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Baumästhetik

Versuch einer Definition

Baumästhetik
Foto: pixabay.com / CC0 1.0

 

(7.3.2017) Was ist das denn, mag sich mancher fragen. Ästhetik kommt aus dem Griechischen [aisthētikḗ (téchnē) = Wissenschaft vom sinnlich Wahrnehmbaren] und wird als Wissenschaft oder Lehre vom Schönen definiert. Was ist Ästhetik bei Bäumen? Das ist vor allem eine Sache der Betrachtung des Menschen. Wer mag behaupten oder widersprechen, dass Bäume selbst ein Empfinden haben? Deshalb mag ich mich hier auch nur mit der Sicht des Menschen beschäftigen: Ästhetik hat mit Empfinden zu tun, mit Wohlgefallen, mit Bewunderung und mit Emotion. Mit dem Begriff Ästhetik verbinden wir heute meist angenehme Wahrnehmungen, er könnte aber auch für unangenehme Emotionen wie Hass, Ärger oder Wut benutzt werden. Der Begriff soll auch hier im Sinne von Schönheit verwendet werden.


Die Wahrnehmungen und damit das Ästhetik-Empfinden des Menschen können sehr unterschiedlich sein: Der Hausbesitzer, auf dessen Nachbargrundstück eine ausladende, vitale Buche steht, mag diesen Baum als tägliche Bedrohung seines Lebens empfinden. Der Eigentümer des Baumes könnte mit der von den Großeltern gepflanzten Buche sehr viele Zuneigung und Emotionen in Verbindung bringen und der Meinung sein, sein Überleben hängt von der Vitalität des Baumes ab. Beim morgendlichen Aufstehen schaut er aus dem Fenster und empfindet große Freude daran, dass die Buche noch vorhanden ist. Ihre grün leuchtenden Blätter wirken auf ihn beruhigend und spenden ihm Kraft.

 

Über Ästhetik in Bezug auf Bäume ließen sich zahlreiche Untersuchungen und Beobachtungen machen. Es kann aber auch vereinfacht werden: Menschen gehen gerne in einen städtischen Park, es tut ihnen gut, sie haben Freude an dem Grün der Blätter und bestaunen die Baumgestalten, unabhängig davon, ob sie diese nun bewusst wahrnehmen oder sie die vorhandene Stimmung einfach annehmen. Sie fühlen sich wohl im Schatten der Bäume. Zahlreiche Parks wie die Insel Mainau werden wegen ihres Arboretums - also der Anzahl an seltenen Arten und großen alten Bäumen - besucht. Diskussionen über Fällungen von Altbäumen in Städten gibt es meist, weil Menschen Bezug zu diesen Bäumen haben oder weil sie für diese lebenden Bäume irgendetwas empfinden. Damit sind wir wieder beim Begriff Ästhetik oder einfach ausgedrückt „Schönheit“, der im Folgenden mit Beispielen verdeutlicht werden soll.

Baum Krone baumkrone
Um einen Baum als schön zu empfinden erwarten wir den arttypischen Habitus, einen Stamm mit einer sich gleichmäßig ausdehnenden Krone. Foto: Peter Klug Vor allem Licht und die Farben Grün können auf Menschen wirken. Grün gilt als Farbe der Natur, die beruhigt, entspannt und belebt. Foto: Peter Klug Die Ausdehnung einer Krone kann „beeindrucken“. Foto: Peter Klug
     
herbstfarben standort stamm
Herbstfarben können als schön empfunden werden. Foto: Peter Klug Seltene oder ungewöhnliche Standorte können imponieren. Foto: Peter Klug Uralte Bäume lösen stärkere Emotionen aus als Jungbäume. Foto: Peter Klug
 
 

Baumästhetik


Was wollen wir also als Planer, als Sachverständige, als Baumpfleger, als Eigentümer, als Baumfreund???? Als Zuständige für das Grün kann unser Ziel nur darin bestehen, einen verkehrssicheren, ästhetischen und vitalen Baumbestand zu erhalten. Mit Ästhetik ist dann gemeint: Das Empfinden für Schönheit erwecken, Begeisterung erzeugen, Emotionen hervorrufen. Oder auch einen Ausgleich schaffen für die sonst hektische Welt.


Die Zerstörung der Baumästhetik

 

Wie wird nun das Schönheitsempfinden zerstört: durch massive Eingriffe in die natürliche Baumform, indem Kronen von Bäumen ganz oder teilweise gekappt werden.

 

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Wie wird nun das Schönheitsempfinden zerstört? Durch massive Eingriffe in die natürliche Baumform, indem Kronen von Bäumen ganz oder teilweise gekappt werden. Foto: Peter Klug Ein Mangel an Vitalität kann das Schönheitsempfinden stören.
Foto: Peter Klug

 

Holzstange Kappung
Das Bild erinnert eher an eine Holzstange als an einen lebenden Baum, der Baum wurde durch die starken Eingriffe zerstört. Derartige Bilder erzeugen eher unangenehme Emotionen, solche Eindrücke werden nicht als Schönheit empfunden. Foto: Peter Klug Baumästhetik? - NEIN, eher Ärger, dass wieder Bäume ohne Notwendigkeit zerstört wurden. Foto: Peter Klug


Wieso diese Erklärungen zur Baumästhetik? Für diese Erklärungen gibt es nur einen Grund: Jeden, der mit Bäumen zu tun hat, noch einmal daran zu erinnern, dass es unsere Aufgabe ist, ästhetische (also schöne), verkehrssichere und vitale Bäume zu erhalten. Es ist ganz einfach.

 


Peter Klug
Diplom-Forstwirt,
ö.b.v. Sachverständiger für Baumpflege,
Verkehrssicherheit von Bäumen, Gehölzwertermittlung

www.arbus.de

 

 

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