Baum&Natur - Bäume

Baumschutz  |  Bäume  |  Wald  |  Natur  |  Fundsachen

 

 

Sowohl Baum als auch Giftpflanze des Jahres

Die vielen Gesichter der Europäischen Eibe

 

Sowohl Baum als auch Giftpflanze des Jahres
Foto: Marco Schmidt / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.5

 

(3.1.2018) Die meisten Menschen kennen die Eibe von Friedhöfen, als Formgehölze in königlichen barocken Schlossparks oder als Heckenbegrenzung in Gärten von Koniferenliebhabern. Pferde- und Schafhalter wissen, dass sie hochgiftig für ihre Tiere ist, wenn unachtsame Mitmenschen ihre Gartenabfälle „über den Zaun“ entsorgen. Doch nur wenigen ist bekannt, dass der aus der Eiszeit stammende Baum in Deutschland als stark bedroht gilt und daher in unseren Wäldern geschützt ist.

 

Ureibe
Eiben können sehr alt werden. Die Ureibe bei Steibis steht südöstlich von Steibis (Markt Oberstaufen) im Landkreis Oberallgäu. Ihr Alter wird auf 600 bis 800 Jahre geschätzt.
Foto: Nasenbär / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Taxus baccata, so lautet der lateinische Name der Europäischen Eibe. Sie hat schon die Auszeichnung „Baum des Jahres“ (1994) als auch „Giftpflanze des Jahres“ (2011) erhalten. Die Eibe gilt als die älteste Baumart Europas und war schon im Zeitalter des Tertiärs auf unserer Erde vorhanden. Größere natürliche Vorkommen gibt es vor allem in wärmeren Ländern wie Portugal, Spanien, der Bretagne in Frankreich oder auf dem Balkan, aber auch in Skandinavien und im Baltikum.

 

Selten und teuer

 

Heute steht die Eibe in Deutschland auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Übernutzung und Verdrängung durch konkurrenzstärkere Bäume wie die Buche haben dazu beigetragen. Das bedeutet, dass Eiben in der Natur geschützt sind und nicht wirtschaftlich verwertet werden dürfen. Das bei uns im Handel befindliche Eibenholz stammt daher aus anderen Ländern, was vom Holzhändler lückenlos dokumentiert werden muss. Eibenholz ist rar und teuer, Käufer müssen bis zu 4.000 Euro pro Kubikmeter dafür zahlen.

 

kernholz
Eibenholz ist rar und teuer.
Foto: Albrecht1471 / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0
 
formschnitt
In vielen Parks und Gärten werden Eiben als Formengehölze verwendet. Foto: pixabay / CC0 1.0

Früher Waffen, heute Furniere

 

Die Eibe ist ein Kernholzbaum, Kern und Splint unterscheiden sich besonders deutlich: Der Kern des Eibenholzes ist rötlich, das umliegende Splintholz ist fast weiß. Es ist wesentlich schwerer als andere Nadelhölzer, sehr hart und fest, aber auch elastisch und feuchtigkeitstolerant. In früheren Zeiten war das Holz der Eibe verbreitet und geschätzt, Bogen, Armbrust, Speere und Lanzen wurden etwa daraus hergestellt. Auch der über 5000 Jahre alte Gletschermann „Ötzi“ trug einen Eibenbogen bei sich. Heute werden besonders gute Sportbögen zwar immer noch aus schichtverleimten Eibenholz hergestellt, doch hauptsächlich wird es für Möbelfurniere und zum Drechseln und Schnitzen verwendet.

 

Schmuck nicht nur des Barockgartens

 

Obwohl es schon im Mittelalter Schutzbestimmungen für den Erhalt der Eibe in freier Natur gab, wurde sie dort letztendlich immer weiter zurückgedrängt. Dagegen kam ihre Nutzung in Parks und Gärten immer mehr in Mode. Seit der Renaissance und vor allem im Barock ist sie dort Teil der Gartenkultur. Es gibt unterschiedliche Wuchsformen und unterschiedlichen Färbungen wie die gelbnadelige Säulenform oder die breitwüchsige „Adlerschwingen-Eibe“, sogar eine bodenbedeckende „Kisseneibe“ bietet der Fachhandel an.

