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Der Asiatische Laubholzbockkäfer in Europa

Acht europäische Länder im Kampf gegen den gefährlichen Quarantäneschädling


Asiatischer Laubholzbockkäfer
Foto: Reinhard Lässig (WSL)

 

(6.1.2017) In acht europäischen Ländern wurde der für viele Laubbäume gefährliche Asiatische Laubholzbockkäfer bisher nachgewiesen. Erstmals in Europa gelang es nun in der Stadt Winterthur (Schweiz), einen so großen Käferbefall bereits nach vier Jahren zu tilgen, andernorts dauerte dies bisher mehr als zehn Jahre. Das Erfolgsrezept: konsequente Käferbekämpfung, gut koordinierte Kontrollmaßnahmen und aktive Information an die Bevölkerung, wie eine ALB-Spezialistin der Eidg. Forschungsanstalt WSL in der Fachzeitschrift „Wald und Holz“ schreibt.

 

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Derzeit bekannte Freilandbefälle in Europa.
Rot: Befallsgebiete, die derzeit noch unter Monitoring stehen. Grün: bereits erfolgreich getilgt. Karte: Doris Hölling (WSL)

Der Asiatischen Laubholzbockkäfer (Anoplophora glabripennis; ALB) zählt zu den zehn gefährlichsten Quarantäneschädlingen weltweit. In acht europäischen Ländern wurde der Käfer bisher an mehr als 30

Befallsorten festgestellt; an sechs Orten ließ sich der Befall unterdessen tilgen. Bei den großen Freilandbefällen dauerte der Kampf gegen die Käferpopulationen meistens mehr als 10 Jahre.

Das Beispiel Winterthur (Schweiz) hat kürzlich gezeigt, dass es sehr wohl möglich ist, auch einen großen Freilandbefall innerhalb der europaweit vereinbarten Minimalzeit von vier Jahren zu tilgen. Wichtige Voraussetzung dazu ist ein entschlossenes Handeln zu Beginn eines Befalls, denn nur die besten und erfahrensten Leute vor Ort können im ersten Jahr das Befallsgebiet einkreisen.

 

 

Der Freilandbefall in Winterthur konnte nur deswegen in kürzester Zeit getilgt werden, weil die Bekämpfungs- und Kontrollmaßnahmen kurz nach dem festgestellten Befall 2012 sofort eingeleitet sowie intensiv und gut koordiniert wurden Der Bund, der Kanton Zürich, die WSL und die Stadt Winterthur arbeiteten in den vergangenen mehr als vier Jahren eng zusammen. Im Dezember 2016 entließ der Bund Stadt und Kanton aus der Monitoringpflicht.

 

Erfolgsfaktoren

 

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Normalerweise besitzen die ALB-Käfer in Europa weiße Flecken. Foto: Doris Hölling (WSL)
 
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Auffällig in Marly (Kanton Freiburg, Schweiz) war, dass der Großteil der Käfer gelbliche Flecken aufwies, was bisher aus Europa nicht bekannt war. Foto: Doris Hölling (WSL)
 
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Mit Holzverpackungen gelangen die Schädlinge nach Europa. Teilweise schlüpfen die Käfer bereits auf der Überfahrt im Container. Aber auch in gelagertem Abfallholz können sie sich noch zu Ende entwickeln und ausfliegen. Foto: Doris Hölling (WSL)
 
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Speziell auf ALB ausgebildeter Spürhund kontrolliert einen präventiv gefällten Baum auf den Befall durch den Asiatischen Lauholzbockkäfer.
Foto: Monika Hagemeier

Um einen so großen Freilandbefall wie in Winterthur in Minimalzeit zu tilgen, ist es unabdingbar, noch im Entdeckungsjahr die Außengrenzen des Befallsgebietes zu ermitteln. Dazu braucht es so viel gut geschulte ALB-zertifizierte Baumpfleger und Spürhundeteams wie möglich. Alleine können in der ALB-Bekämpfung Unerfahrene den Käfer nicht wirksam bekämpfen. Qualifiziertes Personal verursacht zwar hohe Kosten, aber hier zu sparen, führt später im Rahmen des Monitorings zu weit höheren Kosten. Zusätzliche Fachkräfte werden begleitend eingearbeitet.

