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Die Flatter-Ulme ist Baum des Jahres 2019

Eine Ulmenart mit vielseitigem Potential

 

Flatter-Ulme
Foto: Jean-Pol GRANDMONT / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0


(9.11.2018) Wer die buschigen Blüten der Flatter-Ulme einmal im Wind hat tanzen sehen, weiß woher die Art ihren Namen hat. 2019 rückt eine Ulmenart ins Licht der Öffentlichkeit, die bisher wenig bekannt ist. Umso spannender ist ihr vielseitiges Potential – insbesondere im urbanen Bereich.


Flatterulme
Fühlt sich am Wasser pudelwohl: die Flatter-Ulme.
Foto: A. Roloff

Spricht man von Ulmen, denken die meisten wohl zuerst an das Ulmensterben im vergangenen Jahrhundert. Doch wo Berg- und Feld-Ulme insbesondere durch ihren dramatischen Rückgang traurige Berühmtheit erlangt haben, zeigt die Flatter-Ulme ein ganz anderes Gesicht. Ulmus laevis unterscheidet sich nicht nur botanisch deutlich von ihren bekannteren Schwestern, sie erwies sich auch gegen die Ulmenkrankheit als deutlich widerstandsfähiger. Dass die Flatter-Ulme dennoch eine seltene Baumart in Deutschland ist, hat in erster Linie mit dem Verlust ihres Lebensraumes zu tun. An diesem ist der Mensch nicht unschuldig: Flussauen und überflutete Gebiete sind landwirtschaftlichen Flächen gewichen, Flüsse begradigt und Feuchtgebiete trocken gelegt. Die wasserbegleitende Flatter-Ulme ist heute am ehesten noch in größeren Flusstälern wie dem Oberrheingraben, entlang der Donau, und in der Rhein-Main-Ebene anzutreffen.


Rettungsfloß Flatter-Ulme?


Alle drei heimischen Ulmenarten mögen feuchte Standorte. Die Flatter-Ulme allerdings ist besonders „nah am Wasser gebaut“. Seit der letzten Eiszeit ist sie Teil unseres Ökosystems und hat sich unter verschiedensten Klimabedingungen bewährt. „Wir brauchen Baumarten, die den Herausforderungen klimatischer Veränderungen gewachsen sind.“ sagt die Deutsche Baumkönigin Caroline Hensel bei der Ausrufung im Berliner Zoo. Ulmus laevis kann bei der Revitalisierung von Bach- und Flussauen eine entscheidende Rolle einnehmen. Für Arten, die auf Ulmen angewiesen sind, ist die Flatter-Ulme ein regelrechtes Rettungsfloß. Auch im urbanen Bereich gibt es geeignete Standorte, auf denen der Baum des Jahres 2019 als widerstandsfähiger, attraktiver Stadtbaum punkten könnte: Viele Parks verfügen über Seen und wassergeprägte Bereiche, die ein geeignetes Biotop darstellen. „Nach Jahrhunderten der Lebensraumzerstörung ist es Zeit, die Flatter-Ulme neu ins Bewusstsein von Städteplanern und Forstleuten zu holen.“ so Hensel.

Neues in der Stiftung


2019 tut sich auch bei der Baum des Jahres Stiftung einiges: Stiftungsgründer Dr. Silvius Wodarz gibt sein Präsidentenamt an Vereinsvorstand Stefan Meier ab. Verein und Stiftung danken Herrn Dr. Wodarz für seinen langjährigen engagierten Einsatz. Mit Bundesministerin Julia Klöckner und der Deutschen Baumkönigin 2019 Caroline Hensel hat die Flatter-Ulme gleich zwei engagierte Frauen hinter sich. Die Baum des Jahres Stiftung freut sich, mit Bundesministerin Klöckner ab 2019 eine neue Schirmherrin gewonnen zu haben. Caroline Hensel wird als Botschafterin für die Stiftung und die Flatter-Ulme in ganz Deutschland unterwegs sein. „Ich freue mich auf das Jahr. Mein Ziel ist es, ein neues Bewusstsein für die Flatter-Ulme als Teil unserer urbanen Landschaft zu schaffen. Dafür setze ich mich ein.“ erklärt die angehende Försterin Hensel.

Hintergrundinformation


Brettwurzel
Brettwurzeln der Flatter-Ulme.
Foto: Guido Gerding / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Der Volksmund nennt Ulmen auch Rüster. Die Flatter-Ulme ist ein hochgewachsener Baum (ca. 35 Meter) der Feuchtwälder und Flussauen. Zusammen mit Stiel-Eiche, Esche, Berg-Ahorn und Feld-Ulme prägt sie dort die sogenannten Hartholz-Auenwälder. Sie hält dauerhaft feuchten Böden und längere Überflutungsperioden problemlos aus. Ganz besonders: Die Flatter-Ulme bildet als einzige heimische Baumart Brettwurzeln aus. (Diese kennt man sonst von Urwaldriesen und dienen einer höheren Stabilität.) Auch wenn die Flatter-Ulme die Nähe des Wassers liebt, kommt sie auch auf trockeneren Standorten gut zurecht. Ihre Zweige dienten früher dem Vieh als Winterfutter. Wenn es um die Verarbeitung ihres Holzes geht, ist die Flatter-Ulme jedoch eher eine Diva: Das Holz punktet mit schöner Musterung und Zähigkeit, lässt sich jedoch schwer bearbeiten.
(bdj)


Weitere Informationen:

Baum des Jahres Stiftung

 

 

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Weitere Berichte "rund um den Baum" finden Sie im Archiv >>Baum+Natur

 

 

Baum des Jahres
bisherige Jahresbäume
Deutschland

1989 Stiel-Eiche
1990 Rotbuche
1991 Sommer-Linde
1992 Berg-Ulme
1993 Speierling
1994 Europäische Eibe
1995 Spitzahorn
1996 Hainbuche
1997 Eberesche
1998 Wild-Birne
1999 Silber-Weide
2000 Sand-Birke
2001 Esche
2002 Gemeiner Wacholder
2003 Schwarz-Erle
2004 Weiß-Tanne
2005 Rosskastanie
2006 Schwarzpappel
2007 Wald-Kiefer
2008 Echte Walnuss
2009 Berg-Ahorn
2010 Vogel-Kirsche
2011 Elsbeere
2012 Europäische Lärche
2013 Holzapfel
2014 Traubeneiche
2015 Feld-Ahorn
2016 Winterlinde
2017 Fichte
2018 Esskastanie

2019 Flatter-Ulme

Österreich
In Österreich wird seit 1994 ein Baum des Jahres ausgewählt. Im Gegensatz zur deutschen Auswahl können in Österreich ganze Gattungen ebenso wie einzelne Arten ausgewählt werden. Sogar Gruppen, die biologisch nichts miteinander zu tun haben, wie die Wildobstbäume wurden ausgewählt.

1994 Tannen
1995 Buchen
1996 Linden
1997 Fichten
1998 Schwarzerle
1999 Zirbe
2000 Schwarzkiefer
2001 Eschen
2002 Lärchen
2003 Weiden
2004 Eberesche
2005 Ahorne
2006 Ulmen
2007 Hainbuche
2008 Speierling
2009 Birken
2010 Wildobstbäume
2011 Zirbe
2012 Elsbeere
2013 Eibe
2014 Rotbuche
2015 Weißtanne
2016 Eiche

2017 Wacholder

2018 Pappeln

 

 


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Ulmus laevis Wurzeln