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Oh Tannenbaum ..!

Vom Zapfen zum Weihnachtsbaum

 

Für 90 Prozent der Deutschen ist der Weihnachtsbaum der symbolische Mittelpunkt des Weihnachtsfestes
Foto: Väsk 2004-12-19 / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

 

(24.12.2018) Für 90 Prozent der Deutschen ist der Weihnachtsbaum der symbolische Mittelpunkt des Weihnachtsfestes. Er wird feierlich mit Lichtern, Kugeln und Figuren geschmückt. Aber seit wann und warum?


Weihnachtsbaum
Foto: Sigismund von Dobschütz,
Wikimedia Commons / CC0 1.0

Der Beginn der Weihnachtsbaum-Tradition ist historisch nicht eindeu-

tig belegt. Im Jahr 1510 wurde erstmals zur Weihnachtszeit eine ge-

schmückte Tanne auf einem Platz in Riga aufgestellt – eine Gedenk-

tafel erinnert dort bis heute daran. Die ersten Aufzeichnungen über den Christbaum als Weihnachtsbrauch stammen aus dem Jahre

1606 aus dem Elsass. Im 18. Jahrhundert verbreitete sich die Weih-

nachtsbaum-Tradition über ganz Deutschland. Eine der ersten Er-

wähnungen des Weihnachtsbaums in der deutschen Literatur findet sich in Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ von 1774. Lange Zeit war der Baum zum Fest ein Privileg der wohlhabenden Kreise. Erst Ende des 19. Jahrhunderts konnte sich der Weihnachtsbaum in allen gesellschaftlichen Schichten durchsetzen. Der Brauch verbreite-

te sich von Deutschland aus in die ganze Welt. Der Lichterbaum soll Licht in die dunkle Jahreszeit bringen.

 

Wie Weihnachtsbäume wachsen

 

Weihnachtsbäume anzubauen erfordert viel Handarbeit, Feingefühl und Ausdauer. Bis Tannen eine Höhe von rund zwei Metern erreicht haben, dauert es etwa acht bis zehn Jahre. Rund 80 Arbeitsstunden fallen pro Jahr und Hektar Baumplantage an – überwiegend Handarbeit. Es dauert also ziemlich lange, bis die Bäume geerntet werden können. In dieser Zeit kann sich eine besonders artenreiche Fauna und Flora entwickeln. Zudem wurde ermittelt, dass auf einem Hektar Plantage bis zu 145 Tonnen Kohlendioxid gebunden werden können.

 

Vom Saatgut zum Setzling

 

Das Saatgut ist für die Qualität der Weihnachtsbäume entscheidend. Es wird aus den Zapfen von bis zu 60 Meter hohen Bäumen gewonnen. In Baumschulen säen Gärtner die Samen in Beeten aus – dort verbleiben die „Sämlinge“ zwei Jahre. Danach müssen sie „verschult“, das heißt umgepflanzt, werden. In dem neuen Beet dürfen sie wiederum ein oder zwei Jahre zu „Setzlingen“ heranwachsen.

 

Umzug auf die Weihnachtsbaumplantage

 

Die drei- oder vierjährigen Jungpflanzen ziehen von den Baumschulen auf die Plantagen der Weihnachtsbaumbetriebe um. Dort wachsen sie noch einmal acht bis zehn Jahre, bevor sie als Weihnachtsbäume verkauft werden. Häufig pflanzen die Anbauer die Bäume auf Böden, auf denen sie zuvor andere landwirtschaftliche Kulturpflanzen angebaut haben, wie beispielsweise Zuckerrüben, Raps oder Getreide. Eine Bodenanalyse zeigt ihnen, ob die Nährstoffgehalte im Boden für die Bäume passen. Zum Beispiel muss der pH-Wert vor der Pflanzung gegebenenfalls durch Kalkdünger angepasst werden. Tiefenlockerung und Gründüngung des Bodens sorgen für gute Startbedingungen für die angehenden Weihnachtsbäume. Es ist wichtig, die Anbaufläche einzuzäunen, damit kein Wild die jungen Bäume anknabbert.

 

Aufwändige Pflege für formschöne Bäume

 

Damit die Bäume den Kundengeschmack treffen, sollen die Spitzen nicht zu schnell wachsen und die Astreihen nicht zu weit auseinander stehen. Das erreichen die Anbauer mit Hilfe einer sogenannten Top-Stopp- Zange. Dieses Spezialwerkzeug wird oben am Stämmchen angesetzt. Es drückt einige der Leitungsbahnen ein wenig zusammen, dadurch verlangsamt sich der Saftstrom. Die Bäume wachsen langsamer und formschöner. Damit die Bäume eine regelmäßige Rundung aufweisen und insgesamt schmaler wachsen, werden die äußeren Triebe von Hand herausgezwickt. Dadurch verlängert sich die Anbauzeit allerdings um ein ganzes Jahr.

Da sich viele Vögel in den Baumplantagen wohlfühlen, klemmen die Anbauer in mühevoller Handarbeit Stäbe als Sitzgelegenheiten an die Baumspitzen. Junge, noch nicht verholzte Triebspitzen brechen nämlich leicht ab, wenn Vögel direkt auf ihnen landen. Und Vögel sitzen nun mal am liebsten ganz oben.

 

Gesunde Bäume durch Pflanzenschutz und Düngung

 

Um Krankheiten, Schädlinge und Begleitwuchs von den Weihnachtsbaumpflanzungen möglichst fern zu halten, sind verschiedene Pflanzenschutzmaßnahmen nötig. Die Erzeuger bremsen das Wachstum von Gras und Unkräutern durch Ausmähen und Fräsen oder auch mit Hilfe von Shrophire Schafen. Diese Schafe fressen so ziemlich alles, nur keine Weihnachtsbäume. Ackerschachtelhalm, Gemeine Quecke und Ackerkratzdistel siedeln gerne im Baumschulgelände. Wenn sonst nichts wirkt, helfen zugelassene Herbizide den jungen Bäumchen sich gegen die Unkrautkonkurrenten zu behaupten. Kranke und bereits abgestorbene Bäume werden gefällt und entfernt, damit sich Krankheiten nicht ausbreiten können. Zur besseren Durchlüftung werden die unteren Astkränze weggenommen. Das macht es ungemütlich für pilzliche Krankheitserreger. Pilzkrankheiten wie Tannennadelrost oder der durch Rhizoctonia Pilze verursachte Zweig- und Nadelschimmel können sonst schwere Schäden anrichten. Und kranke Bäume sind unverkäuflich. Bei Bedarf können zugelassene Fungizide eingesetzt werden. Die Raupen der Kleinen Fichtenblattwespe können den Maiaustrieb komplett abfressen. Je nach Befallsstärke können Insektizide nötig sein. Pflanzenschutzmittel werden nur eingesetzt, wenn ohne sie große Schäden an den Bäumen drohen. Regelmäßige Untersuchungen der Nährstoffgehalte in Böden und Nadeln ermöglichen eine an den Bedarf angepasste Düngung.
(Quelle: Profil Online)



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