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Die Edelkastanie im Fokus

Forstliche Forschung im Klimawandel

Edelökastanien in Graubünden, Schweiz
Foto: Hansueli Krapf / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

 

(20.11.2017) Die Edelkastanie ist in Bayern und ganz Deutschland derzeit nur punktuell zu finden. Aber das könnte sich ändern. Denn die Baumart ist anpassungsfähig und wärmeresistent und kommt mit tro-ckenen, ärmeren Böden gut zurecht. Eigenschaften, die sie für den Waldumbau hin zu klimaresistenten Wäldern wertvoll machen könnte. Für Hermann Hesse ist in seiner Erzählung Narziss und Goldmund die Edelkastanie ein „schöner, merkwürdiger Baum“ und „zartgesinnter und leicht fröstelnder Gast“. Damit sind schon einige wichtige Merkmale dieser Baumart beschrieben.


Die Edel- oder Esskastanie – wissenschaftlich Castanea sativa – ist eine seltene Baumart in Bayern. Sie stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und wurde von den Römern über die Alpen gebracht. Heute findet man Esskastanien in Deutschland überall dort, wo es warm ist. Oft sind das Weinbaugebiete, beispielsweise in der Pfalz, an der Mosel oder auch in den bayerischen Weinbaugebieten am Untermain.

Der Sommer 2015 hat vielerorts zu zahlreichen Dürreschäden insbesondere an jungen Waldflächen geführt und abermals aufgezeigt, welche Bedeutung trocken- und wärmetolerante Baumarten in der Forstwirtschaft unter dem Zeichen des Klimawandels haben.

 

Vorkommen der Edelkastanie in Bayern werden großflächig erfasst


In einem Projekt (→ Projekt C 29) der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) mit Förderung durch die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) werden nun Vorkommen, Anbaueignung sowie Nutzungspotenziale und Vermarktungsmöglichkeiten der Edelkastanie erforscht. Dabei wird die LWF durch die reichen Erfahrungen der Kollegen aus Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg unterstützt. Hierbei werden in einem ersten Schritt die Vorkommen der Edelkastanie in Bayern großflächig erfasst.
Die aus der Vorkommensanalyse gewonnenen Informationen bilden die Grundlage für die Auswahl von geeigneten Erntebeständen und ermöglichen eine genetische Einordung der hierzulande vorkommenden Edelkastanien. Die lokalisierten Edelkastanien-Vorkommen werden dabei auch auf Befall von Schadorganismen untersucht.

Zur Feststellung der Anbaueignung der Edelkastanie verschneiden die am Esskastanien-Projekt beteiligten Wissenschaftler Inventurdaten wie die aus der Bundeswaldinventur mit flächigen Standortdaten. Ergänzt wird der Forschungsansatz durch Anbauinformationen und Wuchsdaten, die auf europäischer Ebene gesammelt werden. Zusammen mit einer Auswertung der europäischen Fachliteratur soll bis 31. Juli 2018 ein möglichst umfassendes Gesamtbild zur Edelkastanie und deren Anbaumöglichkeiten in Bayern erarbeitet werden.

Nach Abschluss des Forschungsprojekts werden die gewonnenen Erkenntnisse in praxisgerechter Form für Waldbesitzer und Forstleute aufbereitet und zur Verfügung gestellt.

 

Ess- und Rosskastanie haben wenig gemein

 

Aber schon jetzt ist die Esskastanie auch naturschutzfachlich eine besondere Baumart: An ihr sind etwa 1.000 Insekten- und Käferarten zu finden. Auch Flechten und seltene Moosarten, die teilweise schon als verschollen galten, konnten an ihr nachgewiesen werden.
Und obwohl der Name es zunächst nahelegt, haben Ess- und Rosskastanie wenig gemein: Während die Ess-Kastanie eng mit Buchen und Eichen verwandt ist, gehört die Rosskastanie – wie auch die Ahorne - zu den Seifenbaumgewächsen. Die fälschlich vermutete Verwandtschaft begründet sich wohl darin, dass beide Arten im Herbst zunächst von stacheligen Kugeln umhüllte, mahagonibraune Früchte hervorbringen. Dabei sind die fettarmen, stärkereichen und süßlichen Maronen botanisch betrachtet Nüsse wie Walnuss oder Haselnuss, jedoch weniger fetthaltig und reich an Kohlehydraten. Die Kastanien der Rosskastanie aber sind die Samen der Kastanienfrucht.
(LWF)


Weitere Informationen:
Projekt C 29 „Die Edelkastanie (Castanea sativa) in Süddeutschland“ (Externer Link)

 



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