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Verfrühter Herbst im Wald

Niederschläge lassen Pilze in diesem Jahr deutlich früher sprießen

Waldpilze
.Foto: pixabay.com / CC0 1.0

 

(1.9.2017) Im Gegensatz zum vergangenen Jahr, wo mehrere Bundesländer als „pilzfreie Gebiete“ galten, hat in diesem Jahr die Pilzsaison aufgrund des warmen und feuchten Wetters besonders früh begonnen. Erst nach dem ersten Frost muss nach Expertenmeinung wieder auf das Sammeln verzichtet werden. Gefriert das Wasser in den Pilzen, beginnen sich die Pilze zu zersetzen, werden von Bakterien befallen und werden ungenießbar.

 

„Üblicherweise liegt die Hochsaison der Pilze in September und Oktober“, sagt Jan Preller, Wald und Holz NRW. „In diesem Jahr sind einige Pilze jedoch wegen der günstigen Wetterbedingungen rund vier Wochen früher dran“. Pfifferlinge, Steinpilze, Perlpilze und Hexenröhrlinge sind jetzt schon im Wald zu finden und versprechen eine gute Pilzsaison. Die Forstleute freuen sich über interessierte Waldbesucherinnen und -besucher, weisen aber auch darauf hin, dass beim Pilzesammeln einige Regeln zu beachten sind.

 

Viele Pilzarten stehen unter Schutz


Pilze dürfen nur in geringen Mengen für den Eigenbedarf im Wald gesammelt werden. Mit einem Kilogramm pro Person und Tag ist man auf der sicheren Seite. Außerdem sollten an jedem Platz immer einige Exemplare stehen gelassen werden, damit sich die Pilze dort auch weiterhin natürlich vermehren können. Am besten dreht man die Pilze vorsichtig aus dem Boden heraus oder schneidet sie mit einem scharfen Messer ab, so kann aus dem Mycel mitunter in kurzer Zeit ein weiterer Fruchtkörper wachsen.
In Naturschutzgebieten ist das Pilzesammeln generell verboten. Aber auch dort, wo junge Bäume stehen, ist das Betreten des Waldes grundsätzlich nicht erlaubt. Zudem gilt für einige seltene und geschützte Speisepilzarten ein Sammelverbot; dazu gehören unter anderem Sommer-Röhrling, Kaiserlinge und Trüffel.

 

Steinpilz
Der Steinpilz: Lecker, aber legal nur außerhalb von Naturschutzgebieten zu pflücken.
Foto: Jan Preller, Wald und Holz NRW
 
Pfifferling
Der Pfifferling gehört zu den beliebtesten Speisepilzen. Foto: Jan Preller, Wald und Holz NRW
 
Knollenblätterpilz
Der Grüne Knollenblätterpilz wird oft verwechselt, dabei ist er hochgiftig.
Foto: Jan Preller, Wald und Holz NRW

Pilze als Partner der Bäume im Ökosystem

Wald Pilze sind das ganze Jahr als unterirdisches Geflecht (Myzel) im Waldboden vorhanden und erfüllen dort wichtige Aufgaben. Der auf dem Waldboden stehende Fruchtkörper ist nur ein paar Wochen im Jahr zu sehen. Einige Pilzarten leben als Parasiten an Pflanzen, Tieren oder anderen Pilzen und können zum Absterben dieser Wirte führen. Dazu gehören auch Speisepilze wie der Hallimasch. Er kann lebende Bäume befallen und zum Absterben bringen. Pilze fördern aber auch einen funktionierenden Stoffkreislauf. „Pilze sind beispielsweise dafür verantwortlich, dass altes Holz, Laub und Nadeln zersetzt werden. Sie sorgen dafür, dass organisches Material in den Kreislauf des Lebens zurückgeführt wird. Ohne sie würde die Streuschicht auf dem Boden immer dicker und die Wälder würden in den Unmengen anfallender organsicher Stoffe regelrecht ersticken“, erklärt Preller.

 

Pilzsammler müssen sich auskennen

Eine lange Pilzsaison führt oft zu einer deutlichen Steigerung an Vergiftungen. Deshalb empfiehlt die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) zur eigenen Sicherheit, nur Pilze zu sammeln, die man eindeutig bestimmen kann. Ist man sich unsicher, kann man auf der Internetseite der → Deutschen Gesellschaft für Mykologie (dgfm-ev.de) Pilzsachverständige in der Nähe finden. Internet und Apps sind zum Bestimmen nicht die richtigen Hilfsmittel.

 

Eine besondere Gefahr geht vom Knollenblätterpilz aus. Er enthält Zellgifte, die im schlimmsten Fall zum Tod führen können. Der Knollenblätterpilz kann mit verschiedenen Champignonarten, Täublingen oder Scheidlingen verwechselt werden. In Syrien und anderen Teilen der Welt gibt es essbare Pilze, die von den hiesigen Knollenblätterpilzen kaum zu unterscheiden sind. Daher sind Menschen aus anderen Ländern besonders gefährdet einen giftigen Pilz in den hiesigen Wäldern zu ernten.

Fühlt man sich nach dem Genuss von Pilzen unwohl, sollte man so schnell wie möglich ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Unter → dgfm-ev.de findet man die Telefonnummern der Giftnotrufe. Der Giftnotruf von der Charite in Berlin ist täglich rund um die Uhr besetzt und für Laien kostenlos. Weitere 7 regionale Notrufe stehen den Pilzsuchern zur Verfügung.

 

Da Pilze zu einer verstärkten Aufnahme von Schadstoffen wie Schwermetallen neigen, sollten sie nicht neben stark befahrenen Straßen und Industrieanlagen gesammelt werden. Außerdem sind Waldpilze auch 30 Jahre nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl in einigen Regionen Deutschlands immer noch erheblich radioaktiv belastet. Das betrifft insbesondere den Süden Bayerns, der 1986 vom Fallout besonders schwer betroffen war.

(Wald u. Holz NRW /SDW / red)

 

Link zu diesem Thema:

Deutsche Gesellschaft für Mykologie



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Steinpilz im Wald auf bemoostem Boden Pfifferlinge in Kombination mit grünem Klee auf bemoostem Waldboden Grüne Knollenblätterpilze auf belaubtem Waldboden