Baum&Natur - Wald

Baumschutz  |  Bäume  |  Wald  |  Natur  |  Fundsachen

 

 

Brände vernichten den einzigartigen Chiquitano-Wald in Bolivien

Ein internationales Forscherteam fordert wirksamen Schutz der verbleibenden Wälder


Brände im Wald von Chiquitano, Bolivien. Foto: Daniel Coimbra / FCBC
Brände im Wald von Chiquitano, Bolivien. Foto: Daniel Coimbra / FCBC

 

(16.12.2019) Durch Brandstiftung entstandene Feuer haben seit Juli dieses Jahres 1,4 Millionen Hektar des tropischen Trockenwaldes Chiquitano zerstört. In einem an die Fachzeitschrift Science gerichteten Schreibens, schildern Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der ↗ Humboldt-Universität zu Berlin sowie anderer deutscher und bolivianischer Forschungsinstitute den hohen Stellenwert dieses drama-

tischen Ereignisses für Biodiversität und Ökosystemdienstleistung. Sie empfehlen der neuen boliviani-

schen Regierung eine Revidierung der Gesetze, die solche Umweltkatastrophen begünstigt haben.

 

Der Chiquitano-Trockenwald ist der weltweit besterhaltene tropische Trockenwald und nur noch in Bolivien zu finden. Er verbindet den Amazonas-Regenwald mit dem Gran Chaco und Pantanal und zeichnet sich durch eine große biologische Vielfalt aus – hier sind tausende von Tier- und Pflanzenspezies beheimatet und viele von ihnen existieren nur an diesem Ort, wobei zahlreiche andere Arten noch nicht einmal entdeckt sind. Alfredo Romero-Muñoz, bolivianischer Doktorand an der HU, initiierte das Schreiben und berichtet, dass die Feuer außer Kontrolle geraten sind – seit Juli dieses Jahres gingen 12 Prozent des einzigartigen Waldes in Flammen auf. Co-Autor Martin Jansen vom Senckenberg Forschungsinstitut, der kürzlich eine bislang unbekannte Froschspezies in diesem Gebiet beschrieb, fügt hinzu: “Wir verlieren eine einzigartige Wildnis, deren unermesslichen Artenreichtum wir erst zu begreifen beginnen.“

 

Bolivien ist eines der artenreichsten Länder der Welt

 

Die beispiellosen Brände begannen einen Monat, nachdem die bolivianische Regierung unter Evo Morales das Abholzen und kontrollierte Niederbrennen von Wald zum Zwecke der Expandierung der Agrarindustrie legalisiert hatte. “Diese Gesetze sind Teil umfassender Pläne in Bolivien, die Ausdehnung von Agrarflächen in Waldgebiete hinein bis zum Jahr 2025 zu vervierfachen“, erläutert Romero-Muñoz.

 

Bolivien ist eines der artenreichsten Länder der Welt, es belegt Rang 9 hinsichtlich des Umfangs seiner Waldge-

biete – bezogen auf das Ausmaß an Entwaldung jedoch Rang 5. Die gegenwärtigen Tendenzen der Agrarexpan-

sion sind eine große Bedrohung für den Artenreichtum Boliviens, der von globaler Bedeutung ist und auch für die Bevölkerungsgruppen die von dem abhängig sind, was der Wald ihnen zum Leben bietet.
“Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, könnte Bolivien bis zum Jahr 2050 beinahe alle seine Wälder und damit eine unschätzbare Biodiversität verlieren, einschließlich solch symbolträchtiger Spezies wie Jaguar und Tapir. Auf diese Weise wird die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen aufs Spiel gesetzt; etwa Nahrungsmit-

telsicherheit sowie Zugang zu Trinkwasser in einem der Länder, die am stärksten durch den Klimawandel gefährdet sind“, so Romero-Muñoz.


In diesem Jahr vernichteten Brände in Boliviens Chiquitano-, Amazonas- und Chacowäldern und Savannen 5,3 Millionen Hektar – eine Fläche größer als die Costa Ricas. Romero-Muñoz zufolge ist das ein enormer Verlust, von dem im Vergleich mit den Bränden im brasilianischen Amazonasgebiet und in Australien in der internationa-

len Presse kaum berichtet wurde, obwohl es mindestens ebenso bedeutungsvoll ist.
Die Autoren legen der neuen bolivianischen Regierung nahe, die aktuelle Agrar- und Wirtschaftspolitik zu revidieren, insbesondere Gesetze, die eine Agarexpansion fördern. Ebenso sprechen sie sich dafür aus, die noch existierenden Wälder und die essentiellen Ökosystemdienstleistungen, die diese der Menschheit bieten, effektiv zu schützen.
(Boris Nitzsche)


Originalpublikation:

“Fires scorching Bolivia's Chiquitano forest”, Alfredo Romero-Muñoz, Martin Jansen, Angela M. Nuñez, Marisol Toledo, Roberto Vides Almonacid, Tobias Kuemmerle. Science 29 Nov 2019: Vol. 366, Issue 6469, pp. 1082. DOI: doi.org/10.1126/science.aaz7264


 



 

Zurück zur Übersicht oder zur Startseite


 

 

 

 


2003 - 2020 - arboristik.de - All rights reserved