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Kastaniensterben in Westfalen

Manches Stadtbild wird sich deutlich verändern


kastaniensterben
Foto: F lamiot / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

 

(11.9.2016) Immer mehr Rosskastanien in Westfalen sind von dem Bakterium „Pseudomonas syringae pv. Aesculi“ befallen, welches die Bäume über kurz oder lang sterben lässt. Insbesondere das Ruhrgebiet sowie einige Städte und Gemeinden nahe der holländischen Grenze sind betroffen.

 

 

Allein in Dortmund hat das Bakterium bislang 450 Bäume so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass sie nicht mehr gerettet werden können und demnächst abgeholzt werden. „Die Lage ist prekär“, sagt Martin Rüthers vom Dortmunder Tiefbauamt. 2275 Rosskastanien wachsen derzeit auf städtischen Grundstücken und wurden in den vergangen Monaten begutachtet. Das Ergebnis ist ernüchternd: „Fast der komplette Wallring rund um die Dortmunder Innenstadt ist betroffen. 60 Bäume müssen allein hier gefällt werden, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten“, so Rüthers. „Das Stadtbild wird sich deutlich verändern.“

Ein Befall mit Pseudomonas macht sich zunächst durch „blutige Stellen“ an Stamm und Ästen bemerkbar, aus denen eine schwarze Flüssigkeit austzritt. In der Folge können Pilze in das Holz des Baumes eindringen, die ihn schließlich absterben lassen.

 

Die Lage ist prekär

 

Ganz unbekannt ist das Phänomen in Westfalen nicht: Bereits vor zehn Jahren gab es erste Nachweise für eine Bakterieninfektion vereinzelter Rosskastanien. Wahrscheinlich hat sich die Baumkrankheit aus den Niederlanden

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Infizierte Rosskastanie.
Foto: Andreas Vietmeier, Landwirtschaftskammer NRW

verbreitet, wo bereits im Jahr 2002 Infektionen bemerkt wurden. Dass nun in einigen Regionen Westfalens bis zu 50 Prozent aller Bäume befallen sind, ist allerdings eine neue Dimension. Da bislang keinerlei Maßnahmen gegen das Kastaniensterben bekannt sind, tendieren einige Städte bereits dazu, keine neuen Bäume dieser Art mehr anzupflanzen. In Marl, wo etwa ein Drittel aller Bäume infiziert ist, und 60 bislang gefällt werden mussten, will die Stadtverwaltung zukünftig auf Kastanien verzichten - und zwar „...so lange, bis es resistente Zuchtformen gibt“, so Stadtsprecher Daniel Rustemeyer.

 

In Gütersloh, wo etwa 100 der insgesamt 700 Rosskastanien befallen sind, werden die bislang 50 gefällten Bäume durch Edelkastanien ersetzt, denen das Bakterium nichts anhaben kann. Auch in Münster, wo ebenfalls 50 Bäume bereits abgeholzt wurden, setzt man auf alternativen Arten - in diesem Fall Ahorn, Linde und Hainbuche. Im Sauer- und Siegerland ist das Kastaniensterben noch wenig verbreitet. So gibt es etwa in Arnsberg bis dato noch keinen nachgewiesenen Fall von Pseudomonas. „Zwar treten vereinzelt Symptome auf, die auf eine Infektion schließen lassen, diese sind aber unspezifisch und können auch andere Ursachen haben“, sagt Pressesprecherin Stephanie Schnura. „Vielleicht bringen die nächsten Kontrollen neue Erkenntnisse.“

Über diesen Punkt ist man in Dortmund schon lange hinaus. Martin Rüthers setzt bei Neuanpflanzungen mittlerweile fast ausschließlich auf robustere Bäume wie die Hopfenbuche, Blumenesche oder eine bestimmte Erlenart. Für die Zukunft der Rosskastanie hat Rüthers zusammen mit einer extra gegründeten Arbeitsgruppe bereits ein Worst-Case-Szenario entworfen: „Auch ich habe früher Kastanienmännchen gebastelt und würde es sehr bedauern. Aber es ist gut möglich, dass es in zehn bis zwölf Jahren in Dortmund keine Rosskastanien mehr gibt.“
(wh)



 

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