Arboristik - Baumpflege

Baumpflege  |  Nachrichten  |  Produkte  |  Schadorganismen  |  Wissen  |  Recht

 

 

 

Vitalität bei Bäumen

Grundlegendes zur Definition von Vitalität

Vitalität bei Bäumen

 

(14.6.2016) Vitalität [von lat. vita = das Leben] ist ein Ausdruck für die Lebensfähigkeit und die Lebenskraft eines Organismus. Diese äußert sich darin, dass und auf welche Art und Weise sich ein Lebewesen an seine gegebene Situation anpasst oder diese nutzt, um möglichst optimal „überleben“ zu können. Bei einem Baum äußert sich die „Lebenskraft“ in seiner Leistungsfähigkeit bezüglich seiner Stoffwechselaktivitäten, also der Energieumwandlung mit Hilfe der Photosynthese und damit dem Aufbau und dem Erhalt einer stabilen Baumgestalt.


Beeinflusst wird die Vitalität durch Erbanlage und Umweltfaktoren (Standort, Klima, Nährstoffversorgung, Infektionsdruck). Sie zeigt sich bei Bäumen in ihrer Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und Schädlinge, ihrem Zuwachs in bestimmten Entwicklungsphasen (im Vergleich zu Bäumen gleicher Art und gleicher Entwicklung), Fortpflanzung, Regenerationsvermögen, Reaktionsvermögen, Wiederaustriebsvermögen, Abschottung u.a.. SHIGO definiert Vitalität als die „Fähigkeit, innerhalb der Bedingungen eines Systems zu gedeihen“. Nach SHIGO bestimmt die Vitalität, wie erfolgreich ein Organismus unter den vorgefundenen Umweltbedingungen gedeihen und überleben kann. Vitalität bei Bäumen darf jedoch nicht ausschließlich mit deren Zuwachs oder Wuchspotential beschrieben werden, da dies nur ein leicht messbares Merkmal von vielen ist. Die Gleichsetzung von Zuwachs und Lebenskraft birgt die Gefahr, jeden Altbaum als nicht mehr vital zu kennzeichnen. Die allgemeine Leistungsfähigkeit äußert sich zwar bei Bäumen hauptsächlich in ihrem Wachstum und lässt sich dort am leichtesten messen, doch gilt dies nur für den Jungbaum oder den Erwachsenen Baum (Reifephase). Bei einem gerade gepflanzten Jungbaum könnte ein wesentlicher Ausdruck von Vitalität seine Fähigkeit sein, sich im Boden zu verankern und möglichst viele Nährstoffe aufzunehmen. Bei einem Altbaum sind Zuwachs oder Trieblängen so gering, dass Faktoren wie Trieblängen nicht als Parameter für die Vitalität herangezogen werden können. Hier sind vielmehr Merkmale wie Abschottung, Regenerations- und Reaktionsvermögen, Belaubung, Blattfarbe u.a. heranzuziehen. Bei einem Hohlbaum bzw. einem Baumveteran dürfte ein wesentlicher Ausdruck der Vitalität die Fähigkeit sein, den Stamm oder Äste und Zweige durch entsprechenden Zuwachs an Schwachpunkten in ihrer Stellung zu halten.

 

Vitalität an Buche
Vitalität bei Buche - Buchen im Juni

Bei einem stark geschädigten Baum ist zu prüfen, was bei dem jeweiligen Schadzustand für den Baum die beste Reaktion zum möglichst langfristigen Überleben sein könnte. Nach einer Kappung wären die optimalen Reaktionen eines Baumes unter anderem ein starker Neuaustrieb bzw. die Bildung von Ständern (und damit Wiederaufbau der Krone) und eine möglichst stabile Kallusbildung an den Kappungsstellen. Um ein Absterben von Wurzelteilen wegen der Zerstörung des Versorgungsgleichgewichts zwischen Wurzel und Krone zu vermeiden, muss der „gekappte“ Baum schnellstmöglich zunächst die zerstörte Blattmasse wieder aufbauen, die Richtung der entstehenden Neuaustriebe ist dabei unwesentlich. Entscheidender Einflussfaktor, der sich direkt auf die Vitalität eines Stadtbaumes auswirkt, ist der Standort, insbesondere Bodensubstrat und Größe der Pflanzgrube bzw. verfügbarer Wurzelraum. Mangelnde Vitalität führt zu anfälligen und kranken Bäumen, deren Erhaltungsmaßnahmen stets kostenintensiv sind. Bei allen spezifischen Maßnahmen gilt es, das Augenmerk nicht einzig auf das Individuum Baum zu richten, sondern auch sein Umfeld und dieses zu verbessern.

