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Erlen-Phytophthora

 

Innerhalb der Phytophthora-Arten, die Bäume schädigen, steht die Erlen-Phytophthora (Phytophthora alni) in Bezug auf die Auffälligkeit der Schäden (Wurzelfäule) in Mittel- und Nordeuropa an erster Stelle

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 


Innerhalb der Phytophthora-Arten, die Bäume schädigen, steht die Erlen-Phytophthora (Phytophthora alni) in Bezug auf die Auffälligkeit der Schäden (Wurzelfäule) in Mittel- und Nordeuropa an erster Stelle. Ab 1995 wurde Phytophthora-Erlensterben in zahlreichen europäischen Staaten beobachtet (in Österreich ab 1996).
"Die Krankheit ist vor allem in Gebieten mit fließenden Gewässern eine auffällige Erscheinung, wo die Erle neben der Weide oft die einzige Ufer begleitende Baumart ist. Primär durch verseuchtes Pflanzgut in die Flusssysteme eingebracht, wird der Erreger bei Hochwasser entlang der Wasserläufe verbreitet, wo weitere Erlen befallen werden", sagt der Phythopathologe Dr. Thomas Cech vom Institut für Waldschutz des Bundesforschungszentrums für Wald (BFW).

 

Ökologische Auswirkungen
Phytophthora bildet begeißelte Zoosporen, die in Wasser aktiv Feinwurzeln aufsuchen, sich dort festsetzen, mit Keimschläuchen eindringen, als Myzel im Gewebe weiter wachsen und die Rindengewebe großflächig zerstören. Ausfälle von über 80 Prozent sind in Ufer begleitenden Erlenbeständen auch in Österreich keine Seltenheit und die Destabilisierung der Uferböschungen durch den Verlust der Bäume ist mancherorts bereits ein Problem. Damit könnte längerfristig das Gleichgewicht empfindlich gestört werden, denn die Sporenbildung der Erlen-Phytophthora wird durch einen hohen Gesamtstickstoffgehalt im Wasser gefördert.

 

Genetik des Krankheitserregers
Die Phytophthora-Krankheit der Erlen wurde jahrelang als auf Europa beschränkte Art angesehen, bis eine der drei Unterarten von P.alni in Alaska nachgewiesen wurde. Nun konnte eine internationale Forschergruppe (siehe Download Studie) in einer populationsgenetischen Studie zeigen, dass diese Unterart, P.alni uniformis, aufgrund ihrer genetischen Vielfalt mit hoher Wahrscheinlichkeit in den USA indigen ist. Die in Europa vorkommenden Stämme von P.alni uniformis zeigten hingegen eine extrem geringe genetische Vielfalt, woraus die Autoren schließen, dass die europäische Population von P. alni uniformis wahrscheinlich nicht heimisch, sondern das Ergebnis einer geringen Zahl von Einwanderungen nach Europa ist. P. alni uniformis ist eine der beiden Elternarten der besonders aggressiven Hybridart P. alni alni, die für überregionales Erlensterben in Europa verantwortlich ist. Die Hybridisierung ist vermutlich in Europa erfolgt, die Einwanderung der einen Elternart könnte durch aus den USA nach Europa importierte Fischbrut erfolgt sein.

 

Mögliche Wege der Einwanderung
Überlegungen über den Modus einer Einschleppung von P. alni uniformis nach Europa haben derzeit zwar spekulativen Charakter, doch ergeben sich aufgrund der Verbreitung dieser Unterart interessante Aspekte: P. alni uniformis ist in Österreich vor allem bei Grauerlen im Alpenraum entlang der Flüsse weit verbreitet, wo sie als kältetolerante Phytophthora-Art an die niedrigen Wassertemperaturen gut angepasst ist. Sollte die "Heimat" von P. alni uniformis tatsächlich das nördliche Nordamerika sein, so wäre eine Einschleppung mit Fischbrut von dort denkbar. Speziell Salmoniden (Saiblinge und andere) werden in beträchtlichen Mengen aus Nordamerika importiert. Mit der Fischbrut gelangt durch Phytophthora verseuchtes Wasser in die Flüsse und die weitere Ausbreitung mit der Strömung oder durch Wasservögel nimmt ihren Lauf.

 

Download Studie (450 kb/pdf)Strong Genetic Differentiation Between North American
and European Populations of Phytophthora alni subsp. uniformis

 


Dr. Thomas Cech,

Abteilungsleiter Phytopathologie
Bundesforschungszentrum für Wald (BFW), Institut für Waldschutz

 

 

 

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Oogonium von Phytophthora alni, isoliert von absterbenden Grauerlen Grauerlensterben Osttirol, Lienz