Erfolgreiches 12. VTA-Spezialseminar
 
9. und 10. Mai 2006 im Forschungszentrum für Technik und Umwelt, Karlsruhe


Ein Rückblick

Da waren sie wieder, zum 12. Male in der vollbesetzten Aula des Fortbildungszentrums für Technik und Umwelt am Forschungszentrum Karlsruhe, jene sympathische Baumgemeinde vom Baumpfleger bis zum promovierten Naturwissenschaftler, die alle hören wollten, was man über die Passion ihres Lebens, die Bäume, Neues lernen kann.
Und davon gab es genug, mehr als genug sogar. Professor Dr. Mattheck zeigte eine neue Designregel auf: der 45° Winkel als Schubkiller von der Blattader bis zur Wurzelverzweigung, vom Käferhorn zum Entenfuß und vom Schmetterlingsflügel zur Astholzfaserverteilung.
Direkt daraus abgeleitet folgte eine grafische Methode zur Bauteiloptimierung und zur Simulation von Wachstum, zur Bewertung von Aststützwirkungen und zur Empfehlung von Schnittmaßnahmen. Nicolas Klöhn sprach über den Baumschnitt aus Sicht des Naturschutzes und brach eine Lanze für Karl, den Käfer.
Mit einem furiosen Vortrag beendete Professor Dr. Mattheck den ersten Tag und entließ die hungrigen Teilnehmer zum gemeinsamen kalten Imbiss mit neuen Einsichten über die Geometrie der Natur, einem Produkt gnadloser Auslese in der Evolution.

Der zweite Tag gehörte einer neuen Formel für Baumcontainer, die ohne Windlastabschätzungen auskommt und deren angedachter Übertragung auf Schachtschäden, wobei deutlich auf Möglichkeiten und Grenzen der Ansätze hingewiesen wurde. Die Übereinstimmung des berechneten Containerradius mit dem Wurzelplattenradius des Windwurfdiagrammes erfreute das Auge und war weiterer Beweis für die Naturnähe der VTA-Denkweise.
Bei aller moderner Wissenschaft gilt auch heute noch: Wenn sie die Naturbeobachtung nicht wiedergibt, ist nicht die Natur falsch, sondern - auch wenn es Manche nicht sehen wollen - die Theorie !!
Dr. Weber referierte danach über die Folgen von Verletzungen am Baum als Ergebnis einer weltweiten Literatur-Recherche. Hierbei wurde der Erfolg der Selbstheilung der Bäume aufs neue deutlich.

Ein weiteres Thema war der Kiefernbaumschwamm, die Geißel der brandenburgischen Wälder.
Das Holzzersetzungsmuster, das durch diese Pilzart verursacht wird, sowie geeignete Fäulediagnosemethoden und die Bewertung des Gefahrenpotentials wurden hierzu dargestellt.
Prof. Dr. Hans-Joachim Hötzel referierte als erfahrener Umweltjurist wieder über die Verkehrssicherungspflicht rund um den Baum, über den Schlankheitsgrad als neues justiziables Versagenskriterium und beantwortete geduldig wie immer die vielen Fragen.

Nach einer kurzen Kritik von Prof. Dr. Mattheck an der neuen ZTV-Baumpflege der FLL gab es eine rege Diskussion um denkbare Haftungsrisiken, die sich aus den in der ZTV-Baumpflege mehr als verdoppelten Seilbruchlasten ergeben könnten. Die gesellschaftlichen Konsequenzen aus den vorgetragenen Erkenntnissen sind noch nicht voll absehbar. Wohl sicher ist, dass das Seminar mit der Vermittlung neuer Naturkonstanten und verborgener Gestaltgesetze der Natur eine neue standesübergreifende mechanische Denkweise, eine gesprochene Mechanik vermittelt, die weite Bereiche unseres Lebens, nicht nur im grünen Bereich, beeinflussen dürfte.

Dem neuen Buch von Claus Mattheck: Verborgene Gestaltgesetze der Natur, das im Herbst erscheint und auch die diesjährigen VTA-Eliteseminare prägen soll, ist daher eine weite Verbreitung zu wünschen.

Erika Koch

 
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