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Eine Überlebenskünstlerin im Fokus der Forschung

Die Flatterulme (Ulmus laevis PALL.)

Flatter-Ulme
Foto: Christian Fischer, UlmusLaevis, CC BY-SA 4.0


(7.5.2019) Als die Baum des Jahres - Dr. Silvius Wodarz Stiftung (BdJ) die Flatterulme zum diesjährigen Jahresbaum erklärte, entschied sie sich für eine arg gebeutelte aber auch widerstandsfähige Kandidatin. Die Flatterulme (Ulmus laevis), von besonderen Lebensräumen abhängig, wurde durch Landschaftsver-

änderungen stark zurückgedrängt.

 

Ein widerstandsfähiges Exemplar, die Flatterulme in Gülitz/Brandenburg. Ihr Alter wird auf 500 Jahre geschätzt. Quelle: BDJ 2019/ A.Gomolka
Ein widerstandsfähiges Exemplar, die Flatterulme in Gülitz/Branden-burg. Ihr Alter wird auf 500 Jahre geschätzt.
Quelle: BDJ 2019/ A.Gomolka

Doch selbst dem Ulmensterben trotzte diese Überlebenskünstlerin. Nun droht neues Unge-

mach: Die Ulmenvergilbung, die in Nordame-

rika schon größere Ulmenbestände dezimiert hat. In einem von der Fachagentur Nachwach-

sende Rohstoffe e.V. (FNR) koordinierten For-

schungsprojekt sind Wissenschaftler des Thü-

nen-Instituts für Forstgenetik dem Krankheits-

erreger auf der Spur. Und den besonders wi-derstandsfähigen Exemplaren der Flatterulme

 

500 Jahre soll sie alt sein. Stolze 10 Meter be-

trägt ihr Stammumfang. Dieses würdige Exem-plar des Baums des Jahres 2019, der Flatter-

ulme (Ulmus laevis PALL.), steht in Branden-

burg. Doch in diesem Bundesland befindet sich leider auch einer der Verbreitungsschwer-

punkte einer hierzulande neuen Ulmenkrankheit, der sogenannten Ulmenvergilbung. Den Erreger dieser Krank-

heit, ein durch Insekten übertragbares Bakterium namens Candidatus Phytoplasma ulmi, sollten eigentlich Qua-

rantänebestimmungen fernhalten. Doch Untersuchungen des Thünen-Instituts für Forstgenetik ergaben, dass bereits rund die Hälfte aller Flatterulmen befallen ist.

Habitus einer besonders prächtigen, solitär stehenden Flatterulme (Ulmus laevis) in der norddeutschen Elbtalaue, vor und nach dem Frühjahrsaustrieb der Belaubung
Habitus einer besonders prächtigen, solitär stehenden Flatterulme (Ulmus laevis) in der norddeutschen Elbtalaue, vor und nach dem Frühjahrsaustrieb der Belaubung. Aufnahmen vom 6. und 30. April 2019.
Foto. Christian Fischer, UlmusLaevis1+2, CC BY-SA 4.0

 

Dabei zählt die Flatterulme schon von Natur aus zu den seltenen heimischen Waldbaumarten, weil sie ein typi-

scher Vertreter wärmerer Tieflagen ist. Als vergleichsweise konkurrenzschwache Baumart entwickelt sie kaum flächige Bestände oder größere Mischungsanteile. Hauptsächlich findet man sie auf nassen Standorten an See-

ufern und in Hartholzauen. Hier profitiert sie davon, dass sie eine hohe Überflutungstoleranz von bis zu vier Mo-

naten im Sommer hat. Und: als einzige europäische Baumart bildet sie Brettwurzeln aus, die ihre Standfestigkeit auf nassen Böden erhöhen und zugleich eine bessere Wurzelatmung bei Hochwasser bewirken. Die enge Bin-

dung an heute zunehmend seltenere Nass- und Auenstandorte trug zu ihrer Seltenheit bei.

 

Typische Brettwurzeln einer (Flatter-)Ulme im Hartholzauwald "Junkerwerder" an der Mittelelbe
Typische Brettwurzeln einer (Flatter-)Ulme im Hartholzauwald "Junkerwerder" an der Mittelelbe.
Foto: Christian Fischer, Junkerwerder Ulmenwurzeln, CC BY-SA 4.0

 

Neben den großflächigen Landschaftsentwässerungen machte der Flatterulme und ihren beiden Schwestern, der Bergulme und der Feldulme, das seit dem Ersten Weltkrieg in Deutschland auftretende und von einem ost-

asiatischen Schlauchpilz verursachte Ulmensterben sehr zu schaffen. Hierunter leidet die Flatterulme jedoch deutlich weniger, da sie aufgrund besonderer Rindenmerkmale unattraktiver ist für den Infektionsträger – den Ulmensplintkäfer – und daher seltener angeflogen wird.

