Baum&Natur - Natur

Baumschutz  |  Bäume  |  Wald  |  Natur  |  Fundsachen


 

Wer hat meine Raupe gefressen?

Hilfe von Schulklassen gefragt

 

Raupenimitat
Beispiel von Schnabelspuren von jagenden Vögeln. Foto: Bastien Castagneyrol, Inra Bordeaux

 

(23.9.2017) Forschende der Eidg. Forschungsanstalt WSL appellieren an die Hilfe von Schulklassen für ein großes Citizen-Science Projekt. Im nächsten Frühling werden sie mit Kollegen aus acht Ländern von Portugal bis Schweden Hunderte von Raupen aus Knetmasse in Eichen verstecken. Die Schnabel-, Zahn- oder Mandibelspuren, die von Räubern hinterlassen werden, verraten die Aktivität dieser Räuber ab-hängig von Klimabedingungen.

 

Die Eiche ist in Europa eine der Baumarten, welche die größte Vielfalt an pflanzenfressenden Insekten beherbergt. Meistens fressen diese Insekten nur einen kleinen Teil der Blätter, doch wenn dies Jahr für Jahr geschieht, kann es die Eichen schwächen und ihr Wachstum verlangsamen. Massenentwicklungen von Schädlingen wie des Schwamm- oder Prozessionsspinners können Eichen sogar töten, wenn sie mit Krankheiten oder anderen Stressfaktoren zusammenfallen – zum Beispiel Trockenheit als Folge des Klimawandels.


Der Feind meines Feindes ist mein Freund


Die Eichen sind jedoch nicht wehrlos, sie produzieren abstoßende oder giftige Substanzen in ihren Blättern. Außerdem stehen die pflanzenfressenden Insekten auf dem Speisezettel von vielen Räubern wie Vögeln, Raubinsekten, Spinnen und Säugetieren. Die Bäume werden von den Feinden ihrer Feinde geschützt – dies

Puppenräuber
Der Kleine Puppenräuber ist ein Laufkäfer, der vor allem Raupen von Nachtfaltern auf Bäumen jagt, z.B. auf Eichen.
Foto: Fritz Geller-Grimm / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.5
 
raubenimintat
Kinderleicht: Raupenimitate basteln und auf Eichen montieren. Foto: Bastien Castagneyrol, Inra Bordeaux

nennt man eine trophische Kaskade.

Viele Forschende gehen der Frage nach, wie der Klimawan-

del auf diese trophische Kaskade wirken wird. Es ist nämlich schon lange bekannt, dass pflanzenfressende Insekten in wärmeren Regionen mehr Schaden anrichten als in kalten. Mit steigenden Temperaturen werden Insekten im Frühling bzw. Sommer früher, und im Herbst länger aktiv sein. Dies könnte die Eichen schwächen – nicht nur im Süden, sondern auch im Norden Europas. Es sei denn, die Eichen investieren auch mehr in Ihre Verteidigung.

Unter der Leitung von Bastien Castagneyrol, aus dem franzö-

sischen Forschungsinstitut für Agrarwissenschaft Inra in Bor-

deaux, starten Wissenschaftler aus acht Ländern ein Projekt, das den Fraß durch Räuber sowie die Verteidigung der Ei-

chen quer durch alle Klimazonen Europas dokumentieren soll. Martin Gossner, Entomologe an der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL, erklärt: „Wir werden so viele Rau-

penimitate wie möglich beobachten. Dank der Hilfe von Schulklassen können wir wesentlich mehr Bäume über-

wachen, was den Vergleich erst aussagekräftig macht.“


Raupen aus Knetmasse


Die Schülerinnen und Schüler werden dafür Raupen aus Knetmasse und Draht basteln, die sie im Frühling 2018 an einer Stieleiche (Quercus robur) in ihrer Nachbarschaft befestigen. Die Räuber werden diese Köder angreifen, als ob sie echte Beute wären, und dabei Spuren mit ihrem Schnabel, ihren Zähnen oder Mandibeln (die Mundwerkzeuge von Insekten) hinterlassen.

Jeweils nach zwei Wochen und nach einem Monat werden die Schülerinnen und Schüler die Spuren der Räuber zählen und fotografieren. Außerdem werden sie einige Blätter an den Projektleiter in Frankreich schicken, der das Ausmaß des Blattfraßes und den chemischen Inhalt der Blätter analysieren wird.

Mit der Hilfe der Schulklassen in den verschiedenen Ländern wird es somit möglich sein, chemische Verteidigung, Insektenfraß und Angriffe durch Räuber abhängig vom Klima zu vergleichen, und das von Süd- bis nach Nordeuropa.

 

Die Eichen, die für dieses Projekt ausgewählt werden, können einfacher und zuverlässiger im Herbst, vor dem Laubfall, als im Frühling bestimmt werden. Deshalb empfehlen wir Lehrerinnen und Lehrern, die bei diesem Forschungsprojekt mitmachen möchten, baldmöglichst Kontakt aufzunehmen.

(WSL)

 


Links zu diesem Thema:
Website des Projekts und Kontaktformular für Lehrpersonen
Detailliertes Protokoll für Partner-Schulen
Wer frisst wen in einem wärmeren Klima? Deine Mithilfe ist gefragt! News auf WSL-Junior

 


zurück zur Übersicht oder zur Startseite

 

 

Weitere Berichte "rund um den Baum" finden Sie im Archiv >>Baum+Natur

Branchebuch
Diese Firmen werben
auf arboristik.de,
wir bitten um Beachtung.
- Ing.-Büro
Dipl.-Ing. Block-Daniel
- Sachverständigenbüro
Dipl.-Ing. Henning Müller
- Baumdienst Behr
- Standardsoftware für Sachverständige Franz Hund
- Matthias Zorn
Sachverständigenbüro Gartenbau
- Dipl.-Biologe Klaus Plessing
Planungs- u.Sachverständigenbüro
lilie
- Mediadaten
linie
Im Branchenbuch auf arboristik.de können Sie Ihre Dienstleistung oder Produkt in Form eines Basiseintrages vorstellen und bewerben, und dies zu äußerst günstigen Tarifen. Ein Eintrag als Basiseintrag ist schon ab 2 Euro monatlich möglich.
linie

 


2003 - 2017 - arboristik.de - All rights reserved

laufkäfer raupenimitate basteln