Baum&Natur - Natur

Baumschutz  |  Bäume  |  Wald  |  Natur  |  Fundsachen


 

Bergahornweiden

Ein Paradies für Moose und Flechten

 

Bergahornweide
Ahornboden in Tirol. Foto: Bernie Kelz / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

 

(16.8.2017) Weiden mit Bergahornen sind Hotspots der Biodiversität: In diesen Kulturlandschaften wachsen über 500 Moos- und Flechtenarten, wie der Botaniker Thomas Kiebacher von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL herausfand. Über 50 dieser Arten stehen auf Roten Listen der gefährdeten Arten.

 

Thomas Kiebacher erforschte im Rahmen seiner Doktorarbeit den Moos- und Flechtenbewuchs an rund neunzig Bäumen auf Bergahornweiden im Alpenraum. "Das Forschungsprojekt zielte darauf ab, ein besseres Verständnis

Bergahornweide
Eine Bergahornweide am Grossen Ahornboden in Tirol, Österreich. Foto: Thomas Kiebacher
 
Tayloria rudophiana
Rudolphis Trompetenmoos (Tayloria rudolphiana) ist eine seltene und europaweit streng geschützte Moosart, die fast ausschliesslich auf Bergahornen vorkommt: Fundstelle am Grossen Ahornboden in Tirol, Österreich. Foto: Thomas Kiebacher

über die ökologischen Ansprüche von Moosen und Flechten zu erhalten und darüber, wie wir diese gezielt schützen können. Denn rund 40 Prozent aller Moos- und ein Drittel der baum- und erdbewohnenden Flechtenarten sind in der Schweiz gefährdet", sagt Kiebacher.

Der Forscher möchte auch dazu beitragen, Bergahornweiden zu erhalten. Denn diese parkähnlichen Landschaften sind Zeugen einer jahrhundertealten Bewirtschaftung: Der Mensch nutzte früher nicht nur die Grünflächen als Weideland, sondern verwendete auch das Laub als Futter und als Einstreu in den Ställen und heizte mit dem Holz der Bäume. Doch viele dieser Kulturflächen sind bereits verschwunden: "Tote Ahornbäume werden kaum mehr wie früher ersetzt", erfuhr der Forscher von Zeitzeugen, die er zur Nutzungsänderung von Bergahornweiden im letzten Jahrhundert befragte.

 

20 000 Moos- und Flechtenproben

 

Während zweier Jahre sammelte Kiebacher an 6 Standorten in der Schweiz, Österreich und Deutschland über 20 000 Moos- und Flechtenproben. Die Resultate dazu präsentierte er in verschiedenen Fachstudien.

Seine Untersuchungen zeigen: Auf Bergahornweiden wachsen etwa ein Fünftel aller in der Schweiz bekannten Moos- und Flechtenarten. Er fand 314 Moos- und 232 Flechtenarten, von denen über fünfzig Arten gefährdet sind. Der Botaniker fand außerdem auf einigen Bergahornen das seltene und europaweit geschützte Rudolphis Trompetenmoos (Tayloria rudolphiana), welches fast ausschließlich in den Nordalpen vorkommt. Die Schweiz hat deshalb eine hohe Verantwortung für diese Art.

 

Spezielle Klettertechnik

 

Klettertechnik
Klettern im Dienste des Naturschutzes: Thomas Kiebacher klettert hinauf in die Baumkrone eines Bergahorns, um Moose und Flechten zu sammeln.
Foto: Julia Ecker

Um die Flechten und Moose der Bäume möglichst vollständig zu erfassen, kletterte Kiebacher gar bis in die Baumwipfel. Die Mühe lohnte sich, denn ein Drittel aller Moose und sogar zwei Drittel der Flechtenarten gediehen nur in den Baumkronen, unter anderem weil dort ganz spezielle ökologische Bedingungen herrschen. "Diese Erkenntnis ist sehr wichtig: In Biodiver sitätsstudien von baumbewohnenden Moosen und Flechten sollten möglichst auch die Baumkronen berücksichtigt werden, sonst werden viele und vor allem seltene Arten übersehen", sagt Kiebacher, der in Europa einer der wenigen Forscher ist, der diese spezielle Sammeltechnik bisher angewendet hat.

Nicht nur die Ahornbäume strotzen vor Artenvielfalt, sondern auch die Bodenvegetation der Bergahornweiden: Dort fand Kiebacher insgesamt fast 350 Gefäßpflanzen- und über 250 Moosarten. Diese hohe Artenvielfalt erklärt der Forscher mit den vielfältigen Standortbedingungen auf den Weiden, denn durch die locker stehenden Bäume entsteht ein Mosaik beschatteter und besonnter Lebensräume.

 

Alte und junge Ahornbäume

 

Kiebacher stellte fest, dass die Artenvielfalt auf alten Bergahornen am höchsten ist. Es gibt jedoch auch Arten, wie beispielsweise das gefährdete Großsporige Goldhaarmoos (Orthotrichum rogeri), die bevorzugt auf jungen Bäumen wachsen. "Für eine hohe Artenvielfalt und die langfristige Sicherung der Bergahornweiden ist es deshalb wichtig, Bäume unterschiedlichen Alters zu erhalten", sagt er.

Der Forscher wird die über fünf Jahre erarbeiteten Forschungsergebnisse zu den Bergahornweiden in einem Buch der Bristol-Schriftenreihe zusammenfassen, das im Herbst 2017 erscheinen wird. Kiebacher erhofft sich, dass der bislang vernachlässigte Lebensraum und seine Artenvielfalt dadurch in der Öffentlichkeit mehr Aufmerksamkeit erhält und weitere Schutzprojekte für Bergahornweiden wie beispielsweise dasjenige im Diemtigtal (Kanton Bern) umgesetzt werden.

(WSL)


 


zurück zur Übersicht oder zur Startseite

 

 

Weitere Berichte "rund um den Baum" finden Sie im Archiv >>Baum+Natur

Branchebuch
Diese Firmen werben
auf arboristik.de,
wir bitten um Beachtung.
- Ing.-Büro
Dipl.-Ing. Block-Daniel
- Sachverständigenbüro
Dipl.-Ing. Henning Müller
- Baumdienst Behr
- Standardsoftware für Sachverständige Franz Hund
- Matthias Zorn
Sachverständigenbüro Gartenbau
- Dipl.-Biologe Klaus Plessing
Planungs- u.Sachverständigenbüro
lilie
- Mediadaten
linie
Im Branchenbuch auf arboristik.de können Sie Ihre Dienstleistung oder Produkt in Form eines Basiseintrages vorstellen und bewerben, und dies zu äußerst günstigen Tarifen. Ein Eintrag als Basiseintrag ist schon ab 2 Euro monatlich möglich.
linie

 


2003 - 2017 - arboristik.de - All rights reserved

ahornbode Trompetenmoss climber