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Klimawandel führt zu Einwanderung neuer schädlicher Baumpilzarten

Forstinstitut der Biologischen Bundesanstalt (BBA) kooperiert mit italienischen Kollegen, um gemeinsam Strategien gegen Verbreitung von Rindenkrebs bei Esskastanien zu entwickeln
Rindenkrebs, Foto jki

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(25.01.07) Pilze lieben warmfeuchtes Wetter. Der Klimawandel führt dazu, dass neue schädliche Baumpilzarten in Deutschland heimisch werden. Welche Arten dies sein werden, verrät ein Blick in die südlichen Nachbarländer, zum Beispiel nach Italien. Einer der Krankheitserreger, der in den vergangenen Jahren den Sprung über die Alpen geschafft hat ist Cryphonectria parasitica. Dieser Pilz löst den Rindenkrebs der Esskastanie aus. In Rindenkrebs Rindenkrebs im Stammbereich Fruchtkörper des Pilz (Cryphonectria parasitica) mit Sporenranken Italien ist der ursprünglich aus Asien stammende Pilz seit 1938 bekannt. Da die Esskastanie hier weit verbreitet ist, entwickeln die für Pflanzenschutz zuständigen Wissenschaftler bereits seit längerem Strategien, um die Produzenten der "heiß" geliebten Maroni vor dem Krebstod zu bewahren. Um den Anfängen des Rindenkrebs in Deutschland zu wehren, arbeiten die Wissenschaftler vom Julius Kühn-Institut (vormals BBA) jetzt mit italienischen Kollegen vom Instituto per la protezione delle piante, dem Pflanzenschutzinstitut in Florenz, zusammen.

"Wir können bei der Bekämpfung neuer Pilzkrankheiten auf die Erfahrungen der italienischen Kollegen zurückgreifen", sagt der Leiter des Julius Kühn-Instituts Prof. Dr. Alfred Wulf. Die italienischen Kollegen profitieren ihrerseits von der Forschungskooperation. "Denn anders als in Italien, kommt die Esskastanie in Deutschland nur regional begrenzt in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz vor", erklärt Dr.Tullio Turchetti. Da es sich also um ein überschaubares Gebiet handelt, in dem der Pilz noch nicht sehr weit verbreitet ist, eignet es sich hervorragend, um die Wirksamkeit bestimmter Bekämpfungskonzepte zu überprüfen. Neben dem Fällen befallener Bäume und dem Anbau widerstandfähigerer Esskastanienarten aus Asien verfolgen die Forscher einen Ansatz, bei dem ein natürlicher Gegenspieler des Pilzes zum Einsatz kommt. Ein so genanntes Hypovirus schwächt den Pilz so sehr, dass die befallenen Bäume nicht mehr absterben. "Erstaunlicherweise sind diese vom Virus befallenen Pilzstämme in der Lage die agressiveren vom Baum zu verdrängen", erklärt Dr. Jörg Schuhmacher von der BBA. "Man infiziert daher in Italien zum Teil die Bäume bewusst künstlich mit dem vom Hypovirus befallenen Pilz, um der agressiven Variante zuvor zu kommen", so der Mykologe. Leider konnte auf der Nordseite der Alpen eine natürliche Hypovirulenz bisher nur sehr vereinzelt nachgewiesen werden. "Deshalb versuchen wir geeignete hypovirulente Stämme des Pilzes künstlich im Labor zu produzieren", erklärt der italienische Kollege Dr. Turchetti. Es gibt also für die Forscher noch einiges zu tun, bevor abgeschwächte Formen des Erregers Oberhand gewinnen und damit die hiesigen Esskastanien als attraktiver Bestandteil der heimischen Kulturlandschaft erhalten bleiben. Denn dass dieser und andere pilzliche Erreger weiter nach Norden vordringen, ist angesichts der klimatischen Veränderungen nur eine Frage der Zeit.


Stefanie Hahn
BBA/JKI

Fotos: BBA/Julius Kühn-Institut (3)

 

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Faltblatt Rindenkrebs der Esskastanie (Stand 2006)→ Download Faltblatt

 

 

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