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Gelbmöstler-Birnbäume

Markantes Kulturgut droht zu verschwinden


Birnbäume prägen die Landschaft
Foto: Martin Spengler/landwirschaft.ch

 

(21.9.2015) Größer als andere Obstbäume, kräftiger Wuchs und eine Krone wie eine Pyramide: Gelbmöstler-Birnbäume, auch Möstler, Gälmöstler oder Tropfbirne genannt, prägen mit ihrer markanten Erscheinung das Landschaftsbild. Die ursprünglich aus dem Kanton St. Gallen stammende Birnensorte liefert zuverlässig jedes Jahr gute Erträge und ist wenig anfällig auf die Pilzkrankheit Schorf. Die Birnen sind zwar klein, aber sehr saftig und im Geschmack säuerlich-würzig, was sie zum idealen Mostobst macht. Kein Wunder also, dass sich Gelbmöstler in der Schweiz seit 1800 mehr und mehr ausbreiteten und sie zu einer der wichtigsten Verarbeitungsbirnen aufstiegen. Gelbmöstler haben aber auch einen wunden Punkt, der ihnen womöglich zum Verhängnis wird: Sie sind sehr anfällig auf Feuerbrand, eine hochansteckende Bakterienkrankheit, die vor rund 25 Jahren erstmals in der Schweiz auftrat und seither die Obstbranche auf Trab hält.

 

Birnbäume prägen die Landschaft
Birnbäume prägen die Landschaft. Feuerbrand dezimiert den Bestand. Foto: Regina Reichmuth/ landwirtschaft.ch

Feuerbrand dezimiert Baumbestand
In den Hauptanbaugebieten in der Ost- und Zentralschweiz mussten in den letzten Jahren Zehntausende Gelbmöstler wegen des Feuerbrands gerodet werden. Auch in diesem Jahr wird der Bestand weiter schrumpfen. "Wir haben heuer bei den Gelbmöstlern deutlich mehr Feuerbrand festgestellt", sagt Beat Felder, zuständig für Spezialkulturen bei der Dienststelle Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern. Er rechnet mit 100 bis 200 Bäumen, die gefällt werden müssen. Der Kanton Aargau verzeichnet in diesem Jahr den schlimmsten Feuerbrandbefall seit 2007. Rund 250 Hochstammbäume mussten bislang gerodet werden. Über 90% der Bäume waren Gelbmöstler, sagt Andreas Distel, Leiter Pflanzenschutzdienst beim Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg.

Dass bei Gelbmöstlern oft zur Motorsäge gegriffen wird, hat seinen Grund: Feuerbrand ist bei Hochstammbäumen grundsätzlich schwieriger zu bekämpfen als in Obstanlagen. So darf etwa kein Streptomycin eingesetzt werden. Beim Gelbmöstler erweist sich die Bekämpfung als besonders knifflig: Das Entfernen von befallenen Ästen, der sogenannte Rückschnitt, der zur Eindämmung des Feuerbrands angewandt wird, zeigt oft keine Wirkung.

 

Ein von Feuerbrand befallener Birnbaum
Mitten im Sommer braune Blätter. Ein von Feuerbrand befallener Birnbaum. Foto: Urs Müller

Viele alte Bäume
Der Bestand sinkt nicht nur wegen des Feuerbrands, sondern auch wegen der zunehmenden Überalterung. "Viele Bäume sind 100 und mehr Jahre alt", so Urs Müller, Leiter der Fachstelle Obstbau des Bildungs- und Beratungszentrums Arenenberg/Schweiz. Bauern würden heute wegen der Feuerbrandanfälligkeit keine neuen Gelbmöstler mehr pflanzen. Müller empfiehlt stattdessen, auf robustere Birnensorten zu setzen. Im Kanton Luzern sieht es ähnlich aus: "Wir stehen mitten in einem Umstellungsprozess, von hochanfälligen auf robuste Sorten", erklärt Beat Felder. Es werde aber noch einige Jahre dauern, bis dieser Wandel vollzogen sei.

Sinkender Baumbestand, Überalterung und keine Neupflanzungen: Urs Müller rechnet angesichts dieser Entwicklung damit, dass die Gelbmöstler irgendwann aussterben werden, auch wenn sie im Kanton Thurgau heute noch die Hauptsorte bei den Mostbirnen sind. Der Verlust wäre immens: "Im Kanton Thurgau sind Birnbäume ein Kulturgut", so Müller. Ohne sie wäre das Landschaftsbild nicht mehr das gleiche.

 

Weniger Feuerbrandbefall
Auch wenn das Verschwinden der Gelbmöstler negativ für die Ökologie und das Landschaftsbild ist: Die Obstbranche ist nicht ganz unglücklich darüber. Denn Gelbmöstler sind wegen ihrer Feuerbrandanfälligkeit potenzielle Infektionsherde; Bäume, von denen aus sich das gefährliche Bakterium weiterverbreiten kann. Und damit zur Gefahr werden kann für Obstanlagen.
Beat Felder geht davon aus, dass mit dem sinkenden Gelbmöstler-Bestand der Befallsdruck abnehmen wird. "In Regionen ohne Gelbmöstler gibt es in diesem Jahr keine wesentlichen Feuerbrand-Probleme." Urs Müller hat eine ähnliche Beobachtung gemacht: "An Apfelbäumen haben wir heuer kaum Probleme mit Feuerbrand. Trat Befall auf, waren meist Birnbäume, die in der Nähe standen, die Ursache."


Zu viele Mostbirnen
Der schrumpfende Gelbmöstler-Bestand könnte nicht nur den Feuerbranddruck lindern helfen, sondern auch ein weiteres Problem der Obstbranche lösen: Die strukturelle Überproduktion von Mostbirnen. Die Nachfrage ist in den letzten Jahren geschrumpft, weil Birnensaft nicht mehr so gefragt ist, die Verkäufe von Birnenschnaps einbrachen oder weil Apfelessig den Obstessig mit Birnensaft verdrängt hat.


Wieder mehr Hochstämmer
Auch wenn in diesem Jahr wieder vermehrt Hochstammbäume wegen Feuerbrands gerodet werden mussten, dürfte dies am gegenwärtigen Trend kaum etwas ändern: Die Anzahl Hochstämmer nimmt seit ein paar Jahren wieder zu – nach Jahrzehnten des Niedergangs. "Es werden wieder Birnbäume gepflanzt", freut sich Beat Felder. Im Kanton Luzern glaube man an die Zukunft der Hochstamm-Birnen. Die Zukunft heisst Harrow Sweet, Bayerische Weinbirne oder Theilersbirne. Nicht aber Gelbmöstler.

Michael Wahl (lid)

 



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