Arboristik - Baumpflege

Baumpflege  |  Nachrichten  |  Produkte  |  Schadorganismen  |  Wissen  |  Recht

 

 

20 Jahre „Grünes Labor“ in Coburg

Zwei Jahrzehnte Dienst an der Wissenschaft

 

20 Jahre "Grünes Labor" Coburg
Foto: Horst Schunk


(14.2.2020) „Wir wollen ein lebendes Vermächtnis schaffen“. Im Jahre 1998 waren dies die Worte von ISA-Präsident Hartmut Schmidt († 2014) aus Minden, als er seine Idee für einen ersten europäischen Versuchsgarten für Bäume im urbanen Bereich präsentierte.


1999 1999
Start des Projekts im April 1999
Foto: Horst Schunk
Beginn der Pflanzarbeiten Start 2000
Pflanz- und Wegebauarbeiten im Jahr 2000. Das „Grüne Labor“ nimmt Gestalt an.
Foto: Horst Schunk

Schmidt fragte 1998 beim Vorsitzenden des damaligen Vereins „Baumschutz Coburg e.V.“, Horst Schunk, zugleich Stadtrat in Coburg, an, ob die Stadt Coburg sich nicht für diese Einrichtung bewerben wolle? Schmidt und Schunk kannten sich aufgrund einer gemeinsamen Veranstaltung des Vereins Baumschutz. Nachdem auch der Leiter des Grünflächenamtes Coburg, Gerhard Seiffert, dieser Idee von Anfang an positiv gegenüberstand, kam es so, wie es heute noch ist.

 

Im Jahre 1999 erhielt die Stadt Coburg vom ISA-Vorstand den Zuschlag für den Versuchsgarten. Und im März 2000 wurde der erste deutsche Versuchsgarten für Bäume auf einem westlichen Hügel der Stadt Coburg, dem Himmelsacker, eröffnet. Die gesamte Anlage wurde dabei an die Stadt Coburg übergeben. In gewisser Weise ein Geschenk für die Stadt. Der damalige Pflanzwert der Gehölze belief sich auf 75.000 DM.

 

Die Planung für diese Einrichtung übernahm Landschaftsarchitekt und Sachverständiger Ing. Karl-Heinz Walzer aus Wien, der sich daraufhin häufig mit den ISA-Verantwortlichen, dem Grünflächenamt Coburg sowie mit Horst Schunk in Planungsgesprächen befand.


Doch wer war, wer ist diese ISA? Dieser Verein heißt „International Society of Arboriculture“. Für die Umsetzung des Coburger Projekts war das ISA-Chapter Austria/Germany verantwortlich. Zwischenzeitlich sind diese beiden ISA-Chapter getrennt tätig. Dennoch befindet sich nach nun 20 Jahren die ISA-Austria immer noch mit an Bord. Als Geld- und Ideengeber war und ist von österreichischer Seite Baumpfleger Josef Klaffenböck vor Ort immer wieder dabei. Ebenso ISA-Mitglied Hans-Hermann Stöteler von der gleichnamigen Firma, der auch mehrere Male als großzügiger Sponsor in Erscheinung trat. Seine Firma aus Ahaus führte zudem die Pflanzarbeiten durch.


Anfänglich wurde der Versuchsgarten noch „Lebendes Labor“ genannt, später folgte dann die heutige Bezeichnung „Grünes Labor“. Dieser Versuchsgarten soll heraus finden, wie sich unterschiedliche Baumarten und Sorten aus den gemäßigten Klimazonen unter gleichen Bedingungen und auf gleichem Boden entwickeln und wie sie sich untereinander „verhalten“.

