Baum&Natur - Wald

Baumschutz  |  Bäume  |  Wald  |  Natur  |  Fundsachen

 

 

Borkenkäferplage

Ideale Bedingungen für Massenvermehrung

Walderneuerungsprogramm Harz
Foto: Tõnu Pani / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

 

(15.9.2017) Seit einiger Zeit haben die Borkenkäfer ideale Lebensbedingungen und haben sich stark vermehrt. Bereits der Herbst 2016 war sehr warm und nach dem milden Winter mit geringen Sterberaten schlüpften die ersten Käfer in diesem Jahr bereits im April. Bis zu drei Generationen konnten sich entwickeln. Zur Veranschaulichung: Ein Weibchen legt im Verlauf der Vegetationsperiode 100 bis 150 Eier ab. Rechnet man Verluste mit ein, so kann ein Käferweibchen in idealen Jahren mehr als 100.000 Nachkommen erzeugen. Stark betroffen sind aktuell die Wälder in Bayern, Niedersachsen, Hessen, Sachsen-Anhalt und in Baden-Württemberg.

 

fichten
Borkenkäferschaden an Jungfichten
Foto: Hendrik Leistner / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Wegen der fortgeschrittenen Jahreszeit müssen die befallenen oder durch Stürme geworfenen Bäume, nun bis spätestens März 2018 gefällt, entrindet oder mindestens 500 Meter aus dem Wald geholt werden. Wenn nicht, befallen die Käfer im Frühjahr umgehend die umstehenden Bäume.

Das bedeutet, dass Förster und Waldbesitzer ihren Wald intensiv beobachten müssen. Dies geschieht unter anderem mithilfe von Lockstofffallen oder Bruthölzern. Erkennbar ist ein Befall daran, dass das Bohrmehl der Käfer an Spinnennetzen oder Pflanzen im Umkreis der Bäume hängen bleibt.

 

Fichten anfälliger als früher

 

Die Massenvermehrung von Borkenkäfern findet besonders in Fichtenmonokulturen statt. Sie führt zu immensen wirtschaftlichen Schäden, die häufig existenzgefährdend sind. Momentan sind die Fichten, geschwächt durch die vermehrte Hitze und Trockenheit, anfälliger als früher.

Um den Zusammenbruch ganzer Wälder zu vermeiden, fordert die SDW den begonnenen Umbau von anfälligen Fichtenreinbeständen auf Mischwälder und die anschließenden Pflegemaßnahmen stärker zu fördern. Auch die Beratung der privaten Waldbesitzer zum klimatoleranten Zukunftswald muss weiterhin unterstützt werden.

Es handelt sich nach Sicht der SDW um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nicht allein auf dem Rücken der Waldbesitzer ausgetragen werden kann. Auch nach Sturmereignissen müssen die üblichen finanziellen und steuerlichen Erleichterungen im Schadensfall gezahlt und der Aufbau eines Netzes von Nasslagerstätten zur Vermeidung von Preisverfall unterstützt werden.

 

Allerdings darf man nach Sicht der SDW auch in solchen Extremsituationen auch den  Natur- und Artenschutz nicht vergessen. So sollte zum Beispiel altes, bereits ausgetrocknetes Holz mit Rücksicht auf seltene Käfer nicht mit aufgearbeitet werden und auf Schadflächen die automatisch hoch kommenden Laubhölzer und Pionierbaumarten zur Verbesserung der Artenvielfalt geschont werden.
(SDW)

 

Weiterführende Informationen 
Dossier Borkenkäfer (waldwissen.net)


 

 


 Zurück zur Übersicht oder zur Startseite

 

 

 

 

 


2003 - 2017 - arboristik.de - All rights reserved