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„Abenteuer Totholz“...

...spielerisch die Natur kennenlernen

Holzschwämme auf vermoderndem Stamm
Foto: ÖBf-Archiv / F. Kovacs

 

(26.10.2017) Morsche Äste, kahle Baumstümpfe, nackte Wurzelteller oder zersplitterte Baumstämme: Was viele Menschen Anfang November an die „Vergänglichkeit des Lebens“ erinnert, ist vielmehr wertvoller Lebensraum für rund 4.500 teils stark bedrohte Pflanzen-, Pilz- und Tierarten.

 

Die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) räumen sogenanntem Totholz, auch Biotopholz genannt, nicht nur in ihren Wäldern einen besonderen Stellenwert ein. In einem neu gestalteten Kreativheft, vermitteln die Bundes-

Naturbelassener Wald
Naturbelassener Wald mit Totholz.
Foto: ÖBf/F. Kovacs

forste jungen Schülerinnen und Schülern auf kindgerechte Weise die Bedeutung von lebensspendendem Totholz.

„Absterbende und abgestorbene Bäume sind ein unersetzlicher Lebensraum für tausende auf Totholz spezialisierte Arten und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur biologischen Vielfalt in den heimischen Wäldern“, erklärt Rudolf Freidhager, Vorstand der Österreichischen Bundesforste, die rund 15 % des österreichischen Waldes betreuen. „Es ist uns daher ein großes Anliegen vor allem Kindern die Zusammenhänge in unserer Natur wieder näher zu bringen. Denn nur wer die Natur kennt, ist auch bereit, respektvoll mit ihr umzugehen“, ist Freidhager überzeugt.

 

„Abenteuer Totholz“ – spielerisch die Natur kennenlernen

 

Gestaltet von den Natur-ExpertInnen der Bundesforste und mit eigens kreierten Zeichnungen versehen führt die Schließmundschnecke „Quassel“ im neuen Kreativheft durch ihr „Zuhause“ im Totholz. Einige Arten der

Kreativheft
ÖBf-Kreativheft für Kinder: "Abenteuer Totholz".
Foto: ÖBf

heimischen Schließmundschnecken kommen bevorzugt im Lebensraum Totholz vor: Nur bis zu zwei Zentimeter groß ernähren sie sich bevorzugt von zerfallendem Holz, Algen und Pilzen. Auf kindgerechte Weise wird das Entstehen, aber auch Bewahren des ganz besonderen Lebensraumes Totholz in unseren Wäldern erklärt. Zahlreiche Ausmalbilder, Rätselspiele und Sticker zum Bekleben sorgen für spielerisches Lernen und Bastelspaß bei den Volksschulkindern. Das neue Kreativheft wurde im Rahmen des von der Europäischen Union geförderten LIFE+-Projektes „Naturwald, Moore und Lebensraumverbund im Ausseerland“ der Österreichischen Bundesforste gestaltet. Es steht ab sofort kostenlos als PDF (10,2 MB) zum → Download zur Verfügung oder kann bei den → Österreichischen Bundesforste bestellt werden.

 

Totes Holz und Biotopbäume fördern Artenvielfalt in Bundesforste-Wäldern

 

In den kommenden Jahren soll der Anteil an ökologisch wertvollem Totholz sowie die Anzahl von Biotopbäumen pro Hektar Wald deutlich erhöht und damit bewusst von der Nutzung als Biomasse ausgenommen werden. Voraussetzung dafür ist, dass die Wege- und Verkehrssicherheit erhalten bleibt bzw. keine Beeinträchtigung des

Totholz
Liegendes Totholz. Foto: ÖBf/F. Kovacs
 
Schnecke
Schließmundschnecke (Clausiliidae). Foto: P. Lechner
 
Alpenbock
Alpenbockkäfer (Rosalia alpina). Foto: P. Lechner

umliegenden Waldes durch Waldschädlinge besteht. Besonderes Augenmerk legen die Bundesforste dabei auf das Belassen von dicken Totholzstämmen unterschiedlichster Baumarten im Wirtschaftswald. Der Hirschkäfer (Lucanus cervus) etwa legt seine Eier ausschließlich in mächtigen Eichenstämmen ab. Sein seltener Verwandter, der Alpenbockkäfer (Rosalia alpina) wiederum, hat sich auf knorrige, alte und besonnte Buchen zur Fortpflanzung spezialisiert. Je dicker die abgestorbenen Baumteile, desto mehr Nahrung – etwa die forstlich schädlichen Borkenkäfer und deren Larven – finden auch seltene Spechtarten wie der Dreizehenspecht (Picoides tridactylus). Spechte legen in den Bäumen außerdem gekonnt Bruthöhlen an, welche in weiterer Folge wiederum Eulen, Fledermäusen, Siebenschläfern oder Hornissen als Nistplätze dienen.

Ebenso erhöht wird die Anzahl der Biotopbäume in den Wäldern. Biotopbäume sind lebende, aber meist alte, dicke Bäume mit knorrigen Wuchsformen sowie breiten, ausladenden Kronen, die etwa Greifvögeln als Nistplatz dienen. Bevorzugt werden dabei naturschutzrelevante Arten wie Eichen, Eiben, Mehlbeeren, Buchen, Bergahorn, Pappeln, Ebereschen. „Naturschutz und Waldbewirtschaftung sind kein Widerspruch. Unsere Untersuchungen zeigen, dass naturnah bewirtschaftete Wälder höchst wertvolle Lebensräume zur Förderung der heimischen Artenvielfalt bilden“, betont Freidhager.

 

Totholzparadies Ausseerland

 

Ein besonderes Beispiel dafür sind Bundesforste-Wälder im Ausseerland, in denen im Rahmen des LIFE+-Projekts „Naturwald, Moore und Lebensraumverbund im Ausseerland“ auf eine Anreicherung von Totholz geachtet und zahlreiche totholzliebende Arten nachgewiesen werden konnten. Allein 240 verschiedene Pilzarten, von denen zwei, nämlich die Rötlichgraue Gallertwabe (Aporpium canescens) oder der Schwefelgelbe Tannen-Wachsindenpilz (Flavophlebia sulfureoisabellina), als Erstfunde in der Steiermark gelten. 123 Flechtenarten konnten bestätigt werden – viele davon wie die Blutflechte (Mycoblastus sanguinarius) oder Krause Blattflechte (Usnocetraria oakesiana) sind auf der Roten Liste bereits als gefährdet eingestuft. Besonders erfreulich ist, dass auch der seltene Alpenbockkäfer (Rosalia alpina) in mehreren Populationen in der Region vorkommt.
(ÖBf)

 

Download Kreativheft "Abenteuer Totholz" (pdf, 10,2 MB)
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