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Eingeschleppte Baumschädlinge gefährden die Wälder Europas


Eingeschleppte Baumschädlinge gefährden die Wälder Europas
Foto: pixabay Pixabay Lizenz

 

(3.2.2019) Wiener Forscher bewerten die möglichen Auswirkungen von eingeschleppten Baumschädlin-

gen auf die Kohlenstoffspeicherung europäischer Wälder

 

Immer mehr Arten werden durch den Menschen in neue Gebiete eingeschleppt. Darunter sind vermehrt Schadorganismen wie Insekten und Pilze, die Baumarten befallen und bei ungehinderter Ausbreitung zum Absterben großer Waldflächen führen können. Eine Studie österreichischer Wissenschaftler hat die Folgen der möglichen Ausbreitung solcher Schadorganismen auf den europäischen Wald und seinen Kohlenstoffhaushalt untersucht. Das Forscherteam um Rupert Seidl von der Universität für Bodenkultur Wien und Stefan Dullinger von der Universität Wien zeigte, dass sich der im europäischen Wald gespeicherte Kohlenstoff durch fünf der gefährlichsten eingeschleppten Baumschädlinge bis zur Mitte des Jahrhunderts um knapp 400 Mill. Tonnen verringern könnte. Die Forschungsergebnisse wurden in dem renommierten Wissenschaftsjournal „Nature Communications“ veröffentlicht.

 

Vom Menschen eingeschleppte Baumschädlinge: eine zunehmende Gefahr

 

In den letzten Jahrzehnten sind weltweit vermehrt Krankheitserreger und Parasiten von Bäumen durch den Menschen nach Europa eingeschleppt worden – meist als blinde Passagiere mit Holzimporten. Manche dieser Baumschädlinge haben das Potenzial, sich zu ernsthaften Gefahren für heimische Baumarten zu entwickeln. So bedroht etwa das durch einen eingeschleppten Pilz verursachte Eschen-Triebsterben aktuell den Fortbestand der Esche in Europa, während die heimischen Ulmenarten bereits in den letzten Jahrzehnten durch das Ulmensterben stark dezimiert wurden. Viele der eingeschleppten Baumschädlinge sind allerdings erst seit kurzem in Europa und werden sich vermutlich in den kommenden Jahren noch weiter ausbreiten. „Unklar war bisher, wie große und welche Teile Europas durch eine weitere Ausbreitung betroffen sein werden, und ob der Klimawandel

die Ausbreitung fördert, etwa in dem er weiter nördlich gelegene Gebiete besiedelbar macht“, so der Erstautor der Studie, Rupert Seidl von der Universität für Bodenkultur. „Außerdem haben wir noch wenig Wissen über die möglichen Folgen einer massiven Ausbreitung dieser Baumschädlinge auf die europäischen Wälder“, so Seidl weiter. Von besonderer Relevanz ist hier der Kohlenstoffhaushalt der Wälder, da großflächiges Absterben beträchtliche Mengen an Kohlenstoff freisetzen kann, die wiederum den Klimawandel zusätzlich anheizen.

 

Massive Kohlenstoff-Verluste als Folge absterbender Bäume in Europa

 

sudden oak death
Phytophthora ramorum ist ein gefährlicher Schadpilz, der seit etwa 20 Jahren in Europa und in den USA zahlreiche Gehölze befällt. Im Westen der USA führte Phytophthora ramorum zu einem weit verbreiteten Absterben von Eichen und anderen Laubbäumen.
Foto: Joseph OBrien, USDA Forest Service, Bugwood.org / CC BY 3.0 US


Die Autoren untersuchten die möglichen Folgen einer ungehinderten Ausbreitung von fünf besonders aggressiven eingeschleppten Baumschädlingen, die alle schon in Europa vorkommen, aber bisher auf kleine Regionen an den Rändern des Kontinents beschränkt sind. Die Ergebnisse sind alarmierend: „Eine ungehinderte Ausbreitung dieser Arten in Europa könnten bis zu 10% der lebenden Baumbiomasse betreffen. Dadurch würde sich die Kapazität des Waldes, Kohlenstoff zu speichern um bis zu 400 Mill. t verringern, was in etwa den Treibhausgasemissionen Österreichs von 20 Jahre entspricht“, erläutert Stefan Dullinger von der Universität Wien. Fortschreitender Klimawandel erhöht dabei das Gefährdungspotenzial dieser Schadorganismen zusätzlich, da mit steigenden Temperaturen relativ große nord- und osteuropäische Waldgebiete für die eingeschleppten Baumschädlinge besiedelbar werden. „Unsere Studie zeigt, dass eingeschleppte Baumschädlinge massive Folgen für Wald und Klima aber natürlich auch für das Landschaftsbild mit sich bringen können“, fasst Stefan Dullinger die Ergebnisse der Studie zusammen. Daher ist es dringend notwendig, die weitere Ausbreitung dieser Schadorganismen zu unterbinden, etwa durch die Einrichtung von Quarantänezonen um schon befallene Gebiete sowie verstärkte Kontrollen im internationalen Handel.

(BOKU)

 

Publikation:
Seidl R, Klonner G, Rammer W, Essl F, Moreno A, Neumann M, Stefan Dullinger (2018) Invasive alien pests threaten the carbon stored in Europe’s forests. Nature Communications doi: 10.1038/s41467-018-04096-w

 

 

Links zu diesem Thema:

Universität für Bodenkultur Wien (BOKU)

Die gefährliche Pflanzenkrankheit Phytophthora ramorum (waldwissen.net)
Das Risiko eingeschleppter Pilzkrankheiten für die Waldbäume (waldwissen.net)


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