 

Hohes Alter möglich

 

Eiben können bis zu 20 Meter hoch werden, sie wachsen allerdings sehr langsam. Außerdem können sie sehr alt werden. Die „Alte Eibe von Balderschwang“ steht im Hochtal von Balderschwang im Landkreis Oberallgäu und wird von Experten auf 1000 bis 1500 Jahre geschätzt. Die „Fortingall Yew“, eine Europäische Eibe auf einem Kirchhof in Fortingall in Schottland wird auf über 2000 Jahre geschätzt. Sie gilt als ältester Baum Europas. Ihr Stamm hatte Ende des 18. Jahrhunderts schon einen Umfang von 16 Metern. Einer der größten deutschen Eibenwälder mit circa 3000 Eiben liegt im Naturwaldreservat Wasserberg bei Gößweinstein in der Fränkischen Schweiz.

 

Schön, aber giftig

 

Die Eibe ist sehr anspruchslos. Sie bevorzugt kalkhaltige, lehmige Böden, wächst aber auch auf vielen anderen Böden, nur Staunässe und saure Moorböden mag sie nicht. Die Eibe ist außerdem ein schattentoleranter Baum und steht lieber im Schatten als in der prallen Sonne. Eiben sind zweihäusig, das heißt es gibt männliche und

weibliche Bäume. Anders als die meisten anderen Nadelbäume haben sie keine Zapfen, sondern leuchtend rote Früchte. Der fleischige Samenmantel wird Arillus genannt. Er ist im Gegensatz zu allen anderen Pflanzenteilen

Nadeln
Während die Nadeln hochgiftig sind, ist der fleischige rote Samenmantel ohne den Kern essbar. Foto: pixabay / CC0 1.0

der Eibe essbar. Sehr giftig sind dagegen Nadeln, Triebe, Rinde, Holz und Samen. Der hartschalige Samen der roten Scheinbeere ist eine Leibspeise für den Kleiber. Er trägt zur Verbreitung der Eibe bei, weil er sich ähnlich wie das Eichhörnchen Vorratsdepots anlegt, diese aber teilweise wieder vergisst. Auch viele Drosseln wie Singdrossel, Misteldrossel oder die Amsel mögen die roten Eibenfrüchte und scheiden den harten Kern unverdaut wieder aus, sodass er keimen kann.

Während die Wildtiere Hase, Reh und Hirsch relativ unempfindlich gegenüber dem Gift Taxin sind, vertragen Weidetiere wie Pferde, Rinder, Schafe oder Ziegen keine Eibe. Schon geringe Mengen an Nadeln können tödlich sein. Auf keinen Fall darf daher Heckenschnitt auf ihre Weide gelangen. Für Menschen ist die rote Eibenfrucht nur dann gefährlich, wenn die Kerne komplett zerkaut werden. Wird der Samen nur geschluckt, passiert er den Magen-Darmtrakt meist ohne Symptome.



Quelle: Profil Online


Weitere Informationen:
Die Eibe - Ein fast vergessener Baum unserer Wälder

 

 


Zurück zur Übersicht oder zur Startseite

 

Weitere Berichte "rund um den Baum" finden Sie im Archiv >>Baum+Natur

 

Branchebuch
Diese Firmen werben
auf arboristik.de,
wir bitten um Beachtung.
- Ing.-Büro
Dipl.-Ing. Block-Daniel
- Sachverständigenbüro
Dipl.-Ing. Henning Müller
- Baumdienst Behr
- Standardsoftware für Sachverständige Franz Hund
- Matthias Zorn
Sachverständigenbüro Gartenbau
lilie
- Mediadaten
linie
Im Branchenbuch auf arboristik.de können Sie Ihre Dienstleistung oder Produkt in Form eines Basiseintrages vorstellen und bewerben, und dies zu äußerst günstigen Tarifen. Ein Eintrag als Basiseintrag ist schon ab 2 Euro monatlich möglich.
linie


2003 - 2018 - arboristik.de - All rights reserved

Ureibe bei Steibis Eibenholz Formschnitt Nadeln und Früchte