt zwar Anfang Juni erneut aus, bleibt aber geschwächt und frostempfindlich. Blütenknospen für das folgende Jahr kann er kaum bilden. Meist kommt es im Winter zum Gummifluss.

Die Monilia-Spitzendürre tritt bei Pfirsich, Aprikose und Kirsche, hier insbesondere an Sauerkirschen der Sorte ‘Schattenmorelle’, auf. Im Frühjahr welken die Blätter, Blüten oder Jungfrüchte an den Triebspitzen auf einer Länge von 20 bis 40 Zentimeter. Sie werden braun und verdorren. So hängen sie an den abgestorbenen Triebteilen oft bis zum Winter. Gummifluss an der Grenze zwischen krankem und gesundem Gewebe ist für diese Krankheit typisch. Ist die Witterung während der Blüte feucht und kühl, dringt der pilzliche Erreger über die Blütenorgane und den Blütenstiel in den Holzteil ein. Auf den abgestorbenen Trieben erscheinen im Laufe der weiteren Entwicklung graue Pilzsporenlager.

 

Bei der Valsa- oder Krötenhautkrankheit kommt es vor allem bei Süßkirsche und Aprikose zu einem schlagartigen Absterben einzelner Triebe und Äste. Die Blätter werden braun und hängen herab. An den absterbenden Zweigen entstehen zahlreiche Risse, insbesondere beim Übergang zum gesunden Gewebe. Steinobst reagiert auf die Schädigung mit Gummifluss.

Kleine, runde, braune bis karminrote Flecke auf den Blättern zahlreicher Prunus-Arten im Frühjahr weisen auf die Schrotschusskrankheit hin. Das Gewebe im Bereich der Flecke stirbt bald ab und fällt aus. Die Blätter sind wie von Schrot durchlöchert und fallen ab. Im Hochsommer sind die Gehölze oft fast völlig entlaubt. Der pilzliche Erreger infiziert auch die jungen Triebe und ruft hier langgestreckte braune Flecken mit rötlichem Rand hervor. Hier kann es zum Austreten von Gummifluss-Tröpfchen kommen. Die Zweige können welken und absterben. Befallene Früchte weisen runde, rot umrandete, eingesunkene Schadstellen auf. Die Früchte vertrocknen oder verfaulen und fallen meist ab.

Neben all diesen Krankheiten, kann auch ein Schädling die Symptome auslösen. Es sind die bis zu zwei Zentimeter langen fleischroten Larven des Rindenwicklers, die sich unter die Rinde bohren.

 

Auch ungünstige Kulturbedingungen fördern den Gummifluss

Extreme Standortverhältnisse gehören zu den häufigsten nichtparasitären Ursachen. Schwere Böden, die zu Staunässe neigen, aber auch sandige, trockene Böden begünstigen die Ausscheidung. Weitere Verursacher sind frostgefährdete Lagen, Mangelernährung, unsachgemäßer Schnitt, Verletzungen, Fehler bei der Veredlung und Unverträglichkeit mit der Unterlage. Zur Vorbeugung gehört es, den Pflanzenstandort bei Bedarf ausreichend mit Humus anzureichern (mulchen) und ihn bedarfsgerecht mit Wasser und Nährstoffen zu versorgen. Nicht zuletzt hält ein sachgerechter Schnitt das Gehölz gesund. Verletzungen gilt es zu vermeiden. Im Falle eines Falles ist eine sorgfältige Wundpflege wichtig.


(Quelle: Profil Online)


 

 

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