Für die Langzeitforschung gewann die ISA Prof. Dr. Hartmut Balder von der Beuth-Hochschule Berlin, der mit seinen Studentinnen und Studenten die Forschungsarbeiten vor Ort übernahm. Im Jahre 2015 konnte Prof. Balder erste Ergebnisse vorlegen, zum 20-jährigen Jubiläum des „Grünen Labors“ sollen weitere Ergebnisse präsentiert werden. Dabei handelt es sich noch immer um Zwischenergebnisse, denn, wie Karl-Heinz Walzer im Jahre 2000 bemerkte, Bäume haben Zeit und brauchen auch mehr Zeit als Menschen. Deshalb werden sogenannte endgültige Ergebnisse erst dann vorliegen, wenn die derzeit Verantwortlichen nicht mehr unter dem Lebenden weilen.


Das „Grüne Labor“ am Himmelsacker Coburg soll neben dem Forschungsauftrag auch dem Gedanken des Baumschutzes dienen, damit Menschen sehen, welche Vielfalt es an Gehölzen gibt, wie diese Gehölze aussehen und auch, was sie für uns Menschen leisten.
Anfänglich war um das „Grüne Labor“ ein Zaun gezogen worden, damit sich der Verbiss an den jungen Gehölzen im Rahmen hielt. Zwischenzeitlich gibt es keinen Zaun mehr und die Menschen können diese Einrichtung jederzeit begehen. Irgendwie stellt das „Grüne Labor“ in Coburg auch einen Erholungspark, bzw. einen Botanischen Garten dar.

Natürlich konnten auf dem ca. 2500 qm großen Grundstück nicht alle möglichen Baumarten gesetzt werden, deshalb legte sich der Planer auf 80 Gehölzarten fest. Einige Baumspenden von hiesigen Baumfreunden ergänzten im Nachhinein diese Einrichtung. Zur Einrichtung gehört auch ein Obstgarten.

Gepflanzt wurde mit verschiedenen Pflanzmethoden sowie in verschiedenen Substraten. Regelmäßige Pflege wie das Wässern fand und findet nicht statt. Die sich ergebenden Ausfälle einzelner Gehölze gehörten von Anfang an zu der Ausrichtung dieses Projektes. Das Grünflächenamt Coburg übernahm zudem das Mähen der Versuchsfläche.


Allerdings wird bedauert, dass sich der Bekanntheitsgrad des Coburger Versuchsgartens auch nach 20 Jahren auf relativ niedrigem Niveau befindet. Es fehlt einfach an größerem, grundsätzlichem Interesse an Bäumen, an Zukunftsbäumen, am Thema insgesamt. Trotz der aufgekommen Klimadiskussionen bleibt es beim Thema „Baum“ relativ ruhig, zu ruhig, meint Schunk.
Die Jubiläumsveranstaltung mit Baumpflanzaktion 5 .März 2020 in Coburg soll mithelfen, das Projekt „Grünes Labor“ und damit das Thema „Bäume und Baumschutz“ stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.

(Horst Schunk, Coburg)

 


Jubiläumsprogramm 20 Jahre Grünes Labor
5.März 2020 Jubiläumsveranstaltung im Grünflächenamt der Stadt Coburg, Glockenberg 27
14.00 Uhr Begrüßung: Bernhard Ledermann, Amtsleiter Grünflächenamt Coburg
14.30 Uhr Grußwort: Martin Geilhufe, Landesbeauftragter des BUND Naturschutz
14.50 Uhr Grußwort: Horst Schunk, ehem. Vors. Verein Baumschutz Coburg e.V.
15.00 Uhr Vortrag der Versuchsergebnisse: Prof. Dr. Hartmut Balder, Beuth-Hochschule Berlin
15.40 Uhr Zukunftsvision: Christopher Busch, BUND Naturschutz
16.00 Uhr Abfahrt zur Baumpflanzaktion ins „Grüne Labor Coburg“, Himmelsacker

 

Mehr zu diesem Thema

↗ Bericht 15 Jahre „Grünes Labor“ (mit weiteren Fotos)

Wikipedia das „Grüne Labor“


zurück zur Übersicht oder zur Startseite

2003 - 2020 - arboristik.de - All rights reserved