 

Vitalitätsstufen

Der Energieumsatz eines Baumes offenbart sich ganz wesentlich in den Blättern und Trieben. Deshalb ist die Vitalität am einfachsten anhand der Parameter Blattgrün (relative Blattgröße, Blattfarbe, Belaubungsdichte), Wipfeldürre und Trieblängenzuwachs einzuschätzen. Zu berücksichtigen sind dabei aber vor allem die jeweilige Entwicklungsphase und die Baumart. Für eine einfache Einschätzung bei Baumkontrollen können die unten stehenden Vitalitätsstufen unterschieden werden. Kleine Abweichungen von Jahr zu Jahr oder innerhalb verschiedener Baumkontrolleure sollten akzeptiert werden. Es darf aber nicht zugelassen werden, dass bei den Schadmerkmalen das Symptom „Wipfeldürre“ genannt, der Baum aber als vital eingeschätzt wird. Es ist auch zu berücksichtigen, dass ein Baum ein Gefahrbaum (z. B. wegen Befall durch Brandkrustenpilz) sein kann, aber dennoch völlig vital erscheint. Schadenszustand und Vitalität sind unbedingt zu unterscheiden.

 

linie
Vitalitätsstufe Beschreibung
linie
1-vital Der Art und Entwicklungsphase entwickelte Krone mit entsprechenden Trieblängen und gesunder Blattentwicklung.
   
2-geschwächt Das bei der jeweiligen Entwicklungsphase und der Baumart erwartete Trieblängenwachstum und die Blattentwicklung sind leicht vermindert. In der Krone ist eine leichte Wipfeldürre zu bemerken.
   
3-sehr geschwächt Blattentwicklung (Blattgröße, Blattfarbe, relative Belaubungsdichte) sowie das bei der Entwicklungsphase erwartete Trieblängenwachstum sind deutlich geschwächt. Im Kronenmantel ist ein Absterben von Zweigen und Ästen bis Schwach- oder im Einzelfall bis Grobaststärke erkennbar.
   
4-abgängig Die Blattentwicklung (Blattgröße, Blattfarbe, Belaubungsdichte) sowie das bei der Entwicklungsphase erwartete Trieblängenwachstum sind erheblich vermindert bzw. nicht mehr vorhanden. Im Kronenmantel sind ganze Kronenbereiche oder -teile meist auch über Starkaststärke abgestorben.
   
5-abgestorben Es sind keine lebenden Triebe oder Blätter vorhanden.
   
linie

 

Literatur
KLUG, P. (2005): Vitalität und Entwicklungsphasen bei Bäumen. In PRO BAUM 1/2005, S. 2-5, Patzer Verlag Berlin-Hannover
KLUG, P. (2010): Praxis Baumpflege – Kronenschnitt an Bäumen. 200 S. Arbus-Verlag, Bad Boll, 2. Auflage KLUG, P., Hrsg. (2013): Arbolex - das digitale Baumpflege-Lexikon. Arbus-Medien, Bad Boll, 3. Auflage

 

(Peter Klug)
Diplom-Forstwirt, ö.b.v. Sachverständiger für Baumpflege,
Verkehrssicherheit von Bäumen, Gehölzwertermittlung

Fotos: Peter Klug

Weiterführende Links

Arbus - Produkte & Medien für den Grünbereich

Baumpflege-Lexikon

 

 

 

zurück zur Übersicht oder zurück zur Startseite


 

 

Branchebuch
Diese Firmen werben
auf arboristik.de,
wir bitten um Beachtung.
- Ing.-Büro
Dipl.-Ing. Block-Daniel
- Sachverständigenbüro
Dipl.-Ing. Henning Müller
- Baumdienst Behr
- Standardsoftware für Sachverständige Franz Hund
- Matthias Zorn
Sachverständigenbüro Gartenbau
lilie
- Mediadaten
linie
Im Branchenbuch auf arboristik.de können Sie Ihre Dienstleistung oder Produkt in Form eines Basiseintrages vorstellen und bewerben, und dies zu äußerst günstigen Tarifen. Ein Eintrag als Basiseintrag ist schon ab 2 Euro monatlich möglich.
linie
Grafiken & Illustrationen
für den Print und das Web.
Professionell und preiswert!
ks grafik&illustration
linie

 

 

 

Vitalität 1
Vitalität 1 - vital - Rosskastanie im Juli. Volle Belaubung in der Krone
Vitalität 2
Vitalität 2 - leicht geschwächt Rosskastanie im Juli. Leichte Wipfeldürre, Blätter kleiner als im optimalen Zustand
Vitalität 3
Vitalität 3 - sehr geschwächt Rosskastanie im Juli. Starke Wipfeldürre bis Schwachaststärke, Blätter wesentlich kleiner als im optimalen Zustand
Vitalität 4
Vitalität 4 - abgängig
Rosskastanie im Juli.
Starke Wipfeldürre bis Starkaststärke, nur noch wenige Blätter vorhanden
Vitalität 5

Vitalität 4-5: abgängig-abgestorben Rosskastanie im Juli. Erhebliche Wipfeldürre bis Starkaststärke, es sind nur noch einzelne Blätter vorhanden, Wahrscheinlich wird die Rosskastanie innerhalb kurzer Zeit ganz absterben, es ist keine Widerstandskraft vorhanden. Weitere Schädlinge wie z.B. Pilze werden den Baum vermutlich zum Absterben bringen

 

 

 


 

 


2003 - 2016- arboristik.de - All rights reserved

vit buche vit 1 vit 2 vit 3 vit 4 vit 5