 

Die Ulmenvergilbung hat vor allem in Nordamerika seit den 1980er Jahren zur massiven Vergilbung und schließ-

lich zum Absterben größerer Ulmenbestände geführt. Symptome dieser Erkrankung sind Hexenbesenbildung, Triebstauchung, Vergilbung der Blätter und Nekrosen. Nachdem das Auftreten der Ulmengilbe in Deutschland bisher nur vereinzelt dokumentiert wurde, untersuchen seit 2017 Wissenschaftler des Thünen-Instituts im bran-

denburgischen Waldsieversdorf in einem von der FNR koordinierten Projekt, wie verbreitet der Erreger der Ul-

mengilbe bei den Ulmenarten hierzulande ist. Der Nachweis des Pathogens erfolgt dabei mittels molekulargene-

tischer Untersuchungsmethoden.

 

Bisher wurden Proben von 1429 Flatterulmen von Standorten in ganz Deutschland untersucht. Dabei konnte der Erreger in 607 Bäumen nachgewiesen werden. Die Forscher konnten an diesen Bäumen bisher noch keine typi-

schen Schadsymptome feststellen. Doch auch wenn der Erreger bei uns noch zu keinen stärkeren Schädigun-

gen bei der Flatterulme geführt hat, so zeigen diese ersten Ergebnisse, dass der Erreger weiter in Deutschland verbreitet ist als bisher angenommen. Er stellt somit eine potenzielle Gefahr für die heimischen Ulmenarten dar. Das Forschungsprojekt liefert die dringend benötigte wissenschaftliche Datengrundlage für eine Einschätzung der Befallssituation und für weitere Maßnahmen zur Risikominimierung. Und es soll die krankheitsresistenten Bäume identifizieren - die Überlebenskünstlerinnen, die als Garant für einen Fortbestand dieser Baumart dienen.

(KIWUH)

 

Hintergrund:
Das Thünen-Institut wurde 2008 als Bundesforschungsinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aus drei Vorgängereinrichtungen gegründet. Das Thünen-Institut gliedert sich in 14 Fachinstitute. Das Institut für Forstgenetik im brandenburgischen Waldsieversdorf behandelt die Arbeitsbereiche Herkunfts- und Züchtungsforschen sowie Resistenz- und Saatgutforschung und befasst sich mit ökologischer Genetik und Genomforschung. Das Forschungsprojekt → „Auftreten und Verbreitung des Quarantäneerregers Candidatus Phytoplasma ulmi in den Ulmenarten Deutschlands“ ist auch im Projektverzeichnis der FNR zu finden.

 

Das → KIWUH ist eine Abteilung der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe. Die FNR ist seit 25 Jahren als Projektträger des BMEL für das Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe aktiv. Sie unterstützt Forschungs-

themen in den Bereichen nachhaltige Forstwirtschaft und innovative Holzverwendung und ist seit 2016 mit der Umsetzung der Deutschen Waldtage sowie der Charta für Holz 2.0 betraut. Zum Aufgabenfeld zählt seit 2019 auch die Verwaltung des Waldklimafonds, Programmbestandteil des Sondervermögens Energie- und Klimafonds des Deutschen Bundestages unter gemeinsamer Federführung des Bundeslandwirtschafts- (BMEL) und des Bundesumweltministeriums (BMU). FNR und KIWUH leisten zudem Fachinformationen und Öffentlichkeitsarbeit.

 

Weitere Informationen:

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR)

Baum des Jahres Stiftung


 

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Weitere Berichte "rund um den Baum" finden Sie im Archiv >>Baum+Natur

 

 

Baum des Jahres
bisherige Jahresbäume
Deutschland

1989 Stiel-Eiche
1990 Rotbuche
1991 Sommer-Linde
1992 Berg-Ulme
1993 Speierling
1994 Europäische Eibe
1995 Spitzahorn
1996 Hainbuche
1997 Eberesche
1998 Wild-Birne
1999 Silber-Weide
2000 Sand-Birke
2001 Esche
2002 Gemeiner Wacholder
2003 Schwarz-Erle
2004 Weiß-Tanne
2005 Rosskastanie
2006 Schwarzpappel
2007 Wald-Kiefer
2008 Echte Walnuss
2009 Berg-Ahorn
2010 Vogel-Kirsche
2011 Elsbeere
2012 Europäische Lärche
2013 Holzapfel
2014 Traubeneiche
2015 Feld-Ahorn
2016 Winterlinde
2017 Fichte
2018 Esskastanie

2019 Flatter-Ulme

Österreich
In Österreich wird seit 1994 ein Baum des Jahres ausgewählt. Im Gegensatz zur deutschen Auswahl können in Österreich ganze Gattungen ebenso wie einzelne Arten ausgewählt werden. Sogar Gruppen, die biologisch nichts miteinander zu tun haben, wie die Wildobstbäume wurden ausgewählt.

1994 Tannen
1995 Buchen
1996 Linden
1997 Fichten
1998 Schwarzerle
1999 Zirbe
2000 Schwarzkiefer
2001 Eschen
2002 Lärchen
2003 Weiden
2004 Eberesche
2005 Ahorne
2006 Ulmen
2007 Hainbuche
2008 Speierling
2009 Birken
2010 Wildobstbäume
2011 Zirbe
2012 Elsbeere
2013 Eibe
2014 Rotbuche
2015 Weißtanne
2016 Eiche

2017 Wacholder

2018 Pappeln

2019 Hopfenbuche

 

 


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