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die kompetente und transparente Arbeitsweise aller Beteiligten und die offene, effiziente und zeitnahe Kommunikation untereinander sowie zu den Anwohnern und Medien. Ohne das Verständnis und die Kooperation der betroffenen Anwohner über einen mehrjährigen Zeitraum lässt sich dieser Käfer nicht erfolgreich bekämpfen. Man kann die Tilgung dieses gefährlichen Quarantäneschädlings nur miteinander schaffen, nicht gegeneinander!

 

Die Fachleute der Eidg. Forschungsanstalt WSL unterstützten und begleiteten während des gesamten Bekämpfungszeitraumes die anderen Partner. Das begann mit der Diagnose der Käfer, Larven, Puppen, Eier und Befallssymptome (inkl. genetischer Analysen) und reichte bis hin zur Dokumentation des gesamten Befallsgeschehens (Freiland-Erfassungsbogen, Datenbank, Fotosammlung). Die WSL hat zudem Fachkräfte vor Ort geschult, Anschauungsobjekte hergestellt sowie Probematerial für die Spürhundearbeit bereitgestellt.

Diese Arbeiten nützten nicht nur dem Team in Winterthur. Gleiches leistet die WSL auch in den anderen Freilandbefallsgebieten in der Schweiz, die derzeit noch unter Monitoring stehen. Auch hier konnten die jeweiligen Befallsgebiete zumeist im Entdeckungsjahr, in Brünisried (Kanton Freiburg) im Jahr 2013, eingegrenzt werden. Ab diesem Zeitpunkt mussten bei den jährlich durchgeführten Monitoringarbeiten bisher keine Korrekturen der Befallsgrenzen vorgenommen werden, da keine weiteren Laubholzbockkäfer mehr gefunden wurden.

Die enge Vernetzung der WSL-SpezialistInnen mit Fachkollegen im Ausland ermöglichte, dass alle Beteiligten in der Schweiz immer auf der Basis des aktuellen Kenntnisstands beraten werden können.

 

Auf Information setzen

 

Die WSL hat zusammen mit dem Bund ein ALB-Merkblatt und eine Bestimmungshilfe (jeweils in 3 Landessprachen) herausgegeben, die sie bei den Einsätzen, Schulungen und Informationen der Bevölkerung erfolgreich verwendet. Zudem wurden 2016 Schulungen in der Grünen Branche durchgeführt, um die Teilnehmenden zu befähigen, weitere Befälle möglichst frühzeitig zu entdecken.
Die WSL schult auch die Kontrolleure des Eidgenössischen Pflanzenschutzdienstes, die mit grenzüberschreitendem Warentransport und Verpackungsholzkontrollen zu tun haben.

Aufgrund des Befalls in Winterthur macht der Kanton Zürich unterdessen Auflagen bei öffentlichen Ausschreibungen, in deren Rahmen vorgesehen ist, Granit aus dem asiatischen Raum zu verbauen. Ziel ist, zukünftige Befälle durch den ALB zu verhindern. Auch Steinimportfirmen sind inzwischen vorsorglich tätig. All diese Anstrengungen haben nicht nur dazu geführt, dass einzelne Befallsherde getilgt werden konnten, sondern sie schränken auch die Einschleppungswege stark ein.

 

Die Gefahr ist aber noch nicht gebannt. Wie in anderen Ländern muss auch in der Schweiz grundsätzlich damit gerechnet werden, dass Befallsherde noch nicht entdeckt wurden. Es heißt also, weiterhin wachsam sein! Je früher ein Freilandbefall entdeckt wird, um so kleiner ist er, was die Bekämpfung deutlich vereinfacht.
(WSL)


Weiterführende Informationen

 

 

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