19. und 20. April 2005 im Forschungszentrum Karlsruhe

Ein Rückblick


Voll wie immer war die ausgebuchte Aula im Forschungszentrum Karlsruhe und gut die Stimmung der 500 Teilnehmer, die aus fünf Ländern anreisten.
Nach der Zählweise des Büros Koch waren 500 Teilnehmer bei uns. Nach der Zählweise der Augsburger Baumpflegetage hätten wir jedoch 1 000 Teilnehmer gehabt.
Der Aufbau des Programms war beinahe schadenskundlich: Betriebsbelastung, Versagensrisiko und Abhilfe ! Es referierte der Leiter des Institutes für Meteorologie und Klimaforschung zu Garmisch über den globalen Klimawandel. Fazit für den Baumpfleger: Mehr Erwärmung, mehr Hochwasser und mehr Stürme! Und gerade dieses Sturmgeschehen dürfte eines der größten Probleme in der Baumpflege auch der näheren Zukunft darstellen.
Wie sich der Wind im urbanen Bereich verteilt und warum Windlastangaben für den individuellen Baum problematisch sind, darüber trug Prof. Dr. Dr. h.c. Bodo Ruck vom Labor für Umweltaerodynamik der Universität Karlsruhe vor und führte den Beweis mit eigens für diese Tagung erstellten aerodynamischen Computersimulationen. Überzeugend zeigte er die Orte überhöhter Windlast im urbanen Bereich.
Danach folgte der alljährliche Vortragsmarathon von Prof. Dr. Claus Mattheck über die Ursachen langer Hebelarme am Baum und zeigte den Phototropismus als wesentliche Ursache mechanisch unvorteilhafter Kronenarchitektur auf. Es wurden Maßnahmen im Wurzelbereich (Ankerhilfen) und Kronenbereich (Schnittmaßnahmen) aufgezeigt und an Beispielen bzw. mit Video-Vorführungen erläutert.
Mit einer neuen rechnerischen Bestätigung zur 70%-Regel für hohle Bäume und einem Vergleich mit dem Bambus endete der erste Tag und beim kalten kleinen Buffet wurde noch lange diskutiert.
Der zweite Tag gehörte auch Dr. Karlheinz Weber und Prof. Dr. Hans-Joachim Hötzel. Ersterer zeigte die Astanbindung in einer aktualisierten Darstellung und mit Untersuchungen über Löwenschwanzäste ergab sich auch eine erweiterte Körpersprache der Astanbindung. Endlich konnten wir erklären, warum viele Äste nicht stammnahe brechen, sondern in einem gewissen Abstand vom Stamm, sei es um bei statischer Belastung oder unter Beachtung der Drehimpulserhaltung bei Schlagregen.
Vor- und Nachteile bei Kronensicherungen wurden übersichtsmäßig gezeigt.
Prof. Hötzel referierte dieses Mal dem roten Faden der Tagung folgend über das Sturmgeschehen als "höhere Gewalt" auch mit Blick auf den Klimawandel. Eng verbunden damit ist der Schlankheitsgrad bei Bäumen und Ästen und dessen Würdigung in der Rechtsprechung.
Aktuelle Urteile zu VTA und eine wie immer angeregte Diskussion zeigten, dass der Referent trotz einer Erkältung sein Publikum erreichte und fesselte.
Vor der Abschlussdiskussion fasste Prof. Mattheck die Tagung noch einmal zusammen mit der Antwort auf die Frage, wie wir den Stürmen begegnen können, angefangen von Planung und Baumschule bis zum Baumschnitt.
Für das nächste und damit 12. VTA-Spezialseminar am 9. und 10. Mai 2006 versprach er den Teilnehmern eine großartige biomechanische Erkenntnis über gewachsene Strukturen, auf die man gespannt sein darf.
Er dankte den Teilnehmern für die zwei unwiderbringlichen Tage ihres Lebens, die sie ihm anvertrauten.
Wie immer fand im Anschluss daran das Wertermittlungs-Seminar nach Original-Methode KOCH (Stand der Technik seit BGH-Urteil 1975) statt, bei dem öbv SV Franz Hund und Prof. Dr. Hötzel referierten. Die Resonanz daraufhin war beeindruckend.

Erika Koch

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